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Der TVW-Chef vor der Turnhalle: Karsten Sell. Foto: Kröner

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Flörsheim: "Noch stehen wir ganz gut da"

Der neue Vorsitzende des TV Wicker, Karsten Sell, wagt während der Corona-Pandemie einen Ausblick.

Wicker --Nicht alles lässt sich im Voraus planen. Diese Erfahrung musste in diesem Jahr auch der TV Wicker machen. Wie bei vielen anderen Vereinen wurden die Mitglieder von der Ausbreitung der Covid-19-Pandemie überrascht. Hinzu kam der unerwartete Rücktritt des Vorsitzenden Werner Mehler. "Das war nicht geplant", sagt Nachfolger Karsten Sell. Der bisherige Zweite Vorsitzende wurde vor wenigen Tagen von der Mitgliederversammlung zum Vereinschef gewählt.

Selbst die Amtsübernahme durch Karsten Sell stand unter den besonderen Vorzeichen der Corona-Krise. Der 58-Jährige wurde nämlich in Abwesenheit gewählt. Weil er Kontakt zu jemandem hatte, der einige Tage später an Covid-19 erkrankte, befand sich Sell zum Zeitpunkt der Mitgliederversammlung in Quarantäne. Am Wochenende konnte sich der neue Vereinschef erstmals wieder aus der Isolation begeben.

Während Sell die Zügel übernimmt, bleibt der Posten des Zweiten Vorsitzenden vorerst unbesetzt. "Es war auf die Schnelle nicht möglich, jemand anderen für den Vorstand zu finden", sagt der Wickerer. In weiteren Abstimmungen bestätigten die Mitglieder Corinna Allendorff auf dem Posten der Geschäftsführerin. Eugen Christ gab das Amt des Kassierers nach vielen Jahren auf. Sandra Trebbin übernimmt nun die Vereinskasse.

Karsten Sell fand den Zugang zum TV Wicker über die Badminton-Abteilung. In jungen Jahren übte er den Sport mit dem Federball regelmäßig aus - allerdings nicht in Wicker, sondern in Norddeutschland. 1995 habe es ihn beruflich von Stade bei Hamburg in die Rhein-Main-Region verschlagen, erzählt der Vorsitzende, der hier auch seine Frau kennenlernte. Karsten Sell ist beim Hessischen Amt für Bodenmanagement beschäftigt. Um sich weiterhin fit zu halten, schloss er sich nach einem Wohnortwechsel dem Wickerer Turnverein an. 2014 übernahm Sell als Beisitzer einen Sitz im Vorstand, seit 2016 stand er Werner Mehler als Zweiter Vorsitzender zur Seite.

Nun leitet der 58-Jährige den TV Wicker, der mit mehr als 1350 Mitgliedern alles andere als ein kleiner Verein ist. Hinzu kommen die besonderen Herausforderungen durch die Corona-Krise. Nachdem die Pandemie Deutschland erreicht hatte, musste der Turnverein im März alle Aktivitäten stoppen. Die Mitgliederversammlung, die in diesem Monat nachgeholt wurde, sollte ursprünglich schon im April stattfinden. Erste Lockerungen erlaubten den Turnern ab Mai wieder einen eingeschränkten Betrieb. Geschäftsführerin Corinna Allendorff übernahm die neue Aufgabe der Corona-Hygiene-Beauftragten.

Im Sommer konnten Trainingsstunden im Freien auf dem Vereinsgelände abgehalten werden. Dann sei die Turnhalle zunächst für zehn Personen und später für bis zu 20 Personen freigegeben worden. "Da stößt man natürlich bei einigen Kursen an Grenzen", erklärt Karsten Sell. Vor den Übungen erkundige sich der Verein, wer teilnehmen möchte. Außerdem gebe es "ein paar pfiffige Übungsleiterinnen", die das Training parallel per Video-Stream im Internet übertragen. Der TV Wicker erhebe momentan keine Kursgebühren, weil er den Teilnehmern keine regelmäßigen Übungsstunden garantieren könne, erläutert der Wickerer.

Die Wettkämpfe der Turner seien durch die Krise genauso weggefallen wie die Spiele in der Handball-Oberliga. Der TV Wicker bildet seit 2006 eine Spielgemeinschaft mit der TG Hochheim. Infolge der Corona-Ausbreitung endete die Saison 2019/2020 vorzeitig. Der momentane Spielbetrieb sei bis zum 7. November ausgesetzt, berichtet Karsten Sell. Ursprünglich sollten die Liga-Spiele schon in diesem Monat ohne Zuschauer ausgetragen werden.

Fehlende Zuschauergelder, ausgefallene Feste sowie schwindende Kursgebühren und Sponsorengelder seien langfristig ein finanzielles Problem, meint der neue Vorsitzende. "Noch stehen wir ganz gut da", erklärt Karsten Sell. Der TV Wicker habe Glück, dass er sich auf viele passive Mitglieder stützen kann. Wenn die Corona-Krise länger andauere als allgemein erwartet wird, habe er allerdings schon ein paar Bedenken für die Zukunft. sas

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