Wer bietet mehr? Ordnungsamtsleiterin Heike Schiller (re. stehend) leitete am Samstagmittag an der Treppe zur Untermainstraße die Fahrradversteigerung.
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Wer bietet mehr? Ordnungsamtsleiterin Heike Schiller (re. stehend) leitete am Samstagmittag an der Treppe zur Untermainstraße die Fahrradversteigerung.

Stadtverwaltung

Flörsheim: Jedes Fahrrad hat eine Vorgeschichte

Ordnungsamt versteigerte Fundräder auf dem Platz an der Alten Kirchschule.

Flörsheim -Mit prüfendem Blick begutachtete Timo Baake die Fahrräder, die auf der Treppe zwischen Untermainstraße und Kirchplatz aufgereiht standen. Der Hochheimer, der in Flörsheim zur Schule ging, hat persönlich erlebt, wie schnell Drahtesel verschwinden können. Während des Studiums in Darmstadt seien ihm zwei Räder geklaut worden. "Jetzt brauche ich Ersatz", erklärte der junge Mann, der mit seiner Mutter Sandra Baake an der Fahrradversteigerung teilnahm.

Dass Timo Baake nach seinen bisherigen Erfahrungen kein teures neues Rad kaufen wollte, ist verständlich. "Hauptsache es fährt", sagte der Hochheimer. Doch selbst diesen geringen Anspruch erfüllten nicht alle Fahrräder, die am Samstag zur Auswahl standen. Das Ordnungsamt versteigerte Räder, die im Stadtgebiet gefunden wurden. Dabei blieben die herrenlosen Drahtesel in dem - nicht immer attraktiven - Zustand, in dem sie gefunden wurden: Ein Rad war noch von Pflanzen umwuchert, ein anderes hatte eine gebrochene Felge.

Jedes Fahrrad war mit einer eigenen Vorgeschichte beim Ordnungsamt gelandet. Orangefarbene Zettel am Lenker gaben Auskunft über die verschiedenen Fundorte der 34 Drahtesel. So war zu erfahren, dass ein graues Klapprad in der Adam-Opel-Straße gefunden wurde, während ein dunkelblaues Herrenrad in der Wickerer Straße zurückgeblieben war. Ein grünes Damenrad begegnete seinem Finder in einem Gebüsch im Stadtpark, und ein Mountainbike war in den Weinbergen unterhalb der Flörsheimer Warte aufgespürt worden. Bei den Fundorten handele es sich häufig um Außenbereiche des Stadtgebiets oder Grünanlagen, erläuterte Ordnungsamtsleiterin Heike Schiller. Wie oft Fundräder gemeldet werden, sei unterschiedlich. Es könne vorkommen, dass vier bis fünf pro Woche auftauchen, oder auch nur eines im Monat. Die meisten Funde würden im Sommer gemacht, erklärte die Amtsleiterin. Wer sein Rad verloren hat, kann sich an die Polizei oder das Stadtbüro wenden. Heike Schiller hat jedoch festgestellt, dass sich nur wenige Besitzer melden. Anfragen gebe es vor allem bei hochwertigen Fahrrädern. Nach sechs Monaten entfällt die Aufbewahrungspflicht des Ordnungsamtes. Dann haben die Finder zunächst die Möglichkeit, das Rad zu übernehmen - verzichten sie, gehen die Räder in die Versteigerung. Räder, die auch bei der Versteigerung keinen neuen Besitzer finden, werden verschrottet. Dieses Schicksal blühte beinahe dem ersten Fahrrad, das am Samstag unter den Hammer kam. Erst im letzten Moment erbarmte sich ein Besucher, das Kinderrad für den Einstiegspreis von 5 Euro mitzunehmen. Für die folgenden Rädern gingen dann deutlich mehr Hände in die Luft. Bereits beim dritten Rad schlugen auch Timo und Sandra Baake zu. Obwohl Heike Schiller den Startpreis aufgrund der hohen Qualität auf 40 Euro festgesetzt hatte, bot das Mutter-Sohn-Gespann eifrig mit. Mit 120 Euro waren sie schließlich die Höchstbietenden. "Mehr als geplant", stellte Sandra Baake fest. Doch die Hochheimer waren trotzdem zufrieden. Lustigerweise sei das ersteigerte Rad mit demselben Fahrradschloss gesichert, das bei seinem vorherigem Rad aufgebrochen wurde, sagte Timo Baake. Nun muss er das Schloss selbst knacken, bevor er losfahren kann.

Wer ein Rad ersteigert, muss keine Angst haben, dem Vorbesitzer über den Weg zu fahren. Jeder Käufer erhielt einen Eigentumsnachweis von der Stadt. Das Ordnungsamt versteigerte am Samstag insgesamt 31 Räder und nahm 900 Euro ein. sas

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