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Flörsheim: Vom Vergessen ins Rampenlicht

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Barbara Schmidt und Thomas Grimberg freuen sich, dass ihre Fotografien endlich wieder präsentiert werden können. FOTO: kröner
Barbara Schmidt und Thomas Grimberg freuen sich, dass ihre Fotografien endlich wieder präsentiert werden können. © Kröner, Sascha

Wie Künstler während der Corona-Krise lebten und was Brückenstipendien bewirkten.

Flörsheim -Fast zwei Jahre lang fand Kunst ausschließlich hinter den Türen der Ateliers statt. "Teilweise kommt man sich vergessen vor", sagt Fotografin Barbara Schmidt im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Kontakte, die sie vor Corona bei jeder Ausstellung knüpfte, seien während der Pandemie weggefallen. "So kommen auch keine Verkäufe zustande", bedauert die Künstlerin aus dem Hintertaunus.

Barbara Schmidt hatte das Glück, dass sie die Sorgen der Corona-Zeit mit einem Menschen teilen konnte, der vor den gleichen Herausforderungen stand. Ihr Partner Thomas Grimberg verdient sein Geld ebenfalls mit Fotografie. "Es ist schön, jemanden bei sich zu haben, dem es genauso geht", sagt Schmidt. Ein Künstler habe wahrscheinlich mehr Verständnis als ein Partner, der einem geregelten Job nachgeht. Was den beiden sonst noch durch die schwierigen Monate half, waren die sogenannten Brückenstipendien des Landes Hessen. Die Hilfszahlungen sollten Künstlern einen finanziellen Anschub geben, um ihre Tätigkeit fortzusetzen. Diese Unterstützung teilen die Fotografen mit weiteren Kreativen, die ihre Arbeiten derzeit im Kunstforum Mainturm ausstellen. Im Rahmen der Reihe "Off Beat" zeigen insgesamt sieben Künstlerinnen und Künstler Werke, die sie mit Hilfe der Stipendien realisieren konnten. Neben den Bildern von Schmidt und Grimberg präsentiert das Kunstforum die Arbeiten von Pilar Colino, Nicole Wächter, Clara Schuster, Marten Großefeld und Claudia Pense nun im Rampenlicht.

Das Stipendium habe es erlaubt, gezielt auf die erste Ausstellung nach Corona hinzuarbeiten, sagt Thomas Grimberg. Der Fotograf setzte die Finanzhilfe ein, um Bilder mit der aufwendigen Diasec-Technik zu produzieren. Dabei wird das belichtete Bild mit einer Plexiglasscheibe verklebt. Das Verfahren verleihe der Aufnahme einen dreidimensionalen Effekt und eine lange Haltbarkeit, erläutert Grimberg, der in Flörsheim seine Reihe "The look of food" zeigt. Als Motive dienten ihm in Plastik eingeschweißte Lebensmittel. "Es ist teilweise absurd, was man in Geschäften sieht", sagt der Künstler. Barbara Schmidt fotografierte Pflanzen und Tautropfen, die sie ebenfalls mit dem Diasec-Verfahren aufbereiten ließ. Mit der Ausstellung im Mainturm geht die Reihe "Off Beat" bereits in die vierte Runde. Entwickler des Konzepts ist die Online-Plattform artmaintaunus. Das Thema der aktuellen Auflage lautet Licht und lässt sich auf verschiedene Weise deuten - etwa als "Licht am Ende des Tunnels" für die beteiligten Künstler. Von einem "Auftauchen aus vernebelten Zeiten" sprach Andrea Simon, die die Ausstellung gemeinsam mit Claudia Pense zusammenstellte. Pense nahm selbst mit einem ungewöhnlichen Projekt an der Präsentation teil: In einem abgedunkelten Raum zeigte sie beleuchtete Muster aus feinen Steinpartikeln, die in einer Farblösung fixiert wurden. Kurios war vor allem die Entstehungsgeschichte, bei der die Künstlerin auf akustische Schwingungen setzte. Indem sie einen Lautsprecher unter eine Glasplatte voller Staub und Sand stellte, bildeten sich Muster. Sie habe das Brückenstipendium als eine Wertschätzung empfunden, die es erlaubte, Dinge zu verfolgen, die man im Hinterkopf hatte, erklärt die Kuratorin.

"Off Beat 4" soll noch bis zum 2. Juni im Kunstforum Mainturm zu sehen sein. Jeweils zwei der Künstler werden während der Öffnungszeiten anwesend sein und den Besuchern dort Rede und Antwort stehen. sas

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