Birgit Großmann-Kraus mit einer ihrer dekorativen Schalen. foto: sas
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Birgit Großmann-Kraus mit einer ihrer dekorativen Schalen. foto: sas

Töpfermarkt

Flörsheim: Handwerkskunst in seiner schönsten Form

Zwei besondere Kunsthandwerkerinnen präsentierten unterschiedlichen Töpfer-Arbeiten.

Flörsheim -"Was kosten die fliegenden Frauen?", erkundigte sich ein Besucher am Stand von Stina Tummel. Der Mann hatte Gefallen an den aus Ton geformten Weibsbildern der Weilbacherin gefunden, die eine Ecke des Stadtgartens bevölkerten. Die ausdrucksstarken Skulpturen saßen auf Hecken oder Ästen und schaukelten an Schnüren durch die Luft. Während der interessierte Herr noch überlegte, hatte sich eine andere Besucherin des Töpfermarkts längst entschieden und die Frauengestalt ihrer Wahl reserviert und getauft. "Ich wollte die Louisa abholen", meldete sich die Besucherin bei Stina Tummel.

Die Kunsthandwerkerin ist im Münsterland aufgewachsen, wo sie auch die Ausbildung zur Keramikerin abschloss. Zunächst arbeitete Tummel in der industriellen Keramikfertigung, bevor sie sich schließlich mit ihren kreativen Frauenfiguren selbstständig machte. Mittlerweile lebt sie im Flörsheimer Stadtteil Weilbach.

Ebenfalls eng mit Flörsheim verbunden ist Birgit Großmann-Kraus, die räumlich gewissermaßen den umgekehrten Weg ging. Bis zu ihrer Ausbildung in den 80er Jahren lebte sie in Flörsheim. Seit dem Abschluss der Meisterprüfung betreibt die Keramikerin ihre eigene Werkstatt in Nidderau-Windecken. Der Stand von Großmann-Kraus präsentierte sich am Wochenende nüchterner und geordneter als das Reich von Tummels Weibsbildern.

Die Auslage von Großmann-Kraus bestand aus Tellern, Schalen, Tassen und Teekannen. "Das soll nicht irgendwo in einer Vitrine stehen", erklärte die Standbetreiberin. Sie lege Wert darauf, dass die Dinge benutzbar sind. Stina Tummels Herangehensweise ist verträumter: "Wenn ich irgendwo Bilder sehe, fallen mir die Ideen zu", sagte die Weilbacherin. Sie betrachtet ihre Frauenkörper in Aktion als kleine Erzählungen. "Die Geschichten werden immer wieder neu erzählt", erklärte die Handwerkerin. Dekorative Verzierungen, die über die reine Funktion des Geschirrs hinaus gehen, finden sich allerdings auch bei Kollegin Großmann-Kraus. Sie erreiche eine individuelle Note durch Glasuren, die sie selbst ansetze, erläuterte die gebürtige Flörsheimerin. Auch besondere Brandtechniken, wie der Raku-Brand, verleihen den Gefäßen eine einzigartige Oberfläche. Außerdem setze sie dekorative Schwerpunkte mit den Griffen ihrer Teller und Töpfe, in die sie auffällige Muster einarbeitet. "Das ist so ein bisschen meine Liebelei", verriet Birgit Großmann-Kraus.

Beide Teilnehmerinnen des Töpfermarktes sind im Vorstand des ausrichtenden Vereins Keramik-Hessen aktiv. Dass die Veranstaltung trotz der Corona-Einschränkungen stattfinden konnte, war ihnen wichtig. "Die Leute leben davon", betonte Tummel. Der Markt wurde in den Stadtgarten verlegt und die Teilnehmerzahl auf 25 Stände halbiert. Die Planung sei Hand in Hand mit der Stadtverwaltung gegangen. "Wir hätten das alleine als Verein nicht geschafft", meint Stina Tummel. Birgit Großmann-Kraus findet es sehr lobenswert, dass die Stadt nie an der Durchführung gezweifelt habe.

Unterstützung gab es auch vom Flörsheimer Narren Club, der die Besucher nicht nur verköstigte, sondern auch die Kontrollen am Ein- und Ausgang des Stadtgartens übernahm. sas

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