1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Taunus
  4. Flörsheim

Flörsheim: Spargel gibt es erst nach Ostern

Erstellt:

Kommentare

Um Wärme zu speichern, lässt Spargelbauer Wolfgang Mitter alljährlich auf seinen Feldern lange Plastikfolien mit einer schwarzen und einer weißen Seite auf den Anbauhügeln ausbreiten. FOTO: reinhardt
Um Wärme zu speichern, lässt Spargelbauer Wolfgang Mitter alljährlich auf seinen Feldern lange Plastikfolien mit einer schwarzen und einer weißen Seite auf den Anbauhügeln ausbreiten. © Friedrich Reinhardt

Kälteeinbruch hat den Wuchs verzögert, erklärt Landwirt Wolfgang Mitter.

Flörsheim -Wenn sich Wolfgang Mitter die Temperaturen im Frühjahr aussuchen könnte, dann müsste er nicht lange überlegen: 25 Grad am Tag und zehn Grad in der Nacht - das wäre aus Sicht des Landwirts die ideale Witterung für den Spargelanbau. Tatsächlich erlebe man diese optimalen Verhältnisse aber nur selten, erklärt Mitter, der als einziger Flörsheimer das weiße Stangengemüse anbaut.

Tagsüber wurde der Wunsch des Landwirts an einigen Sonnentagen bereits erhört, nachts fiel die Anzeige des Thermometers jedoch immer noch unter den Gefrierpunkt. "Die kalten Nächte haben uns etwas zurückgeworfen", sagt Wolfgang Mitter, der die Hoffnung, vor Ostern Spargel zu ernten, aufgegeben hat. Bei Frost wachse das Gemüse einfach nicht. Der Landwirt möchte die aufgeschichteten Reihen auf seiner zwei Hektar umfassenden Anbaufläche schon zum Ende der Woche kontrollieren. Die Ausbeute werde aber wahrscheinlich gerade einmal für die Familie reichen, erwartet der Flörsheimer. Spargelkunden, die jetzt bereits in den Startlöchern stehen, müssen noch bis nach Ostern abwarten. "Geduld ist eine Tugend", findet der Landwirt.

Die Temperaturen, denen die Spargel ausgesetzt sind, überlässt der Flörsheimer nicht ganz dem Zufall. Über den Anbauhügeln hat Mitter Plastikfolie mit einer schwarzen und einer weißen Seite ausgebreitet. Wenn die Sonne zu heiß strahlt, liegt die reflektierende helle Seite oben. An kalten Tagen kommt die dunkle Seite zum Einsatz, um möglichst viel Wärme zu speichern. Die Temperatur ist jedoch nicht der einzige Faktor, der die Entwicklung des beliebten Stangengemüses beeinflusst. Auch die Flörsheimer Bodenverhältnisse spielen, laut Mitter, eine Rolle.

Der Spargelbauer zieht das Gemüse in schweren Lehmböden groß, die viel Wasser speichern. Bevor er die Dämme aufschichte, in denen die Spargel wachsen, müsse er abwarten, bis der Boden getrocknet ist, erklärt der Fachmann. Ansonsten würden die Hügel verklumpen und fest werden. Der Spargel brauche jedoch genau das Gegenteil - einen lockeren, feinkrümeligen Damm.

Wolfgang Mitter hat seine polnischen Erntehelfer für die kommende Woche bestellt. Nachdem es ihm zu Beginn der Corona-Pandemie schwergefallen war, Arbeiter nach Deutschland zu holen, hat sich die Lage mittlerweile wieder entspannt. Daran habe auch die russische Invasion in der Ukraine nichts verändert, sagt der Landwirt. Die Helfer würden zwar aus einem Gebiet nahe der ukrainischen Grenze kommen, hätten aber trotz der Kriegsgeschehen an der Grenze zugesagt.

In der Ukraine selbst genießt Landwirtschaft einen hohen Stellenwert - vor allem der Anbau von Weizen und Ölsaaten. Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet beschäftigt Wolfgang Mitter jedoch nicht als Erntehelfer. Seines Wissens nach handele es sich bei den Geflüchteten, die bisher nach Deutschland gekommen sind, vorwiegend um Menschen aus den Stadtzentren, darunter vor allem Frauen, meint er. Diese seien wahrscheinlich eher an anderen Arbeiten interessiert, vermutet Wolfgang Mitter. Zumindest habe sich bisher niemand bei ihm gemeldet. sas

Auch interessant

Kommentare