Bürgermeister Dr. Bernd Blisch (li.) und Frederic Lanz bei der Übergabe des Luftreinigungsgerätes im Stadtbüro.  Foto: Stadt Flörsheim
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Bürgermeister Dr. Bernd Blisch (li.) und Frederic Lanz bei der Übergabe des Luftreinigungsgerätes im Stadtbüro. Foto: Stadt Flörsheim

Verwaltung

Flörsheim: Im Stadtbüro soll die Luft besser werden

Ein Wickerer spendet seiner Heimatstadt ein Luftreinigungsgerät.

Flörsheim/Wicker -Eigentlich hätte Frederic Lanz am Wochenende auf der Bühne gestanden. Wenn nicht die Corona-Krise alles geändert hätte - eben auch für die Fassenachter. In Wicker ist der 39-Jährige nämlich seit 30 Jahren während der Fastnachtszeit bei den Fremdensitzungen aufgetreten. Dieses Jahr wäre es zum 31. Mal gewesen, dass er als Mitglied der Sing- und Spielgruppe die Besucher in der Goldbornhalle unterhalten hätte. Doch was hat die Fassenacht mit einem Bericht über Frederic Lanz zu tun? Antwort: Die Zahl drei kommt ebenso bei einem Geschenk vor, das er der Stadt Flörsheim gemacht hat. Rund 3000 Euro kostet nämlich ein Luftreinigungsgerät, das nun im Stadtbüro seinen Dienst verrichtet. Der Wickerer ist nämlich Geschäftsführer der Kemper GmbH aus Vreden im Münsterland.

Das Unternehmen vertreibt weltweit ihre Luftfiltersysteme, die hauptsächlich in Industriebetrieben zum Einsatz kommen. Auf das Absaugen von Schweißrauch, wie er bei der Metallverarbeitung vorkommt, hat sich die Firma mit verschiedenen Modellen in ihrem Angebot spezialisiert. Dies ist ihr Kerngeschäft. Jedenfalls vor der Corona-Krise.

Das Luftreinigungsgerät im Stadtbüro hat damit allerdings nichts zu tun, wie Frederic Lanz erläutert. Nachdem die Corona-Krise kreative Lösungen in Sachen Luftreinigung herausforderte, nahmen sich die Mitarbeiter der Firma mit ihrem Know-how des Problems an. "Wir haben für Gastronomen ein Luftreinigungsgerät samt einer App für die Abstandswahrung entwickelt", erklärt Frederic Lanz. Doch die erste Schließungswelle im März habe dann einer weiteren Vermarktung im Weg gestanden. Obwohl die Kosten für die Geräte sich nach circa einem halben Jahr amortisiert hätten, so Frederic Lanz, konnten sie nicht an die Gastronomie ausgeliefert werden, die beim ersten Lockdown ja in allen Bundesländern geschlossen war.

Doch mit seinen Luftreinigungsgeräten, die mit starken Filtern ausgerüstet sind, ist das Unternehmen gut im Geschäft: "Wir haben große Auftragsbestände, die sich im vierstelligen Bereich bewegen", berichtet der Wickerer weiter. So lieferte die Firma die Geräte zur Luftreinigung nicht nur nach Bayern und Hessen aus, sondern auch für Berliner Schulen. Es gibt die Reinigungsgeräte sogar mit zusätzlicher UVC-Lichttechnik, was aber wegen der Strahlung nicht von allen Kunden als vorteilhaft angesehen werde. Das in Flörsheim verwendete Gerät hat diesen Zusatz nicht.

Das nun der Stadt Flörsheim geschenkte Luftreinigungsgerät war als Demonstrationsobjekt im Kreisgebiet eingesetzt. So bleibt noch die Frage zu klären: Warum hat Frederic Lanz als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens mit über 300 Mitarbeitern das Reinigungsgerät der Stadt gespendet? "Ich wollte etwas für meine Heimatstadt tun", sagt der Vater einer kleinen Tochter. Zuerst war die Idee, das Gerät in eine der Kinderbetreuungseinrichtungen einzusetzen. Aus praktischen Gründen wäre die Wirkung des Geräts in den Räumen einer Kita aber nicht so zur Geltung gekommen. Die Stadtverwaltung habe vielmehr die Aufstellung im Stadtbüro vorgeschlagen. Das gerät ist mit einem HEPA-H 14-Filter ausgerüstet, der Aerosole, Viren und Bakterien mit einem Wirkungsgrad von 99,995 Prozent aus der Luft filtern soll. Pro Stunde könne die Anlage den Luftinhalt eines 100 Quadratmeter großen Raumes sechs Mal komplett filtern.

Frederic Lanz hatte übrigens vor einigen Jahren einen Fachhandel für Schweißtechnik von seinem Vater Karl-Heinz in Wicker übernommen. Nach dem Verkauf der Firma zog es ihn nach Finnland, wo er über fünf Jahre bei einem Unternehmen beschäftigt war. Nachdem er von einem Studienfreund angeworben wurde, wechselte er zu Kemper GmbH aus Vreden. Der Kreis schließt sich für Frederic Lanz wieder in Wicker: Bei der Harmonie engagiert sich seit Jahrzehnten im Vorstand seine Mutter Beate Lanz für den Verein - und unter anderem besonders für die Fassenacht. meh

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