Diese Aufnahme zeigt das Forsthaus im Flörsheimer Wald auf der anderen Mainseite.
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Diese Aufnahme zeigt das Forsthaus im Flörsheimer Wald auf der anderen Mainseite.

Baumsterben

Flörsheim: Pilze und Maikäfer schädigen den Wald

Warum die Forstwirtschaft mit der Nutzung der Schadhölzer nicht mehr nachkommt.

Flörsheim -Rund 30 Prozent des Bundesgebietes sind mit Wald bedeckt - genau 11,4 Millionen Hektar. In Hessen liegt der Waldanteil mit 894 000 Hektar bei 40 Prozent. Auch Flörsheim hat einen Stadtwald - dieser ist 170 Hektar groß und befindet sich auf der gegenüberliegenden Mainseite. Die vergangenen Sommer haben den Bäumen sehr zugesetzt. Zum Zustand des Waldes und zur Bewirtschaftung berichtete Klaus Velbecker, Leiter des Forstamtes Groß-Gerau, in der Stadthalle. Die Stadt widmet dem Flörsheimer Wald, der sich auf der gegenüberliegenden Mainseite befindet, eine extra Themenwoche mit Vorträgen von Fachleuten.

Der verregnete Sommer, den manche Leute derzeit empfinden, kommt dem Forst-Experten entgegen. "Was wir im Moment erleben, ist die Normalität", erklärte Velbecker. "Wir haben ein ganz normales Jahr." Die obere Bodenschicht sei wieder mit Wasser gefüllt, ab einer Tiefe von zwei Metern fehle es aber noch an Feuchtigkeit. Nicht normal seien die anhaltenden Hitze- und Trockenperioden, die den Wald in den vergangenen Jahren stark belasteten. 2020 sei der schlechteste Zustand des Waldes seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984 festgestellt worden. Das Rhein-Main-Gebiet ist laut dem Forst-Experten besonders betroffen.

Ursachen der Schäden sind Hitze und Trockenheit, die es Schädlingen ermöglichen, das geschwächte Holz anzugreifen. "Schädlinge konnten sich vermehren und Bäume zum Absterben bringen", erläuterte der Förster. Da der Borkenkäfer vor allem Fichten befalle, sei dieses Insekt im Flörsheimer Wald allerdings kein Problem. Die städtische Waldfläche sei nämlich zu weniger als einem Prozent mit Fichten bewachsen. "In Flörsheim sind eher die Pilze die Schadensursache", berichtete Klaus Velbecker. Die Pilzproben, die er an eine Expertin weitergebe, habe diese bisher nur aus Büchern gekannt. Ebenfalls bedenklich sei der Einfluss des Maikäfers, der vor allem in jungen Waldflächen für hohe Ausfälle sorge. Die Käfer legen ihre Larven in der Erde ab, wo sie die Wurzeln der Bäume fressen. Das Baumsterben durch Pilzbefall und Insekten sei ein Riesenproblem. "Wir kommen mit der Nutzung der Schadhölzer gar nicht mehr nach", so der Forstamtsleiter.

Holzpreise haben sich wieder stabilisiert

Die Überflutung des Marktes mit Schadholz führte zu einem Preisverfall. Eine Kiefer zur Produktion von Palettenholz habe im Jahr 2018 einen Preis von 65 Euro erzielt - 2020 sei derselbe Baum für 20 Euro gehandelt worden, erläuterte Velbecker. "Solche Preisentwicklungen kannten wir vorher nicht mal nach großen Sturmschäden", betonte der Chef des Forstamts. Waldeigentümer machten beim Verkauf Verluste. Mittlerweile habe sich die Preisentwicklung wieder stabilisiert. Der Waldbesitzerverband habe den Einschlag zeitweise eingestellt, um die Preise zu erhöhen. Außerdem habe die kühle und feuchte Witterung dazu beigetragen, dass es weniger Schadholz gibt und der Verkauf wieder in geordneten Bahnen verläuft.

Keine Sorge bereitet dem Forstexperten übrigens der alljährlich hohe Verbrauch von Weihnachtsbäumen. Ein Zuhörer in der Stadthalle wollte wissen, ob die festliche Tradition dem Wald schadet. Klaus Velbecker erläuterte, dass tatsächlich rund 120 Millionen Christbäume pro Jahr im Bundesgebiet erworben werden. Neben der Produktion in Deutschland werde ein Teil davon aus Dänemark, sozusagen aus Zuchtanlagen, importiert.

Über diesen Verbrauch könne man geteilter Meinung sein, so Klaus Velbecker. Ein Problem sah er darin noch nicht. "Fichten und Tannen aus dem Sauerland oder aus Dänemark sind mir lieber als ein Plastikbaum", erklärte der Forstamtsleiter. Der künstliche Baum stelle nämlich eine größere Umweltbelastung dar. sas

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