"Land unter": Das hat es am Main schon oft gegeben, wie hier im Jahr 2003. Bei hohen Pegelständen wird die Spundwand an der Obermainstraße installiert, die das Wasser zurückhalten soll. Archiv-FOTO: Nietner
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"Land unter": Das hat es am Main schon oft gegeben, wie hier im Jahr 2003. Bei hohen Pegelständen wird die Spundwand an der Obermainstraße installiert, die das Wasser zurückhalten soll. Archiv-FOTO: Nietner

Katastrophenschutz

Flörsheim: Spundwand kommt ab 4,20 Meter zum Einsatz

Wie die Stadt gegen Hochwasser und Starkregen geschützt wird, erläutert ein Bericht der Verwaltung.

Flörsheim -Die Flutkatastrophe im Ahrtal hat viele Menschen beschäftigt. Seither seien bei der Flörsheimer Verwaltung immer mal wieder Fragen eingegangen, wie sicher die Mainstadt im Ernstfall ist, berichtet Bürgermeister Dr. Bernd Blisch (CDU). Auch im Magistrat sei eine entsprechende Anfrage aufgekommen. Deshalb habe sich die Verwaltung entschlossen, einen ausführlichen Bericht zu den Vorkehrungen im Stadtgebiet zu veröffentlichen.

Besonders betroffen ist das Flörsheimer Mainufer, das in den vergangenen Jahren schon häufiger unter Wasser stand. Zum Schutz der Wohngebiete erstreckt sich der Maindamm zwischen Flörsheim und Eddersheim. Dieser Deich ist mittlerweile allerdings sanierungsbedürftig und soll vom Land Hessen erneuert werden. Wie bereits mehrfach berichtet wurde, befindet sich das vom Regierungspräsidium (RP) Darmstadt geleitete Projekt derzeit in der Planungsphase. Nach der Sanierung soll der Damm einem Hochwasser standhalten können, wie es statisch alle 100 Jahre vorkommt. Die Stadt rechnet mit dem Baubeginn frühestens Ende 2024. Die Fertigstellung sei derzeit für Ende 2027 angepeilt. Bund und Land übernehmen die Kosten von rund 8 Millionen Euro.

Zur Sicherung des Maindeichs setzt die Stadt eine Wasserwehr ein - bestehend aus Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehren und des städtischen Baubetriebshofs. Zu den Aufgaben der Deichwehr gehöre es, die Höhe des Wasserspiegels und den Deich ständig im Auge zu behalten und auf Veränderungen wie Risse oder Verformungen zu achten. Die Stadt erläutert, dass undichte Stellen mit großen Planen - sogenannten Lecksegeln - abgedichtet werden können. Bei steigendem Pegel setzt die Wasserwehr stufenweise weitere Maßnahmen um. Beispielsweise würden ab einem Pegelstand von 4,20 Metern in der Obermainstraße die Spundwände eingesetzt und die Pfarrer-Münch-Straße mit mobilen Barrieren verschlossen Ab 4,50 Meter errichtet die Wasserwehr Stege am Konrad-Adenauer-Ufer und zum Flörsheimer Bootshaus. Um kleinere Bäche zu sichern, kümmert sich die Stadtverwaltung um die Pflege der Bachläufe. Dabei wird der Bewuchs entlang der Böschung gemäht und das Bachbett von Schlamm befreit.

Fließpfad-Karten werden erstellt

Neben Hochwasser bildet Starkregen eine weitere Gefahr. Auf extreme Niederschläge könne man sich schlechter vorbereiten als auf die hohen Wasserstände von Flüssen und Bächen, sagt Bürgermeister Dr. Bernd Blisch. "Bei einem Fluss weiß man eher, wann die Schneeschmelze in den Alpen zu Hochwasser führt", erläutert der Rathauschef. Schon seit vielen Jahren werde geprüft, ob eine Erweiterung der Kanäle in Flörsheim sinnvoll ist, um mehr Volumen zu erhalten. Die Abwasserpumpstationen der Stadtwerke seien seit Jahrzehnten mit Regenwasserpumpen ausgestattet, die große Abwassermengen weiterbefördern können. Selbst damit könne jedoch nicht unbegrenzt Wasser aufgenommen werden. Da Überschwemmungen einen großflächigen Stromausfall auslösen können, sind sowohl die zentrale Abwasserpumpstation in der Bürgermeister-Lauck-Straße wie auch das Wasserwerk Weilbach mit einer Notstromanlage ausgerüstet. Um künftige Vorkehrungen besser planen zu können, hat die Verwaltung Fließpfad-Karten in Auftrag gegeben, die zeigen sollen, welche Bereiche im Stadtgebiet bei Starkregen besonders betroffen wären. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie nimmt die Berechnungen vor.

Auch im Bereich der Bauleitplanung spielt der Hochwasserschutz eine inzwischen größere Rolle. So achtet die Stadtverwaltung beispielsweise verstärkt darauf, dass bei der Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbegebiete ausreichend Versickerungsflächen auf den Grundstücken eingeplant wird. Dies kann erreicht werden, indem das Pflaster auf Stellplätzen ausreichend Fugen zur Versickerung enthält. Als weitere Möglichkeiten nennt die Verwaltung zudem Dachbegrünung sowie den Einbau von Rigolen, Zisternen oder anderen Rückhaltemöglichkeiten. Ziel sei es in jedem Fall, dass möglichst wenig Oberflächenwasser in die Kanalisation eingeleitet wird. sas

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