Beleidigungen, Gerüchten und Hass-Kommentaren in den sozialen Netzwerken beschäftigen täglich die Polizei. foto: dpa
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Beleidigungen, Gerüchten und Hass-Kommentaren in den sozialen Netzwerken beschäftigen täglich die Polizei. foto: dpa

Soziale Medien

Flörsheim: Stadt setzt sich gegen Hetze im Netz ein

Auf einer Plattform des Landes Hessen können Verstöße gemeldet werden.

Flörsheim -Das Internet kann Segen und Fluch zugleich sein. Hinter der Tastatur fühlen sich manche Nutzer stark und formulieren verbale Attacken, die sie so vielleicht nie im persönlichen Dialog geäußert hätten. Andere nutzen die Vernetzung gezielt, um Verschwörungstheorien oder Hassbotschaften zu verbreiten. Gegen solche Auswüchse setzt sich nun die Flörsheimer Verwaltung ein.

Die Stadt stehe für ein gutes Zusammenleben und konstruktiven Umgang aller Menschen, heißt es in einer Mitteilung, mit der Bürgermeister Dr. Bernd Blisch (CDU) für die neue Internetplattform www.hessengegenhetze.de wirbt. Auf dem Portal, das vom Land Hessen betrieben wird, können online verbreitete Hass-Kommentare gemeldet werden. Doch wieso engagiert sich die Stadt überhaupt für die Verfolgung von Online-Verstößen durch das Land?

Es sei wichtig, dass extremistische Aussagen oder Hass-Kommentare nicht unsanktioniert im Netz stehen bleiben, findet Bernd Blisch. "Hass und Intoleranz vergiften das gesellschaftliche Klima", betont der Verwaltungschef. Über Flörsheimer Themen wird online vor allem in eigenen Facebook-Gruppen diskutiert, in denen es bei Streitthemen auch mal hoch her geht. Auf Nachfrage sagt Bürgermeister Blisch, dass es keinen konkreten Auslöser gegeben habe, der zum Einsatz der Stadt gegen Online-Hetze führte.

Wenn er manche Facebook-Kommentare lese, entstehe bei ihm schon der Eindruck, dass es dort hin und wieder unter die Gürtellinie gehe. Als Bürgermeister entwickele man irgendwann ein breites Kreuz, sagt Blisch. Für andere Internetnutzer sei es aber vielleicht schwieriger, mit verletzenden Kommentaren umzugehen, die online auf sie niederprasseln. Gerade in Zeiten von Corona seien Aggressionen im Internet verbreiteter, so Bernd Blisch.

Die Flörsheimer Verwaltung sei vom Land über die neue Internetseite informiert worden und habe beschlossen, die Aktion zu verbreiten. Er habe die Veröffentlichung zuvor mit dem Team des Ordnungsamtes besprochen. "Wir fanden das von der Sache her gut", sagt der Verwaltungschef.

Wer in sozialen Netzwerken oder an anderer Stelle im Internet extremistische Aussagen oder Hass-Kommentare entdeckt, kann dies über ein Formular auf hessengegenhetze.de melden. Alles, was dazu nötig ist, ist ein Link zur betreffenden Seite und ein Screenshot des Kommentars. Angaben können auch anonym gemacht werden. Alle Hinweise gehen direkt an das dem Innenministerium unterstehende "Hessen CyberCompetenceCenter". Von dort werden die Fälle an die zuständigen Behörden wie Polizei, Staatsanwaltschaft oder Verfassungsschutz weitergeleitet. Außerdem werden die Betreiber der jeweiligen Internetseiten informiert. Das Land weist jedoch darauf hin, dass in Notfällen, die ein sofortiges polizeiliches Einschreiten erfordern, die Notrufnummer 110 oder die örtliche Polizeidienststelle angerufen werden sollte. Sascha Kröner

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