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Filmemacher und Regisseur Frank Schraml (rechts) erklärt Bürgermeister Bernd Blisch die nächste Szene.

Kultur

Ungewöhnliche Rolle für Bürgermeister von Flörsheim

Der Regisseur Frank Schraml aus Flörsheim dreht seinen ersten Hessen-Krimi.

Flörsheim - Gleich im Eingangsbereich des Weilbacher Friedhofs - nur wenige Meter von der Straße entfernt - liegt ein relativ neuer Grabstein. Die Marmorplatte, die vor rund einem Jahr in die Wiese eingelassen wurde, markiert jedoch kein Grab. Wieso sich ein Filmteam für die vermeintliche Ruhestätte interessiert und warum Bürgermeister Dr. Bernd Blisch (CDU) als Unterstützung anrückte, klärte sich am Samstag. Es war einer der ungewöhnlichsten Termine in der bisherigen Amtszeit des Rathauschefs.

Mit gesenktem Haupt und gefalteten Händen stand Blisch vor dem falschen Grab. Der Verwaltungschef wirkte nachdenklich. Dann wurde die Stille plötzlich von einer schwarzen Klappe durchbrochen. "Irrtum - Der Film" stand auf dem rechteckigen Brett, das ein Helfer neben dem Kopf des Bürgermeisters in die Kamera hielte, um die nächste Aufnahme anzuzeigen. Auf dem Friedhof entstand nämlich eine Szene für den Hessen-Krimi "Irrtum" - das erste eigene Projekt des Weilbachers Frank Schraml. Der Schauspieler und Regisseur hatte die Grabplatte im Vorjahr auf dem Friedhof installieren lassen. Im Film markiert sie das Grab seiner Frau. Als er Bernd Blisch um Erlaubnis fragte, konnte der Filmmacher den Bürgermeister zu einer Gastrolle überreden.

Bernd Blisch hat schon etwas Erfahrung mit Kameras. Als er noch im Landesmuseum in Wiesbaden arbeitete, sei alle paar Wochen auf dem Schloßplatz gedreht worden, berichtete der Flörsheimer. In seiner neuen Funktion als Bürgermeister dreht er selbst Wochenvideos, die regelmäßig veröffentlicht werden. Außerdem habe er in jungen Jahren mal als Kandidat beim Großen Preis mitgemacht, verriet der hauptamtliche Verwaltungsmann. Nun sollte er einfach nur auf dem Friedhof stehen und Schauspielerin Vanessa Schulze grüßen, die eine Kerze am Nachbargrab anzündet. Im Anschluss ergibt sich ein kurzer Dialog mit Frank Schraml, der nach der jungen Frau sucht. Ein bisschen aufregend seien solche Situationen immer, gestand Blisch, der sich nach seiner Ankunft am Friedhof zuversichtlich zeigte: "Die Textzeilen sind so simpel, dass ich die hinkriege." Auf den Krimi-Dreh im Freien hatte er sich gut vorbereitet. Er trug einen beigen Mantel, einen dicken Schal und eine braunen Hut, mit dem er auch in jedem Gangster-Film über Al Capone gepasst hätte. Daraus ergab sich jedoch ein erstes Problem. "Der Film spielt im Sommer", eröffnete Frank Schraml seinem überraschten Gast.

Der Regisseur gab dem Bürgermeister letzte Hinweise. Beispielsweise sollte Blisch nicht direkt in die Kamera schauen - ganz anders als er dies von seinen Wochenvideos gewohnt war. Diese Ansprachen müsse er manchmal auch dreimal drehen, erklärte der Bürgermeister, der Hut und Mantel mittlerweile abgelegt hatte. Bei drei Wiederholungen sollte es diesmal aber nicht bleiben. Lärmende Kinder, vorbeifahrende Autos und ein Mann, der eine knarrende Schubkarre über den Friedhofsvorplatz bewegte, unterbrachen die Szene. Die Filmcrew um Kameramann Marcel Luckhaupt nahm es gelassen. Selbst als Frank Schraml einfiel, dass er vergessen hatte, Bernd Blisch als Bürgermeister anzusprechen, wurde einfach tapfer neu gedreht. "Auf was habe ich mich eingelassen", lachte der Flörsheimer Rathauschef. Wahrscheinlich sei er der erste Politiker, der nicht für seine Schauspielerei gelobt werde.

Nach über einer Stunde war die Szene im Kasten, und für Frank Schraml endete ein erfolgreicher Drehtag. Mit "Irrtum" erfüllt er sich einen Traum, den er zusammen mit befreundeten Schauspielern realisiert. Die für Dezember geplante Uraufführung in Bad Nauheim musste wegen der Corona-Krise verschoben werden. Schraml möchte jedoch im kommenden Jahr die Premiere feiern. (sas)

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