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Flörsheim: Orte der Angst in der Stadt

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Der Herrnberg samt Umfeld wird vor allem abends als bedrohlich wahrgenommen. FOTO: mehrfeld
Der Herrnberg samt Umfeld wird vor allem abends als bedrohlich wahrgenommen. FOTO: mehrfeld © Mehrfeld

Fachleute der Uni Gießen werten Ergebnis der Sicherheitsumfrage aus.

Flörsheim -Das persönliche Sicherheitsempfinden und die tatsächliche Bedrohungslage weichen teilweise deutlich voneinander ab. Deshalb sagt die jüngste Flörsheimer Bürgerbefragung auch nichts über das wirkliche Kriminalitätsaufkommen in der Mainstadt aus. Experten der Universität Gießen verfolgten mit der repräsentativen Erhebung das Ziel, die Sicherheitswahrnehmung der Flörsheimer zu beleuchten. Denn auch solche Einblicke können der Verwaltung wichtige Hinweise liefern. So ergab die Online-Umfrage etwa, dass 40,5 Prozent der Befragten bestimmte Orte nach Einbruch der Dunkelheit meiden. 423 Teilnehmer gaben an, sich an einem bestimmten Ort unsicher zu fühlen. 395 Befragte haben keinen Angstort.

Klare Reihenfolge erkennbar

Welche Orte sie lieber meiden, konnten die Flörsheimer in einem freien Textfeld notieren. Auf dem unrühmlichen ersten Platz landete das Herrnberg-Areal, das 145 Befragte als Angstort einstuften. 91 Teilnehmer begründen dies mit den Personengruppen, die sich in diesem Bereich aufhalten. Das Gebiet wird als "sozialer Brennpunkt" und als Treffpunkt für Menschen mit krimineller Energie beschrieben.

Die Befragten fürchten Jugendliche und Männer mit Migrationshintergrund, die gewaltbereit und unberechenbar seien. Als weitere Gründe wurden "dubiose" Läden sowie Schmutz und Müll aufgeführt. Auch die Angst vor Kriminalität fand explizit Erwähnung.

Ebenfalls weit oben auf der Liste der Angstorte steht der Flörsheimer Bahnhof. 102 Umfrage-Teilnehmer nannten den Bereich rund um die Bahnsteige - ebenfalls mit Verweis auf die Personen, die dort verkehren. Konkret werden Ansammlungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen als negativ empfunden. Diese würden abends dort herumlungern und Alkohol und Drogen konsumieren. Oftmals sei es sehr laut. Befragte wiesen außerdem auf die schlechte Beleuchtung hin. Die Unterführung sei schwer einsehbar und wirke bedrohlich.

Mit etwas mehr Abstand folgt die Flörsheimer Stadthalle in der Aufzählung gefürchteter Orte. 45 Personen empfanden den Veranstaltungsort als abschreckend. Auch dort fürchten die Flörsheimer Gruppen von Jugendlichen und stören sich an Schmutz und Müll. Drogenkonsum und Drogenhandel seien zu beobachten.

Betrunkene Jugendliche und Verschmutzung tauchen auch als Begründung für ein unsicheres Gefühl in den Grünanlagen und Unterführungen auf. Außerdem fühlen sich einige wenige Befragte unsicher am Mainufer, auf dem Alten Friedhof, in den Feldern und in den Flörsheim Kolonnaden. Die Mitarbeiter des Fachbereich Rechtswissenschaften der Uni Gießen weisen darauf hin, das die Existenz von Angstorten dazu führen kann, das gewisse Bereiche gemieden werden und dadurch die soziale Kontrolle an diesen Orten entfällt. Dadurch könnten solche Orte eine weitere Abwertung erfahren und dem Verfall preisgegeben werden.

Die Verfasser der Umfrage erläutern, dass oftmals Orte als Angstorte empfunden werden, an denen die Behörden überhaupt keine Kriminalität beobachten. Diese Wahrnehmung lasse sich oft mit einfachen Mitteln entschärfen. So reiche es oft schon aus, die Beleuchtung des betroffenen Bereichs zu verbessern. In Bezug auf gefürchtete Personengruppen sei es wichtig, Jugendliche nicht pauschal als "furchterregend" abzustempeln. Vielmehr müsse in Abstimmung mit Stadt und Polizei objektiv untersucht werden, mit welchem Personenkreis man es zu tun hat, so die Wissenschaftler.

Flörsheim ist seit Oktober 2020 Teil des "Kompass"-Programms (Kommunalprogramm Sicherheitssiegel) des hessischen Innenministeriums. Die in diesem Rahmen durchgeführte Sicherheitsbefragung soll dabei helfen, Präventionsstrategien zu entwickeln. Die Stadt schrieb 3770 Personen für die Umfrage an, von denen sich 995 (24 Prozent) meldeten. Flörsheim liegt damit im oberen Durchschnitt der Rückmeldequote. Von den Teilnehmern leben 471 in der Stadtmitte, 177 in Weilbach, 185 in Wicker und 33 im Ortsteil Keramag-Falkenberg. Frauen machten 53,6 Prozent der Befragten aus und waren demnach leicht stärker vertreten als Männer. Die Altersgruppe über 50 Jahre war gegenüber ihrem Anteil in der Bevölkerung leicht überrepräsentiert.

Nur 5,5 Prozent der Befragten gaben an, nicht die deutsche Staatsbürgerschaft zu besitzen. Die Verfasser der Umfrage sehen darin eine Schwäche der Erhebung. Es sei nicht gelungen, die ausländische Bevölkerung zu erreichen. sas

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