Diese Schafe sind als Arbeitskräfte auf dem Hügel hinter dem Weilbacher Schloss eingesetzt: Sie halten das Gras kurz. FOTO: Kröner
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Diese Schafe sind als Arbeitskräfte auf dem Hügel hinter dem Weilbacher Schloss eingesetzt: Sie halten das Gras kurz.

Öffentliche Grünflächen

Flörsheim: Schafe sorgen fürnatürliche Landschaftspflege

Coburger Fuchsschafe sollen bald als "Rasenmäher" auf den Wiesen zum Stadtbild gehören.

Weilbach -Spaziergänger staunten nicht schlecht, als sie sich in die grünen Hügel hinter dem Weilbacher Schloss aufmachten. Entlang des Weges erstreckt sich nämlich ein Zaun, der bis vor Kurzem noch nicht dort stand. Hinter der elektrisch geladenen Absperrung leben seit gestern neue Bewohner des Wiesenabschnitts am Weilbach. Neun Mutterschafe und neun Lämmer streckten zunächst nur zögerlich die Köpfe aus ihrem überdachten Unterstand. Nachdem das erste Tier sein morgendliches Geschäft erledigt hatte und zu grasen anfing, war jedoch schnell die gesamte Herde auf den Beinen und gönnte sich ein Frühstück aus Gras und Kräutern.

Wer nur flüchtig hinschaute, konnte den Eindruck gewinnen, die Jungtiere hätten sich im Dreck gesuhlt. Denn das Fell der kleinen Lämmer ist überwiegend braun verfärbt. In Wahrheit handelt es sich bei der Farbgebung aber um eine Eigenart dieser Tierrasse, die deshalb den Namen Coburger Fuchsschaf trägt. Die Wolle sei zunächst rotbraun, helle mit zunehmendem Alter aber auf, erklärt Hobby-Schäferin Jeannette Klein aus Rüsselsheim. Die Besitzerin hat die Tiere normalerweise auf dem Flörsheimer Aussiedlerhof Ruppert untergestellt. In diesem Sommer beweiden ihre Fuchsschafe in Absprache mit der Stadt erstmals öffentliche Flächen. Es handele sich um ein Projekt zur natürlichen Pflege von Grünflächen, das nicht auf Weilbach beschränkt sei. Ziel sei, dass Schafe wieder fest zum Stadtbild gehören. "Wir fressen uns sozusagen durch", lacht Klein.

In den vergangenen Wochen konnte man die Vierbeiner schon am Mainufer südlich der Hafenstraße sehen. Jeannette Klein berichtet, dass dort mehrere ihrer ausgewachsenen Tiere auf Wiesen des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) weiden. Die Weidefläche solle noch bis zur Opel-Brücke ausgeweitet werden. Vom BUND habe sie bereits Rückmeldung bekommen, dass die Aktion zu besseren Bodenverhältnissen beitrage. Die Erde werde durch die kleinen Hufe aufgelockert und durch den Kot der Schafe gedüngt, erklärt die Schäferin.

Jeannette Klein erläutert, dass es sich beim Coburger Fuchsschaf um eine alte, nun gefährdete Schafrasse handele. Ursprünglich seien die Tiere in vielen Mittelgebirgsregionen heimisch gewesen. Die Schafe seien sehr robust und nicht anspruchsvoll, was das Futter betrifft. Die Rüsselsheimerin erzählt, dass sie vor fünf Jahren mit drei bis vier jungen Schafen angefangen habe. "Dann sind wir flügge geworden", sagt die Rüsselsheimerin. Ihre Herde sei stetig gewachsen. Im Jahr 2018 seien im Zuchtbuch des hessischen Verbands insgesamt 20 Böcke und 373 Mutterschafe in 17 Betrieben eingetragen gewesen, erläutert Klein, die auch das Fell ihre Fuchsschafe verarbeitet - von der Wolle bis zum Dünger. "Wir machen alles bis zur Bettdecke selbst", erklärt Klein.

Die Schafe werden nun wieder wandern. Der eingezäunte Bereich entlang des Weilbacher Hügels, der bei Hochwasser als Regenrückhaltebecken dient, soll in den nächsten Wochen verlegt werden. So sollen die Schafe nach und nach einen großen Bereich der Wiese beweiden. Vielleicht werde sie künftig einige der ausgewachsenen Schafe vom Main an den Weilbach verlegen, überlegt Klein. Sie kann sich zudem vorstellen, die Schafswiese bei Nachfrage für Kindergarten- oder Grundschulkinder zu öffnen. Die Tiere seien sehr friedlich, erläutert die Hobby-Schäferin. sas

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