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Flörsheim: Jahreswagen-Markt ist so gut wie leergefegt

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Familienbetrieb (v. li.): Sascha, Thomas und Marcel Ullrich. FOTO: privat
Familienbetrieb (v. li.): Sascha, Thomas und Marcel Ullrich. FOTO: privat © Kröner, sascha

Autohaus-Besitzer Thomas Ullrich beantwortet Fragen zur Situation beim Gebrauchtwagen-Verkauf und zum Standort.

Wicke -Vielen Autofahrern ist das Autohaus Ullrich ein Begriff. Man muss keinen Wagen im Flörsheimer Stadtteil Wicker gekauft haben, um das Unternehmen zu kennen, das Thomas Ullrich im Jahr 1989 in der Kirschgartenstraße gründete. Der Familienbetrieb macht regelmäßig durch große Konzerte und Oktoberfeste auf sich aufmerksam. Zuletzt sollte im Jahr 2020 das 30-jährige Bestehen gefeiert werden - wegen Corona mussten die Autohändler ihr Festwochenende jedoch streichen. Nun werde man wohl erst zum 35. Geburtstag des Betriebs einladen, erklärt Thomas Ullrich dieser Zeitung. In Wicker gibt es allerdings Spekulationen darüber, ob das Geschäft bis dahin noch am heutigen Standort existiert. Der Geschäftsführer hat sich zu den Gerüchten geäußert.

Thomas Ullrich berichtet auf Nachfrage dieser Zeitung, dass er nach Bayern zieht und nur noch alle drei bis vier Wochen in Wicker vorbeischauen wird. Seine Söhne Marcel und Sascha Ullrich kümmern sich derweil in der Kirchgartenstraße um Verkauf und Logistik. Das Autohaus werde weiterbestehen, sagt Thomas Ullrich. Und zumindest aktuell bleibe es auch beim Standort in Wicker. Der Geschäftsführer erklärt allerdings auch, dass es Überlegungen gebe, sich mit Kollegen zusammenzutun und sich dadurch breiter aufzustellen. Wo das Geschäft künftig seinen Sitz hat, könne er jetzt noch nicht sagen. Die Verhandlungen würden andauern.

Er selbst werde etwas kürzer treten, sagt Thomas Ullrich. Von Bayern aus wolle er aber weiterhin die Einkäufe übernehmen. Das Wickerer Autohaus hat sich auf Jahreswagen spezialisiert - Gebrauchtwagen also, deren Erstzulassung weniger als zwölf Monate zurückliegt. Dieser Markt ist momentan jedoch nahezu leer gefegt. "Seit September letzten Jahres gibt es immer weniger Fahrzeuge, und die Preise im Einkauf gehen durch die Decke", berichtet Thomas Ullrich. Schuld sei die schleppende Produktion aufgrund von Corona, aber auch der Krieg in Osteuropa spiele eine Rolle. "Die ganze Materialien kommen über die Ukraine", erklärt der Chef. Mittlerweile zahle man für Jahreswagen fast Neuwagenpreise. Sich nur auf eine Marke zu stützen, funktioniere angesichts der angespannten Marktsituation nicht mehr.

Das Autohaus reagiert auf die veränderte Lage. Um attraktiv zu bleiben, gehe der Betrieb mittlerweile wieder ähnliche Wege wie kurz nach der Gründung vor 30 Jahren, erzählt Thomas Ullrich. Wagen würden auf Wunsch der Kunden aus ganz Deutschland besorgt. "Wir fahren nach Berlin, um ein Auto nach Wicker zu holen", erläutert der Autohändler. Jährlich würden so bis zu 70000 Kilometer zurückgelegt, um Autos für die Kunden zu beschaffen. Heute sei Flexibilität gefragt, "Wir müssen jetzt nach allen Seiten offen sein", betont Thomas Ullrich. Gleichzeitig versuche er, viel Werbung online zu machen. Er betrachte die ruhigen Zeiten wie ein Landwirt, sagt der Gründer des Autohauses. Man müsse sich darauf konzentrieren, die Saat auszusähen, die man in Zukunft ernten will. sas

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