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Flörsheim: Sind Knospen geschlossen, droht keine Gefahr

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In den Wintermonaten sieht es in den Weinbergen etwas trist aus. Das ändert sich aber schnell, sobald die Sonne und damit mehr wärmere Temperaturen wieder dominieren. ArchivFOTOs: nietner/Knapp
In den Wintermonaten sieht es in den Weinbergen etwas trist aus. Das ändert sich aber schnell, sobald die Sonne und damit mehr wärmere Temperaturen wieder dominieren. ArchivFOTOs: nietner/Knapp © Hans Nietner

Die Winzer sind wegen des Kälteeinbruchs nicht besonders besorgt.

Wicker -Als Winzer verliert Reiner Flick die Wetterentwicklung nie aus den Augen. Minus 3 Grad hat der Wickerer Weinproduzent am Wochenende auf seinem Hof vom Thermometer abgelesen. Angesichts dieser frostigen Witterung habe er die frisch bepflanzten Blumenkübel lieber noch mal weggeräumt, erzählt Flick. Für die Reben sei der kurzzeitige Wintereinbruch jedoch keine Gefahr gewesen. "Diese Frostperiode war noch akzeptabel", so der Winzer.

Die Weinpflanzen sind immer dann bedroht, wenn Sonnenschein die Rebblüte schon früh im Jahr ankurbelt. Dann können kalte Nächte die jungen Triebe beschädigen und massive Ernteausfälle verursachen. Auch in den vergangenen Wochen gab es sonnige Tage mit Temperaturen um die 20 Grad, gefolgt von Minusgraden. Zur Erleichterung der Winzer haben die Reben aber noch nicht ausgetrieben. "Die Knospen sind alle noch geschlossen", erklärt Reiner Flick. In diesem Zustand vertrage die Rebe den Frost noch gut. In wenigen Wochen könnte dies aber bereits anders aussehen. "Sobald das erste Grüne da ist, schaden schon Minus 0,5 Grad", erklärt der Betreiber des Weinguts an der Straßenmühle. Über den jüngsten Abfall der Temperaturen sei er sogar froh, sagt Flick. Denn der Wickerer Winzer ist überhaupt nicht scharf darauf, dass die Rebblüte durch ein heißes Frühjahr beschleunigt wird. Er finde es angenehm, wenn die Entwicklung ausgebremst wird, erläutert Flick. Dass sich die Knospen schon Mitte April öffnen, sei nämlich nicht sein Ziel. Das langjährige Mittel für den Austrieb liege um den 20. April. Eine frühere Blüte sei nicht erwünscht, weil sie die Gefahr für Schäden durch Nachtfrost erhöhe. Bis zu den Eisheiligen Mitte Mai gebe es noch "die ein oder andere Zitterpartie", so der Weinproduzent.

Flick weiß, welche großen Schäden der Nachtfrost anrichten kann: Im Jahr 2017 sei es zu einem der größten Frostschäden in der jüngeren Vergangenheit gekommen, erzählt der Fachmann. Durch Minustemperaturen nach der Rebblüte habe er damals über 40 Prozent der Ernte eingebüßt. "Das war schlimm", erzählt der Winzer, der natürlich auf eine Wiederholung verzichten kann.

Der Zeitpunkt, zu dem sich die Knospen öffnen, bestimmt auch den Zeitplan für die jeweilige Weinlese. Aufgrund des Klimawandels hat sich der Weinkalender längst nach vorne verschoben. In der achtziger Jahren sei die Weinlese am Wochenende des Hochheimer Marktes - Anfang November - zu Ende gegangen, erinnert sich Reiner Flick. Mittlerweile starte die dreiwöchige Ernte schon Mitte September und ende in der ersten Oktoberhälfte. Im vergangenen Jahr verschob sich das Zeitfenster wieder etwas mehr in Richtung November. "Bis zum 20. Oktober hatten wir 98 Prozent abgeerntet", erläutert Reiner Flick. Weniger heiße Tage im Frühjahr und Sommer hatten das Rebenwachstum verlangsamt. Der Wickerer Winzer begrüßt diese Entwicklung. Eine Weinernte, die bis zum Hochheimer Markt andauert, wird es in den kommenden Jahren wahrscheinlich trotzdem nicht mehr geben, meint er. sas

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