Im Eifer der Eröffnung ist dem Rewe-Marktbetreiber Vigheshan Gahndi (rechts) die Maske unter die Nase gerutscht. Bürgermeister Bernd Blisch betätigte sich zum Auftakt als Kassierer.
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Im Eifer der Eröffnung ist dem Rewe-Marktbetreiber Vigheshan Gahndi (rechts) die Maske unter die Nase gerutscht. Bürgermeister Bernd Blisch betätigte sich zum Auftakt als Kassierer.

Wirtschaft

Flörsheim: Rathauschef arbeitet eine Schicht lang an der Supermarktkasse

  • vonSascha Kröner
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Ein Kaufmann aus Hanau übernimmt Rewe-Filiale in Weilbach. Ein Teil des Personals bleibt.

Weilbach -Schwarzes Hemd mit leuchtend roter Krawatte - so präsentiert sich der neue Chef des Rewe-Marktes in der Weilbacher Industriestraße. "Wir möchten uns etwas abheben", erklärt Vigheshan Gahndi. Auch seine Mitarbeiter tragen die neuen Hemden, an deren Kragen ein kleiner weißer Schriftzug auf die Privatisierung der Filiale hinweist: "Rewe V. Gahndi" steht auf dem Stoff. Der Name findet sich ab sofort auch in größerer Ausführung über dem Eingang des Marktes. Der 33 Jahre alte Hanauer hat den Standort als selbstständiger Kaufmann übernommen.

Seit drei Monaten sammelt Gahndi bereits Erfahrung als angestellter Marktleiter in Weilbach. Davor war er als Marktleiter-Assistent und als Marktmanager in verschiedenen Märkten in der Wetterau und in Frankfurt tätig. Nun macht er sich in Weilbach selbstständig.

Neben dem 800 Quadratmeter großen Supermarkt übernimmt Gahndi auch den angrenzenden Getränkemarkt mit einer Fläche von 500 Quadratmetern. Der Kaufmann beschäftigt 28 Mitarbeiter. 80 Prozent des Teams seien neu, erklärt der Marktbetreiber. Sechs Mitarbeiter sind geblieben, der Rest habe neue Beschäftigung in anderen Rewe-Filialen gefunden.

Die Neueröffnung am Samstag glich einem kleinen Stadtteilfest. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr hatten ihre Fahrzeuge auf dem Parkplatz aufgebaut und informierten die Besucher. Bürgermeister Bernd Blisch ließ sich von Vigheshan Gahndi durch die Märkte führen. Anschließend übernahm der Verwaltungschef sogar eine Schicht an der Kasse. Solche Verbindungen zu politischen und gesellschaftlichen Akteuren am neuen Standort schätzt Gahndi. Von den Märkten, die Rewe zur Privatisierung ausgeschrieben hatte, habe ihm Weilbach besonders gut gefallen, sagt der Chef. "Ich bin eher ein ländlicher Mensch", erklärt der 33-Jährige. In kleineren Orten falle es leichter, Vertreter von Politik und Vereinen für Projekte zu begeistern. Vigheshan Gahndi möchte in Zukunft monatliche Aktionen anbieten - zum Beispiel einen Bauernmarkt. Außerdem hat er vor, sein Sortiment durch regionale Angebote wie Weine und Wurstkonserven zu erweitern. Solche Kooperationen mit Produzenten vor Ort seien in einer Rewe-Filiale nicht möglich.

Die Privatisierung ist auch mit Risiken verbunden. Gerade während der anhaltenden Corona-Zeit erscheint der Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Die Corona-Krise sei eine große Herausforderung, räumt Vigheshan Gahndi ein. Er sei allerdings nicht besorgt. "Wir ziehen das durch", betont der eigenständige Chef. Rewe unterstütze die Marktleiter sehr gut, falls die Zahlen nach einer Privatisierung negativ ausfallen.

Laut Gahndi werden derzeit rund 60 Prozent der Rewe-Märkte als Filialen betrieben und die verbliebenen 40 Prozent privat. "Der Anteil selbstständiger Märkte wird steigen", glaubt der 33-Jährige. Oft seien private Märkte erfolgreicher, weil sich die Betreiber stärker mit eigenen Ideen für das Geschäft einsetzen. sas

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