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Bei solchen Einsätzen sind Fingerspitzengefühl, Erfahrung und gute Nerven notwendig. Foto: Syna

Energiewirtschaft

Flörsheim: Nichts für schwache Nerven

Hochspannungs-Leitungen werden regelmäßig auch aus der Luft kontrolliert.

Flörsheim -Ein Ausflug mit einem Hubschrauber mag nicht jedermanns Sache sein. Immerhin müssen Passagiere schwindelerregende Höhen wegstecken und gleichzeitig den Fähigkeiten eines Piloten vertrauen. Das ist jedoch gar nichts im Vergleich zu den Rundflügen, die Bernd Stöhr vom Stromversorger Syna mitmacht. Wenn der Mitarbeiter des Energieunternehmens in einen Hubschrauber steigt, fliegt die Maschine in Bereiche, vor denen andere Menschen mit Schildern gewarnt werden. Denn Stöhr ist für die regelmäßige Kontrolle der Hochspannungsleitungen zuständig. In dieser Woche flog er mit einem Piloten an einer Stromtrasse im Main-Taunus-Kreis entlang.

Der Blick aus dem Cockpit ist nichts für schwache Nerven. Direkt vor der Scheibe verlaufen die 110 000-Volt-Leitungen des Hochspannungsnetzes. Der Starkstrom fließt auch während der Kontrollflüge von Bernd Stöhr weiter. Das hindert den Kontrolleur jedoch nicht daran, die Leitungen und Masten aus unmittelbarer Nähe zu inspizieren. Bis zu fünf Meter fliege der Hubschrauber an die Leitungen heran, erläutert ein Syna-Sprecher auf Nachfrage. Näher als Bernd Stöhr kommen den Leitungen nur Vögel. Die Syna vertraue bei dem Einsatz auf erfahrene Piloten, teilt das Unternehmen mit. Der Hubschrauber sei in den vergangenen Tagen jeweils mehrere Stunden in unmittelbarer Nähe zu den Leitungen unterwegs gewesen. Dabei ist höchste Konzentration gefordert. Manche Abschnitte müssen auch mehrmals abgeflogen werden. In der Regel sei der Hubschrauber langsam genug für die Beobachtungen von Bernd Stöhr, erläutert ein Syna-Sprecher auf Nachfrage des Kreisblatts. Manchmal müsse der Pilot aber auch drehen und bestimmte Bereiche erneut anfliegen.

Der Experte hat durch jahrelange Erfahrung ein geschultes Auge für zahlreiche Probleme entwickelt: Unter anderem achtet Bernd Stöhr auf Schäden an den Isolatoren. Dabei handelt es sich um die Aufhängung der Leitungen, die selbst nicht leitfähig ist. Der Experte erkennt auch feinste Abweichungen an den Leitungen, etwa Verfärbungen durch Blitzeinschläge. Außerdem sucht Stöhr nach Vogelnestern oder Bäumen, die zu nah an die Leitungen herangewachsen sind.

Der Kontrolleur hält alle Beobachtungen schriftlich fest. Anschließend werden die entdeckten Mängel in drei Kategorien eingestuft: Dabei hat ein Vogelnest beispielsweise eine niedrige Priorität solange es nicht zu nah an die spannungsführenden Leiterseile herankommt. Mängel mit höheren Prioritäten führen zu Sofortmaßnahmen - etwa, wenn Leitungsseile beschädigt sind. Bäume, die zu nah an einen Mast oder die Leiterseile herangewachsen sind, werden so bald wie möglich zurückgeschnitten.

Rund 300 Kilometer Freileitung und 1300 Masten hat Bernd Stöhr in dieser Woche im Main-Taunus-Kreis - unter anderem auf Flörsheimer Gemarkung - untersucht. Die Beobachtungen aus dem Hubschrauber werden durch Begehungen der Trasse und Besteigungen der Masten begleitet, die das ganze Jahr über stattfinden. "Die Kontrollflüge geben uns zusammen mit unseren Prüfungen vom Boden aus eine Gesamtübersicht über den Zustand unserer Netze", erklärt Bernd Stöhr. Die Maßnahme trage zur Versorgungszuverlässigkeit der Süwag-Tochter Syna bei. Es komme bei seinen Kontrollen glücklicherweise nicht oft vor, dass größere Mängel entdeckt werden. sas

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