Kiesabbau - ja oder nein? Um die Flächen zwischen B 519 und L 3265 im Norden von Weilbach geht's.
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Kiesabbau - ja oder nein? Um die Flächen zwischen B 519 und L 3265 im Norden von Weilbach geht's.

Gewerbegebiet

Flörsheim: Lieber ein Rechenzentrum als Kiesabbau

FDP wollte ein klares Signal gegen Weilbach II - die GRKW hat den Antrag bisher noch nicht zurückgezogen.

Weilbach -Seit Jahren hängt die Aussicht auf eine weitere Kiesgrube drohend über dem Stadtteil Weilbach. Die Gesellschaft zur Rekultivierung der Kiesgrubenlandschaft Weilbach (GRKW) hatte Pläne für den Kiesabbau nördlich der Ortsgrenze vorgestellt. Hört man auf einige im Aufsichtsrat vertretene Parteien, scheint das Projekt allerdings keine Zukunft zu haben. Die FDP setzte sich nun in der Stadtverordnetenversammlung mit einem Antrag zur Änderung des regionalen Flächennutzungsplans dafür ein, dass dies offiziell festgeschrieben wird.

Es sei einstimmiger Konsens der Flörsheimer Parteien, dass es keinen Kiesabbau Weilbach II geben soll, hieß es in der Beschlussvorlage der Freidemokraten. Seine Fraktion wolle mit ihrem Antrag dafür sorgen, dass es nicht bloß bei einem Lippenbekenntnis bleibe, erklärte der Fraktionsvorsitzende Thorsten Press in der letzten Sitzung der Stadtverordneten vor der Kommunalwahl. Nach Wunsch der FDP soll der Magistrat für eine Änderung des Flächennutzungsplans eintreten. Es geht dabei um die Flächen zwischen der Bundesstraße 519 und der Landesstraße 3265. Statt Kiesabbau schwebt den Liberalen die Umwandlung in ein Gewerbegebiet vor. Bei Vorschlägen für eine künftige Nutzung schielen die Antragsteller ins benachbarte Hattersheim. Wenn möglich, solle vorrangig ein IT-Dienstleister oder ein Rechenzentrum angesiedelt werden, fordert die FDP. Hattersheim hat mit solchen Datenspeichern gute Erfahrungen gemacht.

CDU-Fraktionschef Marcus Reif fand den FDP-Antrag gut. Aus seiner Sicht fehlten jedoch die Fragen, wem die Grundstücke gehören und ob die Stadt die Flächen übernehmen kann. Reif wies darauf hin, dass GRKW und MTR den Großteil der Areale halten. Er schlug vor, den Vorschlag in einen Prüfantrag umzuwandeln. Auch Frank Laurent (GALF) erklärte, seine Fraktion könne der Vorlage in dieser Form nicht zustimmen. Der Weilbacher störte sich daran, dass die Gewerbenutzung im Antrag bereits festgeschrieben sei. In diesem Gebiet gebe es jedoch einige der besten Ackerböden, betonte Laurent, der ebenfalls einen Prüfantrag befürwortete. FDP-Mann Werner Duchmann widersprach dem Grünen in Bezug auf die Bodenqualität. Bei mindestens der Hälfte der Flächen handele es ich um ein ehemaliges Kiesgebiet. Nur eine große Ackerfläche werde derzeit genutzt.

Die SPD sah die grundlegendere Frage nach dem Ende der Kiesabbau-Pläne nicht beantwortet. Es gebe bisher keine offizielle Aussage, dass der Genehmigungsantrag der GRKW zurückgezogen worden sei, meinte Philipp Moritz. Der Plan liege noch immer auf dem Tisch des Regierungspräsidiums Darmstadt. Ob die Genehmigungsbehörde den Kiesabbau zurückweise, sei unklar, so der Genosse. Die SPD war im vergangenen Jahr mit einer Resolution gegen den Kiesabbau gescheitert. Für den FDP-Vorschlag eines Rechenzentrums äußerte Moritz Sympathie. Eine solche Ansiedlung habe Charme.

CDU-Mann Reif forderte die SPD auf, die Polemik wegzulassen. Seit 2018 sei das Thema Kiesabbau nicht weiterverfolgt worden. Das Wissen, dass es keine weitere Kiesgrube in Weilbach geben werde, sei vorhanden.

Press erklärte sich damit einverstanden, den FDP-Antrag in einen Prüfauftrag umzuwandeln. Alle Fraktionen stimmten daraufhin der geänderten Beschlussvorlage zu.

Die SPD griff das Thema allerdings in einer Pressemitteilung im Nachgang zur Sitzung erneut auf. Eine Anfrage zum Stand des Genehmigungsverfahrens habe ergeben, dass der Antrag der GRKW noch immer nicht zurückgezogen sei, erläutert SPD-Chef Gerd Mehler. Laut Magistrat gebe es keinerlei offizielle Aussagen, ob der Antrag zurückgezogen oder durch die Aufsichtsbehörde zurückgewiesen werde. "Das genau hatten wir befürchtet", schreibt Mehler. "Den wohlfeilen Erklärungen von Landrat Cyriax sind offensichtlich keine Taten gefolgt." Die Aussagen des CDU-Fraktionsvorsitzenden Reif seien falsch. sas

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