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Bürgermeister Dr. Bernd Blisch (li.) und Simon Rahner, Mitarbeiter des Ordnungsamtes, erläuterten bei der Vorstellung des Präventionsprogramms "Kompass" das städtische Engagement.

Kriminalität

Rathauschef kündigt Analyse an

Die meisten Bürger erstatten bei Straftaten keine Anzeige, erklärte ein Polizeibeamter. Um über mögliche neuralgische Punkte im Stadtgebiet informiert zu sein, sollen Daten und Fakten zusammengetragen werden. Und bei einer Sicherheitskonferenz können sich Bürger zu Wort melden.

Flörsheim - Durch eine Vielzahl von Polizeieinsätzen fällt Flörsheim nicht gerade auf. In der Kriminalstatistik rangiere die Mainstadt relativ weit unten, erläuterte Polizeirat Thomas Trapke gestern im Rathaus. Trotzdem gebe es immer wieder Dinge, die Bürger stören. Vieles davon werde der Polizei überhaupt nicht gemeldet. Neun von zehn Bürgern würden bei Straftaten keine Anzeige erstatten, berichtete Petra Lezios, Leiterin der Prävention beim Polizeipräsidium Westhessen. Die Vertreter der Polizei sprachen von einem Dunkelfeld. In Flörsheim sollen diese verdeckten Probleme in den nächsten Jahren genauer beleuchtet werden.

Die Verwaltung verkündete den offiziellen Beginn ihrer Teilnahme am Programm "Kompass". Die Abkürzung steht für Kommunalprogramm Sicherheitssiegel - ein Angebot des Landes Hessen, das auf der verstärkten Zusammenarbeit der Polizei mit den Städten basiert. Am Anfang steht eine Sicherheitsanalyse, bei der die Flörsheimer mitmachen sollen. Daraus sollen sich konkrete Maßnahmen ergeben. "Es ist uns wichtig, dass verschiedene Gruppen zusammenkommen", betonte Bürgermeister Dr. Bernd Blisch (CDU). Der Verwaltungschef kündigte außerdem an, dass der zwischenzeitlich pausierende Präventionsrat in diesem Jahr wieder tagen soll.

Laut Petra Lezios können auch Kommunen mit einer geringen Zahl an Straftaten von "Kompass" profitieren. In einer anderen Stadt, die anfangs keine großen Probleme zeigte, seien durch die Bürgerbefragung verschiedene Themen wie Müllablagerungen oder Ärger mit Jugendlichen aufgedeckt worden. Rechtzeitig auf die Vermüllung in bestimmten Bereichen zu reagieren, sei sinnvolle Prävention, sagte Thomas Trapke. Sonst ziehe sich der Normalbürger irgendwann zurück und Plätze würden von unerwünschtem Klientel übernommen.

Probleme gab es in Flörsheim in der Vergangenheit mit Jugendlichen im Christian-Georg-Schütz-Park. Außerdem ist der Bereich um das ehemalige Hotel Herrnberg in Verruf geraten. Bestimmte Stellen, über die sich Anwohner beschweren, werde es in jeder Kommune geben, erklärte Simon Rahner, Kompass-Beauftragter beim Flörsheimer Ordnungsamt. Manchmal reiche es aus, an solchen Ecken die Beleuchtung oder den Grünschnitt zu ändern. Welche Maßnahmen letztlich sinnvoll sind, soll sich aus den Rückmeldungen der Flörsheimer ergeben. "Es wird nicht jeder Einzelperson geholfen werden können", sagte Rahner der seine Funktion als Verbindung zwischen Stadt und Polizei versteht.

Im Rahmen des Programms sollen Polizeibeamte im Flörsheimer Alltag präsenter werden. Zwei Schutzleute kommen künftig gezielt dort zum Einsatz, wo Probleme auftreten. In den sechziger und siebziger Jahren habe noch jeder den örtlichen Schutzmann gekannt, erklärte Thomas Trapke. Vielen Menschen fehle dies heute. Ein Polizeibeamter, der länger im selben Kreis verweile, wirke sich positiv auf das Gefühl der Bürger aus. Bei vielen Leuten gebe es eine Hemmschwelle, wegen vermeintlichen Kleinigkeiten bei der Polizei anzurufen, erklärte Oberkommissar Sebastian Poppe, der regelmäßige Präsenz aus anderen Kompass-Kommunen kennt. "Wenn wir rumlaufen sind wir sowieso da und für jeden ansprechbar."

Zunächst werden nun erst einmal Informationen gesammelt. Am 6. November soll die erste Kompass-Bürgerbefragung in den Flörsheim Kolonnaden starten. Sobald es die Corona-Lage zulässt, bekommen die Flörsheimer die Gelegenheit im Rahmen einer Sicherheitskonferenz mitzureden. Insgesamt soll die Kompass-Teilnahme etwa dreieinhalb Jahre dauern. Sascha Kröner

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