An der Ecke Pfarrhausstraße/Kirchstraße erinnert eine historische Weinpresse an die Geschichte der Wickerer Weinproduktion. Nur wenige Häuser weiter griff die Polizei am Montag wegen ganz anderer Rauschmittel zu.
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An der Ecke Pfarrhausstraße/Kirchstraße erinnert eine historische Weinpresse an die Geschichte der Wickerer Weinproduktion. Nur wenige Häuser weiter griff die Polizei am Montag wegen ganz anderer Rauschmittel zu.

Polizeieinsatz

Süßlicher Geruch von „Mülldeponie“? – Marihuana-Plantage in Flörsheim entdeckt

Anwohner in der Kirchstraße berichten über den groß angelegten Einsatz der Polizei.

Wicker – Idyllischer geht es kaum. Die Wickerer Kirchstraße ist eine ruhige kleine Gasse, in der ab und zu die Kirchturmglocken läuten. An der Einfahrt aus Richtung des alten Ortskerns erinnert eine historische Weinpresse an die Geschichte des Weindorfes. Doch Wein war offenbar nicht der einzige berauschende Stoff, der in der Kirchstraße eine Rolle spielte. In einem Mietshaus direkt gegenüber der katholischen Kirche flog am Montag eine Marihuana-Plantage im großen Stil auf. Wie bereits gestern berichtet, griff die Polizei im Rahmen einer international koordinierten Razzia zu.

Nachbarin Constanze Nauheimer war die erste, die in den frühen Morgenstunden etwas vom Großeinsatz mitbekam. Fast hätte die Wickerin selbst die Polizei verständigt - denn zuerst glaubte sie an einen Einbruch im Nachbarhaus. Sie habe zufällig gegen 6 Uhr morgens aus dem Küchenfenster geschaut und Taschenlampen auf dem angrenzenden Grundstück flackern gesehen. Dann beobachtete Constanze Nauheimer mehrere Personen, die den Rollladen am Hintereingang anhoben und die Tür aufhebelten. Erst als sie Männer in Sturmhauben erkannte, sei ihr klar geworden, dass sie gerade einen Zugriff der Polizei miterlebt. "Das Haus war komplett umstellt", berichtet die Augenzeugin. Kurz darauf sei ihr Nachbar abgeführt worden.

Marihuana-Plantage in Flörsheim entdeckt

Was sich am Montagmorgen in der Nachbarschaft abspielte, blieb keinem Anwohner der Kirchstraße verborgen. Roger Wollstädter, der einige Häuser weiter wohnt, bemerkte das Polizeiaufgebot, als er morgens den Hof verlies. "Die ganze Gasse war dicht", sagt der frühere Betreiber einer Straußwirtschaft. Die Polizei habe direkt vor seinem Tor gestanden und die ganze Straße versperrt. In einem riesigen Laster verstauten die Beamten Beweismaterial. Der ganze Einsatz habe bis etwa 14.00 oder 15.00 Uhr gedauert. Zwischenzeitlich sei sogar ein Polizist bei ihm auf die Toilette gegangen, berichtet Wollstädter, der sich über Telefon mit den anderen Nachbarn austauschte. "In unserem Ort kann man sich so was gar nicht vorstellen", meinte der Wickerer.

Gestern waren alle Rollos im Erdgeschoss des durchsuchten Hauses verschlossen. Der einzige Hinweis auf den früheren Mieter war sein Auto mit slowenischem Kennzeichen, das im Hof parkte. Constanze Nauheimer hatte bisher immer einen positiven Eindruck vom Nachbarn gehabt, der seit rund drei Jahren dort wohnte. "Der war immer superfreundlich und hat nett gegrüßt", sagt die Wickerin. Eine richtige Unterhaltung habe sie mit dem jungen Mann aber nie geführt. Ob der Nachbar alleine oder mit anderen in dem Haus wohnte, habe sie nicht gewusst. "Der lebte sehr zurückgezogen", berichtet Nauheimer. Gestern Vormittag war auch der vorher arg- sowie ahnungslose Vermieter an Ort und Stelle, um sich selbst ein Bild von der Situation in seiner Immobilie zu machen. Der ältere Herr, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist ebenso überrascht wie die Nachbarn. Der Mieter aus Slowenien sei sympathisch gewesen und habe immer pünktlich seine Miete bezahlt. Was sich jedoch hinter den Wänden abspielte, konnte er nicht ahnen.

"Auf allen Etagen gab es Lampen, Erde und eine Klimaanlage", beschreibt der Hauseigentümer die Marihuana-Plantage. "Wir können das noch gar nicht einordnen", erklärt der Wicker, der eine Entrümpelungsfirma beauftragt hat. Gestern Abend wollte er zunächst einmal lüften.

Ein süßlicher Pflanzengeruch habe auch in der Vergangenheit schon in der Luft gelegen, ist sich Nachbarin Constanze Nauheimer rückblickend sicher. Es sei ihr und anderen Familienmitgliedern aufgefallen, dass es nach Gras roch, erzählt die Wickerin, die sich nicht viel dabei dachte. "Wir dachten, das kommt von der Wickerer Mülldeponie." (sas)

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