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Claus-Dieter Heller (li.) und Bernd Zürn genießen eine kurze Rast auf ihrer Etappe von Wallau nach Flörsheim.

Freizeit

Flörsheim: "Wir sollten glücklich sein, hier leben zu dürfen"

Auf einer Wanderung an der Kreisgrenze entlang gibt es einige Überraschungen und zudem Widrigkeiten, die überwunden werden müssen.

Flörsheim -Er ist Naturschützer und passionierter Radfahrer: Bernd Zürn. Der ehemalige Lehrer wanderte in fünf Etappen an den Grenzen des Main-Taunus-Kreises entlang. Im letzte Teil seines Berichts beschreibt er die Tour von Wallau nach Flörsheim.

"Pünktlich auf die Minute genau steigen wir um 10.37 Uhr am Feuerwehrhaus in Wallau aus dem Bus der Linie 262. Wir, das ist der Flörsheimer Claus-Dieter Heller und ich, Bernd Zürn aus Weilbach. Unser Plan für heute: Von hier aus den westlichen Teil des Main-Taunus-Kreises abzuwandern. Angestrebtes Ziel: Der Berliner Brunnen am Mainufer in Flörsheim. Dort war ich am 11. Juli zu meiner ersten von insgesamt fünf Wanderetappen ,Rund um den MTK' gestartet.

Bei idealem Wanderwetter durchquerten wir den Hofheimer Stadtteil Wallau. Zunächst in nördlicher Richtung. An der Siedlung Gerbermühle, sie liegt schon auf Wiesbadener Gemarkung, erreichten wir den nördlichsten Punkt unserer heutigen Tour. Von dort folgten wir einem Feldweg in südöstlicher Richtung. Kurz vor Nordenstadt bogen wir nach Süden ab. Erstaunt waren wir über die vielen und sehr großen Foliengewächshäuser. Dort werden Erdbeeren angebaut und - oh Wunder - auch noch gepflückt. Und das Ende September!

Große abgemähte Felder zeigten ganz deutlich: Es wird Herbst. Lediglich Zuckerrüben und - teilweise - Mais waren noch nicht geerntet. Die Spuren des heißen und viel zu trockenen Sommers sind überall zu sehen. Damit die Erbeeren - egal ob im Freiland oder unter Folie - Früchte tragen müssen sie mit Wasser versorgt werden. Das geschieht hier - sehr aufwendig - in Form der Tröpfchenbewässerung. Dabei kommt das Wasser fein dosiert aus Kunststoffleitungen mit Löchern direkt zu den Wurzeln der Pflanzen.

Die Grenze zwischen dem Main-Taunus-Kreis und Wiesbaden läuft quer über die A 66. Um diese stark befahrene Verkehrsader zu passieren, folgten wir ihr ein Stück in östlicher Richtung. Erst an der Anschlussstelle Wallau war eine Unterquerung möglich. Dort marschierten wir zunächst neben der Landstraße in Richtung Massenheim weiter. Auf dem holprigen Randstreifen neben der Straße oder - sicherheitshalber - auch im Straßengraben. Einen Fuß- oder Radweg sucht man in diesem Bereich Schlagmühle und Oberfeldhof vergeblich. Dafür gibt es viele und recht schnell fahrende Autos aller Art. Das ging meinem Mitstreiter Claus-Dieter ,tierisch auf den Keks'. Seinem Vorschlag folgend suchten wir einen weniger gefährlichen Weg. Das gestaltete sich als recht schwierig: Pfade und Feldwege, die sich als Sackgasse erwiesen, eingezäunte Pferdekoppeln, die wir - nicht ganz legal - querten. Diese Strecke war wegen der sowie Brennnessel und Dornen nicht vergnügungssteuerpflichtig. Zum Glück endete sie bald an der Elisabethenstraße. Diese historische Straße wurde von den Römern gebaut. In Mainz beginnend, führte sie bis in die Wetterau. Und das auf weiten Strecken schnurgerade. Beim Vergleich mit der Radwegeführung im Flörsheimer Gewerbegebiet West V oder am Ardelgraben drängt sich mir die Frage auf, ob den heutigen Planern dieses 2000 Jahre alte Wissen bekannt ist.

Südlich der Domäne Mechthildshausen gibt es die Hochzeitsallee. Kaum bekannt und wenig beachtet laufen dort zwei Baumreihen neben der Elisabethenstraße. Auf mehr als einem Kilometer Länge hatten dort frisch verheiratete Paare Bäume gepflanzt. Diese Tradition endete im Jahre 1996. Es gibt dort keinen Platz mehr für weitere Bäume.

Auf Feldwegen überqueren wir die B 40 und unterqueren die A 671 am Käsbach, einem kleinen Rinnsaal. Westlich von Hochheim und der A 671, vorbei an Kleingärten, erreichen wir die Weinberge im Bereich Steinern Kreuz und Im Lennert. Ein Teil der Trauben ist gelesen, der weitaus größere Teil noch nicht. Der Blick über die Reben nach Mainz und bis zum Donnersberg ist einmalig.

Gott sei Dank gibt es Brücken, die unter den Bahngleisen zum Maindamm führen. An dieser Stelle erreichen wir den westlichsten Punkt des Kreises. Ab hier geht es ständig mainaufwärts. Die Glocke von Sankt Gallus schlägt vier Mal an, als wir um 16 Uhr am Berliner Brunnen ankommen. Mein persönliches Ziel, den Landkreis zu Fuß zu umwandern, ist damit erreicht. Die heutige Tour war vergleichsweise kurz und problemlos. Sie war nur gut 20 Kilometer lang und endete nach rund fünf Stunden reiner Laufzeit. Ich bin insgesamt rund 134 Kilometer gewandert, in 33 Stunden. Mein Fazit: Wir sollten glücklich sein, in dieser Gegend leben zu dürfen." red

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