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Gastronomen ziehen Reißleine – auch wegen Corona und Ukraine-Krieg

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Nicht nur die Fastnachtssitzungen in der Stadthalle an der Kapellenstraße waren wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden, sondern auch Veranstaltungen wie die Manga-Verkaufsmesse. Unser Archiv-Foto zeigt eine Szene vor der Halle im Jahr 2017.
Nicht nur die Fastnachtssitzungen in der Stadthalle an der Kapellenstraße waren wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden, sondern auch Veranstaltungen wie die Manga-Verkaufsmesse. Unser Archiv-Foto zeigt eine Szene vor der Halle im Jahr 2017. © Kröner

Die "Keyf'im"-Betreiber in Flörsheim geben wegen der durch die Corona-Pandemie ausgefallenen Veranstaltungen und Mehrkosten auf.

Flörsheim – Die Corona-Maßnahmen wurden gelockert, die Inzidenzzahlen sinken allmählich weiter – eigentlich klingt alles danach, als könnten von der Pandemie gebeutelte Betriebe langsam wieder Hoffnung schöpfen. Die Pächter des Flörsheimer Stadthallenrestaurants an der Kapellenstraße mussten dennoch die Reißleine ziehen. Seit fünf Jahren betreiben Sibel und Yusuf Kutlu das "Keyf'im" unter dem Dach der Veranstaltungsstätte. Nun haben sie der Stadt ihre Kündigung eingereicht. In rund einem Jahr - Ende März 2023 - soll Schluss sein.

Geschäftsführerin Sibel Kutlu begründet die Aufgabe des Standortes mit den Einschränkungen für Gastwirte, die sich immer weiter in die Länge gezogen hätten. Sie habe nicht das Gefühl, dass die Normalität bald in der benötigten Form zurückkehrt. Daran sei allerdings nicht fehlende Stammkundschaft schuld. "Es läuft grundsätzlich gut", erklärt Kutlu dem Kreisblatt. Aufgrund der recht hohen Pacht würden die Einnahmen aus dem Lokal jedoch nicht ausreichen, um gut davon zu leben. Denn: Das Geschäftsmodell des Stadthallenrestaurants ist auf die Kombination aus Restaurant und Saal ausgelegt. Die Bewirtung von Großveranstaltungen habe von Anfang dazu gehört, erläutert die Geschäftsführerin. "Das ist jetzt nicht mehr so", erläutert Sibel Kutlu.

Nach Corona-Pandemie habe auch Ukraine-Krieg das Geschäft erschwert

Das lukrative Veranstaltungsgeschäft sei während der Corona-Pandemie aufgrund von Maßnahmen wie etwa der Ausgangssperren weggebrochen. Dies führe dazu, dass sich der Betrieb nicht mehr rechne. Momentan ließen sich gerade noch die Fixkosten decken. Bis zum Ende des Jahres hätten sie auf Besserung gehofft, sagt die Gastwirtin. Als die Weihnachtsfeiern und die Fastnachtskampagne erneut abgesagt wurden, verloren sie jedoch den Mut. "Das alles hat uns verängstigt", sagt Kutlu. Dann sei auch noch der Krieg in der Ukraine hinzugekommen - mit spürbaren Folgen für die Gastronomie: Strom- und Gaspreise würden durch die Decke schießen, genauso würden die Lebensmittelpreise wegen es Ukraine-Kriegs steigen. Die Chefin des türkischen Lokals spricht von Existenzangst.

"Wir wollen nicht ganz aufhören", sagt Sibel Kutlu. Die selbstständigen Gastwirte wollen sich eine andere Fläche suchen, die mit weniger Kosten verbunden ist, und dort ein neues Lokal eröffnen. Wenn möglich, solle der Standort in der Nähe sein, so dass viele Stammkunden das Restaurant weiterhin besuchen können.

Betriebskommission Stadthalle Flörsheim tagt nächste Woche

Dass die vergangenen Jahre für Gastronomen schwierig waren, ist auch der Stadtverwaltung bewusst. Während der Corona-Pandemie habe er mit vielen Restaurantbetreibern Gespräche geführt, sagt Bürgermeister Bernd Blisch (CDU). Zur Kündigung des Pachtverhältnisses vonseiten der Stadthallen-Wirte wollte sich der Rathauschef vorerst jedoch noch nicht äußern. Bevor er eine Stellungnahme zur weiteren Perspektive abgebe, müsse zunächst die Betriebskommission Stadthalle informiert werden. Ein Treffen ist für die kommende Woche angesetzt. Dann kann sich die Stadt auf die Suche nach neuen Pächter machen. Zumindest bleiben den Verantwortlichen dafür nun einige Monate Zeit für die Suche nach Nachfolgern. (sas)

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