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Flörsheim: Mit Dampf über den Weihnachtsmarkt

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Zurücktreten! Weihnachtsmarktbesucher mussten die Augen offen halten, wenn Thomas Zwiorek mit seiner Lok angefahren kam.
Zurücktreten! Weihnachtsmarktbesucher mussten die Augen offen halten, wenn Thomas Zwiorek mit seiner Lok angefahren kam. © sas

Neue Attraktion kam prima an - Ukrainerinnen sammeln für Bedürftige in ihrer Heimat.

Flörsheim -Ein kurzer Pfiff, dann stieg weißer Rauch vor der Mauer am Rand des Gallusplatzes auf. Eine kleine Lok setzte sich in Bewegung und zog Anhänger voller freudig strahlender Kinder hinter sich her. „Vorsicht Bahnverkehr“ warnte ein Schild auf der Fläche vor der katholischen Kirche, die normalerweise weit vom Bahnhof entfernt liegt.

Besucher des Weihnachtsmarktes mussten am Wochenende die Augen offen halten. Denjenigen, die sich zu sehr vom festlichen Budenzauber ablenken ließen, konnte es passieren, dass sie plötzlich mitten auf den Gleisen standen. Der Nauheimer Thomas Zwiorek hatte die Schienen auf dem Kirchplatz verlegt und drehte mit den Passagieren seine Runden - allerdings in gemächlichem Tempo. Seine Hegbachsee-Bahn war eine Neuheit und ein besonderer Hingucker auf dem zweitägigen Fest.

Noch mehr Aufmerksamkeit konnte lediglich der Nikolaus verbuchen, für dessen Besuch sogar der Schienenverkehr vor der Kirche kurzfristig stillgelegt wurde. Eine riesige Menge aus geduldigen Eltern und aufgeregten Kindern umringte den Mann mit dem weißen Bart und den roten Bischofsgewändern. Aufmerksame Gottesdienstbesucher konnten den Stargast des Weihnachtsmarktes an der Stimme als Pfarrer Friedhelm Meudt erkennen. Der Geistliche verteilte 200 Weckmänner, bevor er mit seinem eindrucksvollen Kostüm wieder durch die Menge verschwand.

Wenn nicht gerade Loks schnauften oder kistenweise Weckmänner unter die Besucher gebracht wurden, entfaltete der Flörsheimer Weihnachtsmarkt seinen Charme vor allem an den Ständen der Vereine, Winzer und sonstigen Initiativen. Freiwillige Feuerwehr, BUND, Old Company, Kerbeborsch, Kolpingfamilie und der Flörsheimer Narren Club waren einige der ehrenamtlichen Teilnehmer.

Bei Kindern erfreute sich außerdem ein kleines Kettenkarussell am Ende der Kirchgasse großer Beliebtheit. Für musikalische Untermalung sorgte die Band „Big Feet Boys“, die auf der Treppe zum Kirchplatz Weihnachtsklassiker spielte. Darüber hinaus mischte sich eine Bläsergruppe des Flörsheimer Musikvereins unter die Besucher.

Doch nicht alle Angebote des diesjährigen Weihnachtsmarktes waren auf Spaß und Unterhaltung ausgerichtet. Einen sehr ernsten Hintergrund hatte die Teilnahme zweier Ukrainerinnen, die sich für geflüchtete Frauen aus ihrem Heimatland einsetzen. Larissa Stephan und Maryna Laupus verkauften zusammen mit einer Gruppe Geflüchteter frittierte Teigtaschen, Borschtsch, Kuchen und selbstgebastelten Weihnachtsschmuck. Auf einem Schild wiesen sie darauf hin, dass den Flüchtlingen kein unbelastetes Weihnachtsfest bevorsteht. Trotz aller Dankbarkeit seien sie von tiefer Trauer begleitet. Alle Einnahmen des Marktstandes sollen Bedürftigen in der Ukraine zugute kommen. Aufgrund eines persönlichen Netzwerks sei sichergestellt, dass die Spenden vollständig dort ankommen, versicherte Larissa Stephan, die angesichts des Krieges nur einen einzigen Weihnachtswunsch hat: „Wir hoffen, dass dieser Wahnsinn aufhört.“ sas

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