Sie durften als erste auf die Bühne: Die Rüsselsheimer Band "Who Killed Janis" eröffnete das Programm am Freitag. FOTO: Kröner
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Sie durften als erste auf die Bühne: Die Rüsselsheimer Band "Who Killed Janis" eröffnete das Programm am Freitag.

Kultur

Flörsheim: Rock-Musik erklingt im Stadtgarten

Das "kleine" Open Air der Old Company geht ohne Probleme über die Bühne.

Flörsheim -Ungewohnte Szenen im Stadtgarten: Dort wo sonst Jugendliche auf den Bänken chillen und Anwohner ihre Hunde Gassi führen, erhob sich am Freitag und Samstag eine stattliche Konzertbühne. Die Wiese der Grünanlage war mit Bierzeltgarnituren übersät, und vor dem Eingang zum Park bildete sich eine Menschenschlange. Der Stadtgarten hatte sich in eine kleine Festival-Landschaft verwandelt.

Die Dekoration, die Zelte, selbst die Gesichter der Helfer - vieles konnte einem am Wochenende bekannt vorkommen. Das lag daran, dass der Verein Old Company das zweitägige Ereignis mit dem Namen "Kultur im Garten" auf die Beine stellte. Die ehrenamtlichen Ausrichter des jährlichen Flörsheimer Open Air mussten sich in diesem Jahr eine Alternative einfallen lassen. Weil die gewohnte Fläche unter der Opel-Brücke wegen Bauarbeiten nicht zur Verfügung steht und weil Corona-Auflagen ein leicht abgrenzbares Gelände erforderlich machten, fiel die Wahl auf den Stadtgarten. Das Hygienekonzept war auch der Grund für kurze Wartezeiten am Einlass. Besucher mussten nämlich nachweisen, dass sie geimpft, genesen oder negativ getestet waren. Dann teilten die Helfer in den grünen "Kultur im Garten"-T-Shirts jeder Gruppe einen der nummerierten Tische zu.

Während mancher Gast noch den Eingang passierte, klirrten am Tisch Nummer 9 schon die Gläser. Die Flörsheimer Stefan Burghardt und Martin Eisele hatten sich einen Platz in der Nähe der Bühne gesichert. Gut gelaunt berichteten sie, dass sie seit den neunziger Jahren zum Open Air kommen. "Ich habe schon mehrere Open-Air-Shirts im Schrank", erzählte Eisele. Dass sie nach den zahlreichen Absagen des Vorjahres nun wieder Live-Musik erleben konnten, begeisterte die Rock- und Metal-Fans. "Ich war zum letzten Mal vor etwa einem Jahr auf einem Konzert", so Stefan Burghardt. "Wir nehmen jetzt alles mit, was geht", betonte Eisele. Die Atmosphäre im Stadtgarten kam bei den Open-Air-Stammgästen gut an. "Es ist alles etwas zurückhaltender, aber enspannt", war sich das Duo einig.

Auch unter den Helfern der Veranstaltung herrschten Zufriedenheit und Wiedersehensfreude. "Manche Leute sieht man nur zum Open Air", erklärte Sven Gischkowski, der zusammen mit Tochter Lina Flammkuchen im Essensbereich belegte. Er finde es schade, dass im Vorjahr kein Open Air stattfinden konnte, sagte der Aktive, der seit 2014 mit dabei ist. Hauptmotivation seien die Gemeinschaft und die Freude, selbst etwas zu organisieren. Der Stadtgarten sei eine "nette kleine" Ausweichfläche, fand Gischkowski. Er hoffe jedoch, dass das Open Air bald wieder unter die Brücke zurückkehrt. Tochter Lina erzählte, dass sie die Absage des Festivals im Vorjahr traurig fand. In diesem Jahr sei sie nicht nur als Zuschauerin, sondern auch als Aktive an Bord, berichtete die Zwölfjährige. "Ich habe mich schon sehr darauf gefreut, endlich mithelfen zu können."

Etwas Besonderes war das zweitägige Konzertereignis für die Musiker, die in den vergangenen Monaten kaum Gelegenheit bekamen, auf der Bühne zu stehen. Die ersten Gitarrenklänge im Stadtgarten gehörten der Gruppe "Who Killed Janis" aus Rüsselsheim, die das Programm am Freitag eröffnete. Die Old Company holte aber nicht nur Lokalmatadoren für die insgesamt sieben Musiknummern nach Flörsheim. So spielten zum Abschluss am Samstagabend etwa die Folk-Punk-Rocker von "Circus Rhapsody" aus der Hauptstadt Berlin.

Wegen Corona hatten die Ausrichter die Besucherzahlen im Stadtgarten auf 250 Personen pro Abend begrenzt. Am Freitag verzeichnete die Old Company rund 220 Besucher, während die 250 Plätze für Samstag bereits vorher ausverkauft waren. Zusätzlich bestand aber erstmals auch die Möglichkeit, das Bühnenprogramm als Live-Stream auf Youtube zu verfolgen. Die Videos sind immer noch online und wurden bisher 300 mal (Freitag) und 230 mal (Samstag) aufgerufen.

Old-Company-Vorsitzender Rafael Krump ist mit dem Ablauf unter den ungewohnten Bedingungen zufrieden. Die Gäste hätten sich an die Corona-Regeln gehalten, erklärt der Vereinschef. Auch mit den Bewohnern der umliegenden Häuser habe es keinen Ärger gegeben. Ein Anwohnerin habe die Veranstalter während des Abbaus sogar gelobt. sas

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