Diese Flugblätter hängen am Geländer des Treppenhauses. Sie sollen an die Flugblattaktionen der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" gegen die Herrschaft der Nationalsozialisten erinnern. Foto: Kröner
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Diese Flugblätter hängen am Geländer des Treppenhauses. Sie sollen an die Flugblattaktionen der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" gegen die Herrschaft der Nationalsozialisten erinnern.

Bildung

Flörsheim: "Sie hat vielen Leuten die Augen geöffnet"

Sophie-Scholl-Schüler führten im Rahmen eines Projektes eine spektakuläre Aktion durch.

Flörsheim -Es wirkt so, als sei die Zeit eingefroren - genau in dem Moment, als Schüler einen Haufen Flugblätter über das Geländer in der Eingangshalle der Sophie-Scholle geworfen haben. Über den Köpfen von Besuchern flattern zahlreiche Zettel in der Luft. Sie tragen Botschaften wie "Jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern" oder "Jeder Mensch ist gleich". Die Nachrichten hängen an Fäden vor dem Geländer und sollen an die Flugblattaktionen der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" gegen die Herrschaft der Nationalsozialisten erinnern.

"Egal welche Sexualität oder Hautfarbe - durch jeden fließt dasselbe Blut", lautet ein weiterer Text. Die Realschülerinnen und -schüler der Jahrgangsstufe 7 entwickelten die Installation gemeinsam mit Kunstlehrerin Maraike Stich. Sie hatten die Wahl, Original-Botschaften der "Weißen Rose" zu verwenden oder eigene Sätze zu verfassen. Anlass für das Kunstprojekt ist der 100. Geburtstag von Sophie Scholl in diesem Jahr. Die Namensgeberin der Flörsheimer Haupt- und Realschule wurde für ihre Mitwirkung in der "Weißen Rose" vom Nazi-Regime hingerichtet. Die Schule gedenkt des Einsatzes der tapferen Widerstandskämpferin mit verschiedenen kreativen Projekten.

Die Beschäftigung mit Sophie Scholl hat einige der Schülerinnen und Schüler nachdenklich gemacht. Sie habe zwar gewusst, dass die Namensgeberin während des Zweiten Weltkriegs etwas bewirkt habe, erzählt Lucille Krämer. Wie genau sich Scholl engagierte, habe sie aber erst jetzt gelernt, sagt die Realschülerin. Sie notierte den Satz: "Hitler kann den Krieg nicht gewinnen, nur verlängern", auf eines der Flugblätter. Mitschüler Ramin Soltani berichtet, dass er sich mit seinen Botschaften für freie Meinungsäußerung und Freiheitsrechte für Frauen eingesetzt habe. Während der Beschäftigung mit Sophie Scholl sei er überrascht gewesen, dass eine kleine Gruppe wie die "Weiße Rose" so einen Unterschied machen konnte. Die anhaltende Bedeutung des Themas zeige, dass ihr Einsatz etwas gebracht habe. "Sophie Scholl hat sehr vielen Leuten die Augen geöffnet", findet auch Realschülerin Ezo Öndes. Die Geschichte der Widerstandskämpferin zeige, dass die Mehrheit nicht immer Recht habe.

Die Flugblätter sind nicht die einzige Aufsehen erregende Installation im Foyer der Sophie-Scholl-Schule. Inmitten der Eingangshalle steht ein Podest, dessen klare Botschaft in einem einzigen Wort besteht: "Freiheit" steht in bunt ausgemalten Buchstaben auf der Front des Kunstwerks. Aus der Oberseite des schwarzen Kastens ragen mehrere weiße Papierrosen. Zwei 9. Klassen des Haupschulzweigs haben den Blickfang - ebenfalls unter Begleitung von Kunstlehrerin Maraike Stich - erarbeitet.

Die Aussage ihres Werkes ist den beteiligten Hauptschülern wichtig. Die Botschaft sei, "dass man sich frei fühlen soll, das zu sagen, was man denkt", erklärt Janosch Paul. Man solle sich widersetzen, wenn etwas ungerecht ist, liefert Mitschüler Marvin Lorenz eine weitere Deutung. Zu Sophie Scholls Zeiten sei die freie Meinungsäußerung stark eingeschränkt gewesen, erinnert Schülerin Rania Chaaban. Deshalb sei es wichtig, sich heute für mehr Freiheit einzusetzen.

Die Flörsheimer Haupt- und Realschule startete ihre Projektreihe zum Gedenken an Sophie Scholl am 9. Mai, dem 100. Geburtstag der Widerstandskämpferin. Die Erinnerung an ihr Wirken soll sich nach den Sommerferien fortsetzen. Dann ist ein Projekt zu Zivilcourage in Alltagssituationen geplant. sas

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