Das Forsthaus im Flörsheimer Wald war ab dem 19. Jahrhundert der Wohnsitz der jeweiligen Förster. Es ist im Besitz der Stadt. FOTO: Privat
+
Das Forsthaus im Flörsheimer Wald war ab dem 19. Jahrhundert der Wohnsitz der jeweiligen Förster. Es ist im Besitz der Stadt.

Ortsgeschichte

Flörsheim: Streit mit Landeshoheit führt zum Waldbesitz

Wie die Mainstadt einst zum Forstbesitz auf der anderen Flussseite gekommen ist.

Flörsheim -"Wenn man Flörsheim kennt, fällt einem nicht auf, dass es einen Waldbesitz gibt", erklärte Bürgermeister Dr. Bernd Blisch (CDU), ein studierter Historiker, bei einem Vortragsabend in der Stadthalle. Der Rathauschef spielte darauf an, dass Bewohner der Mainstadt nicht viel von den rund 170 Hektar städtischer Waldfläche mitbekommen, die sich auf der südlichen Mainseite zwischen Raunheim und dem Frankfurter Flughafen befinden. Nichtsdestotrotz besteht der Flörsheimer Wald schon seit dem Jahr 1718. Das Dach der Gallus-Kirche sei mit Holz aus dem Flörsheimer Wald gebaut worden, berichtete Bernd Blisch, der die Geschichte des Waldbesitzes in seinem Vortrag beleuchtete. Die Quellen führen zurück bis ins Mittelalter.

Die enge Verbindung zu den Waldstücken südlich des Mains bestand bereits im 13. Jahrhundert. Damals lag die Bewirtschaftung und Verwaltung der ausgedehnten Grünflächen in der Verantwortung der Fünf-Dorf-Mark, eines Zusammenschlusses der Dörfer Flörsheim, Raunheim, Rüsselsheim, Bischofsheim und Seilfurt.

Dr. Bernd Blisch erläuterte, dass es sich um einen alten Jagdwald der Kaiser handelte, der den örtlichen Fürsten in Schutzherrschaft überlassen wurde. Zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert hätten sich die Besitzverhältnisse jedoch verselbständigt. Die Gemeinden der Fünf-Dorf-Mark, die zwischen 1216 und 1270 in der Abhängigkeit der Herrn von Eppstein standen, betreuten den Wald in Selbstverwaltung.

Ein Beispiel, wie diese Verwaltung ausgesehen haben könnte, liefere eine Niederschrift aus dem Jahr 1519, die im Rüsselsheimer Stadtarchiv erhalten geblieben ist. Das Dokument schreibe fest, dass der Wald den Menschen in den Dörfern gehöre und nicht den Landesherren. Jeder Bewohner habe das Recht gehabt, einmal im Jahr eine Fuhre Holz zu holen, so Blisch. Wer Holz stiehlt, sollte bestraft werden. Als Grenze galt jedoch die bis heute bestehende Stockstraße. Wer sie überquerte, war frei, und durfte das illegal gesammelte Holz mit nach Hause nehmen.

Bei der Nutzung des Waldes bescheinigte Blisch den Verwaltern ein "modernes Denken". So sollten Schweine zur Mast in den Wald getrieben werden, wenn der Wald viel Eicheln trägt und es vertragen kann. In schwächeren Wachstumsphasen sollten die Eicheln verkauft werden und die Einnahmen den Einwohnern zugute kommen. Die Organisation der Fünf-Dorf-Mark sei mit einer jährliche Märkerversammlung fast demokratisch gewesen.

Bernd Blisch schilderte die Spannungen die sich infolge der Reformation ab dem 16. Jahrhundert zwischen den beiden christlichen Konfessionen ergaben. Das katholische Flörsheim habe als Kurmainzer Gebiet mit seinem Waldbesitz nicht mehr zu den protestantischen Herrschaftsverhältnissen auf der südlichen Mainseite gepasst. Am 13. Februar 1718 sei deshalb in einer Urkunde zwischen dem Kurfürsten von Mainz und dem Landgraf von Hessen-Darmstadt vereinbart worden, den Flörsheimer Wald aus der Gemeinschaft der Fünf-Dorf-Mark zu lösen. Streitigkeiten über das Jagdrecht und die Landeshoheit seien der Auslöser gewesen. In der Folgezeit habe Flörsheim einen eigenen Forstbeauftragten beschäftigt, der im 18. Jahrhundert in Flörsheim lebte. Ab dem 19. Jahrhundert lebte der Förster in eine Forsthaus auf der südlichen Mainseite, das sich noch heute im Besitz der Stadt befindet.

Bernd Blisch ging zudem kurz auf die einschneidenden Veränderungen in den achtziger Jahren ein, als die Stadt Teile des Waldes für den Bau der Startbahn West verkaufte. Die Entscheidung war damals politisch hart umkämpft. Auf die Frage von Zuhörern, ob es heute sinnvoll sei, den gesamten Wald zu verkaufen, erklärte der Bürgermeister, dass der Waldbesitz "eine emotionale Sache" sei. Angehörige der älteren Generation seien noch im Wald unterwegs gewesen und hätten dort Holz geschlagen. Für die Stadt sei der Wald keine finanzielle Last. Der Forst habe auch keinen hohen Verkaufswert. Da es sich um Bannwald des Frankfurter Flughafens handele, könne dort keine Siedlung errichtet werden, so der Historiker. sas

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare