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Er ist sauer über die erneuten Schließungszeiten von Fitnessstudios: Betriebsleiter Thomas Schwarz.

Lockdown

Sportstudio „PhysioVit“ in Flörsheim: „Alles ist besser, als nichts zu tun“

Warum ein Fitnessstudio-Betreiber über den erneuten Corona-Lockdown verärgert ist und Aufgeben für ihn keine Option ist.

Flörsheim - Zum vorerst letzten Mal waren die Trainingsgeräte des Gesundheitszentrums "PhysioVit" am Sonntag in Aktion. Er habe das Gefühl, dass alle Nutzer noch einmal vorbeischauten, berichtete Physiotherapeut Thomas Schwarz. Manches Mitglied habe Tränen in den Augen gehabt. Auch Schwarz selbst klang am Telefon sehr mitgenommen. Enttäuschung und Wut schwangen in der Stimme des Betriebsleiters mit, als er über den neuerlichen Lockdown sprach. Das Team des Fitness- und Wellnessanbieters hat kein Verständnis für die Form der Einschränkungen.

Sportstudio in Flörsheim: „PhysioVit“ bleibt vier Wochen geschlossen – Betreiber mit Unverständnis

Um 16 Uhr schloss Thomas Schwarz die Türen für die Mitglieder. Vier Wochen lang wird es bei "PhysioVit" keine Trainingsmöglichkeiten, Kursangebote oder Massagen geben. Lediglich die Physiotherapie auf ärztliche Verordnung läuft weiter. Und das alles, obwohl kein einziger Infektionsfall aufgetreten sei. "Nichts", betont Thomas Schwarz. Die Fitness- und Gesundheitsbranche habe, seines Wissens nach, nie einen einzigen Hotspot erzeugt. Auch von Kollegen aus der Region seien ihm keine Infektionen bekannt.

Nach der ersten Schließung im März und April seien 20 000 Euro in ein sicheres Umfeld investiert worden. Dazu gehöre eine spezielle Beschichtung für Türgriffe und Trainingsgeräte, die Viren abtöte. Außerdem sei die Lüftungsanlage überarbeitet worden, berichtet Schwarz. Mitarbeiter erwarben Zertifikate für Infektionsschutz. "Wir haben uns den Arsch aufgerissen, um die zwei Monate wieder gut zu machen", betont der Betriebsleiter. "Wir sind keine Verschwörer", sagt Thomas Schwarz. Es könne aber einfach nicht sein, dass man denjenigen, die ihr Letztes geben und investieren, nun den Riegel vorschiebe. Der Physiotherapeut wünscht sich, dass bei der Beurteilung von Maßnahmen nicht nur auf die Infektionszahlen geschaut wird. Die Politik müsse genauer differenzieren, was sicher ist und was nicht: "Es ist doch nicht zu verstehen, dass weiterhin Menschen in vollen Flugzeugen oder Schulbussen sitzen können."

„PhysioVit“ in Flörsheim: Immer weniger Mitglieder

Der Lockdown treffe das Unternehmen wirtschaftlich zur schlechtmöglichsten Zeit, erläutert Schwarz. Die Mitgliederzahlen seien durch die Schließung im Frühjahr und die allgemeine Verunsicherung um zehn Prozent eingebrochen. Gerade in der vergangenen Woche habe sich der Zuspruch erst wieder so weit erholt, dass ein Wachstum zu verzeichnen ist. Dies werde nun gestoppt. Schwarz rechnet mit einem Anstieg der Mitgliederschwundes auf bis zu 20 Prozent. Hinzu komme, dass momentan der Umzug der Physiotherapie in einen Neubau anstehe. Auf einer Eröffnungsfeier und weitere Investitionen müsse verzichtet werden. Noch könne "PhysioVit" zwar auf die Einschränkungen reagieren. "Doch was ist, wenn der dritte oder vierte Lockdown kommt, weil man sich verkalkuliert hat?", fragt Thomas Schwarz. Dann werde es existenziell. "Und darüber müssen wir jetzt sprechen."

Finanzielle Unsicherheit aufgrund die Zwangspause ist die eine Seite. Er sei jedoch auch emotional von den Folgen der Schließung getroffen, erklärt Thomas Schwarz. "PhysioVit" sei keine "Mucki-Bude", sondern leiste einen wichtigen Beitrag im Gesundheitssystem. "Wir haben Menschen zu Nicht-Risikopatienten gemacht", erläutert der Physiotherapeut.

Die Arbeit bei "PhysioVit" soll weitergehen. Das Team treffe sich in den nächsten Wochen täglich, um an Weiterbildungen und neuen Konzepten zu arbeiten. Das Gesundheitszentrum wolle seinen Mitgliedern zudem Online-Angebote zu Themen wie Ernährung und Entspannung liefern. "Alles ist besser, als nichts zu tun", so Thomas Schwarz. sas

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