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In den städtischen Kitas, hier die Einrichtung an der Hauptstraße, sollen Belüftungsanlagen installiert werden. Archiv-Foto: Nietner

Betreuung

Flörsheim: Luftreinigungsanlagen für Kitas?

Der Magistrat soll prüfen, wo eine Anschaffung notwendig ist.

Flörsheim -Die anhaltende Corona-Pandemie weckt das Bedürfnis, zu reagieren und Schutzmaßnahmen auf den Weg zu bringen. Dabei ist nicht immer klar, ob diese Reaktionen tatsächlich notwendig oder wirksam sind. In der Flörsheimer Stadtverordnetenversammlung führte nun ein Antrag der FDP zu ausgiebigen Diskussionen über die Lüftung in städtischen Betreuungseinrichtungen. Die Liberalen wollten den Magistrat beauftragen, Luftreinigungsanlagen für Kinderbetreuungseinrichtungen anzuschaffen.

Das Thema ist nicht neu: Erst vor wenigen Tagen beschloss der Kreistag einen Antrag von CDU, FDP und Grünen zur Prüfung von Lüftungsanlagen für Räume des Main-Taunus-Kreises. So sollen unter anderem für Schulräume, die nicht ausreichend belüftet werden können, mobile Luftreinigungsgeräte angeschafft werden.

Zurück nach Flörsheim: Die FDP argumentierte im Antrag, die Luftreinigung könne einen wichtigen Beitrag zum Gesundheitsschutz leisten. Fraktionschef Thorsten Press wies außerdem darauf hin, dass Räume stark abkühlen, wenn alle 20 Minuten gelüftet werde. "Wir können die ganz Kleinen doch nicht im Schneeanzug spielen lassen", betonte Press, der aufgrund der coronabedingten Beschränkung der Versammlung als einziger FDP-Vertreter anwesend war.

Die Diskussion in der Flörsheimer Stadthalle ging hin und her. Zunächst verwies Erste Stadträtin Renate Mohr (Galf) auf Studienergebnisse, laut denen Kinder bis zum Alter von sechs Jahren kein großes Infektionsrisiko haben. Gleichzeitig seien Luftreinigungsanlagen in Betreuungseinrichtungen im Gegensatz zu Schulen wenig nützlich, weil die Erzieherinnen dort mit wenig Abstand arbeiten. Die Luftfilterung verhindere im unmittelbaren Kontakt nicht die Tröpfcheninfektion. CDU-Fraktionschef Marcus Reif beklagte mangelnde Vorbereitung in den Schulen, bezweifelte jedoch die Sinnhaftigkeit des FDP-Antrags für städtische Betreuungseinrichtungen. "Wir könnten das Geld umsonst ausgeben."

"Alle Möglichkeiten ausschöpfen"

FDP-Mann Press betonte, man müsse endlich mal in die Puschen kommen. Selbst wenn das Risiko nur um fünf bis zehn Prozent minimiert werde, sei das Geld richtig ausgegeben. "Mir geht es darum, dass wir alle Möglichkeiten ausschöpfen." Stadträtin Mohr reagierte etwas ungehaltener: Die Umsetzung sei keine Frage des Geldes. Vielmehr habe die Verwaltung bereits ihre Hausaufgaben gemacht und Konzepte umgesetzt. "Wir sind schon lange in die Puschen gekommen."

Es gebe jedoch niemanden, der solche Luftreinigunsganlagen empfehle. Galf-Fraktionschef Frank Laurent und CDU-Mann Marcus Reif drückten ihr Vertrauen in die Verwaltung aus. "Wir würden in Maßnahmen investieren, die nichts bringen", so Laurent. Reif sah keinen Grund, sich über den Rat der Verwaltung hinwegzusetzen. Sozialdemokratin Melanie Ernst fand die Situation hingegen schwierig, weil jeder etwas Anderes sage. Es gebe auch Studien, laut denen Kleinkinder ohne Symptome infiziert werden. Die SPD-Frau sprach sich dafür aus, zweigleisig mit Lüftung und Filteranlagen zu fahren.

Nach dem Hinweis, dass es nicht nur um Kleinkinder gehe, sondern auch um die Schulkindbetreuung, konnte Thorsten Press schließlich doch noch Zustimmung gewinnen. Der Liberale änderte den Antragstext: Der Magistrat soll die Anschaffung von Luftreinigungsanlagen nun prüfen und dort, wo es notwendig ist, Geräte anschaffen. sas

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