Stadtarchivar Hans Dieter Darmstadt recherchierte, woher die Bezeichnung "Flörsheimer Schweiz" stammt.
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Stadtarchivar Hans Dieter Darmstadt recherchierte, woher die Bezeichnung "Flörsheimer Schweiz" stammt.

Kultur

Flörsheim: Schweizer besuchen die "Flörsheimer Schweiz"

Warum Stadtarchivar Hans Dieter Darmstadt auswärtigen Besuchern ein Naherholungsgebiet zeigte.

Flörsheim -Zwischen der Wickerer Weidenmühle und der Landstraße nach Hochheim erstreckt sich ein idyllisches Naherholungsgebiet. Viele Flörsheimer kennen die hügeligen Wiesen und Wege rund um die Wickerbach-Aue unter der Bezeichnung "Flörsheimer Schweiz". Ausflugsziele wie das Ausflugslokal Wiesenmühle oder der auffällige, große Eisenbaum locken Besucher aus dem Umland an. Selten kommen Besucher jedoch von so weit her wie die Reisegruppe, die Stadtarchivar Hans Dieter Darmstadt jüngst begleitete. Der Flörsheimer begrüßte nämlich 17 Schweizer, die angereist waren, um die "Flörsheimer Schweiz" zu erkunden.

Hans Dieter Darmstadt ist schon seit Kindheitstagen mit der "Flörsheimer Schweiz" vertraut. Sein Stiefvater habe als Landwirt auf der Obermühle am Wickerbach gearbeitet, erzählt der 78-Jährige. Als kleiner Junge sei er oft zu Gast gewesen und habe die Natur erkundet. Der Name "Schweiz" wurde in früheren Jahrhunderten vielerorts in Deutschland gewählt, um ansprechende Landschaften hervorzuheben und für den Tourismus attraktiv zu machen. Die Flörsheimer Hügellandschaft mit den Schweizer Alpen zu vergleichen, steht für Darmstadt außer Frage. "Das Berner Oberland sieht schon etwas anders aus", lacht der Flörsheimer. Am ehesten entspreche das Naherholungsgebiet wohl den grünen Hügellandschaften auf der Schweizer Seite des Bodensees.

am Main"

Dass er nun eine Gruppe von Schweizern durch die Grünflächen zwischen den Kalkbrennöfen und der Flörsheimer Warte führte, war auch für Hans Dieter Darmstadt neu. Der erste Kontakt habe sich im vergangenen Jahr ergeben, erzählt der Stadtarchivar. "Wo ist hier die ,Flörsheimer Schweiz'?", habe ihn das Duo gefragt, mit dem er sich im Sommer 2019 auf dem Rathausplatz traf. Die Schweizerin Isabella Kappeler und der Deutsche Johannes Rösler begleiteten ein ehrgeiziges Projekt, dessen Ziel es ist, alle über 130 Schweizen in Deutschland zu besuchen.

Hans Dieter Darmstadt berichtete den Gästen von den Sehenswürdigkeiten und verwies sie an die Obermühle der Familie Traiser sowie die Wiesenmühle der Familien Laudes und Olbert. Die Rückmeldung der Besucher: "Wir kommen wieder."

Vor wenigen Wochen erhielt der Stadtarchivar dann einen Anruf. Eine Reisegruppe aus der Schweiz hatte eine Flussreise auf Mosel, Rhein und Main geplant und wollte gemeinsam mit ihm die "Flörsheimer Schweiz" besichtigen. Die Gäste stoppten zunächst in drei "Schweizen" entlang der Mosel. In Flörsheim wollten sie die erste "Schweiz" am Main erkunden. "Ich habe mich sehr über diese Nachricht gefreut", sagt Hans Dieter Darmstadt, der eine gemeinsame Wanderung mit Regionalparkführerin Ingrid Schmidt organisierte. Von den Kalkbrennöfen führte die Tour über die Obermühle und das Hexenkreuz bis zur Weidenmühle und vorbei am Eisenbaum bis nach Wicker.

der richtigen Schweiz

Die Besucher aus dem Alpenland seien sehr interessiert gewesen und hätten viele Fragen gestellt, erzählt Darmstadt. Daran lag es wahrscheinlich, dass die Zeit wie im Flug vergangen sei. Die Gruppe habe sich am Ende beeilen müssen, um den Reisebus in Wicker noch zu erwischen, erklärt der Stadtarchivar. Ein Besuch in der Flörsheimer Gallus-Kirche, den er wegen des gemeinsamen Patrons mit der Schweizer Stadt Sankt Gallen ausgewählt hatte, musste deshalb entfallen. Der 78-Jährige hofft jedoch, dass dies nachgeholt werden kann. Mit den Schweizern sei er zwecks weiterer Besuche in Kontakt geblieben.

Hans Dieter Darmstadt kennt auch die große Schweiz aus eigenen abenteuerlichen Erfahrungen. In jungen Jahren sei er durch Europa getrampt und habe dabei unter anderem am Vierwaldstätter See gestoppt. Außerdem seien er und ein Freund mit dem Fahrrad vom Schwarzwald aus in die Schweiz gefahren, erzählt der 78-Jährige. Besonders ins Schwitzen kam er damals auf der Rückfahrt: In einer Zeltplane habe er Schokolade für seine Mutter über die Grenze geschmuggelt, erinnert sich der Flörsheimer. sas

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