Die Fluglärmkarte im Blick: Für den Verein "Für Flörsheim" engagierten sich einst auch (v. li.) der ehemalige Vorsitzende Ralf Falchi sowie der langjährige Geschäftsführer Norbert Hegmann. FOTO: Reuss
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Die Fluglärmkarte im Blick: Für den Verein "Für Flörsheim" engagierten sich einst auch (v. li.) der ehemalige Vorsitzende Ralf Falchi sowie der langjährige Geschäftsführer Norbert Hegmann.

Politik

Flörsheim: "Wer nicht kämpft, hat schon verloren"

Was zwei Mitbegründer des Vereins "Für Flörsheim", der bald aufgelöst werden soll, über Erfolge und Niederlagen denken.

Flörsheim -Jahrelang haben die Folgen des Flughafenausbaus Ralf Falchi beschäftigt. "Ich bin ein Vertriebener", sagt der 56-Jährige, der Flörsheim im Jahr 2009 zusammen mit seiner Familie verließ. Ausschlaggebend waren Befürchtungen im Hinblick auf den Bau der Nordwestlandebahn, die im Jahr 2011 in Betrieb gehen sollte. Schon damals habe es medizinische Gutachten gegeben, die darlegten, dass Fluglärm krank macht, berichtet Falchi, der sein Zuhause in der Schönbornstraße im stark belasteten Flörsheimer Norden hatte. Das habe er sich und seiner Familie nicht antun können, erklärt der Zahntechniker. 2009 fasste er den Beschluss, mit seiner Frau und den Kindern ins benachbarte Hofheim zu ziehen. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigt sich der Flörsheimer aber schon seit neun Jahren mit dem Widerstand gegen die Flughafenerweiterung. Ralf Falchi gehört zu den Gründern des Vereins "Für Flörsheim", der im Jahr 2000 den Kampf gegen die Folgen der Überflüge aufnahm. In den Anfangsjahren leitete Falchi den Verein als Vorsitzender.

Der langjährige juristische Widerstand ist nun vorbei. Wie der heutige Vorsitzende Hans-Jakob Gall vor einigen Tagen erklärte, hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe die beiden verbleibenden Beschwerden des Vereins zurückgewiesen. Der beauftragte Anwalt Dr. Schröder habe dem Verein vom Schritt vor den Europäischen Gerichtshof abgeraten. Der Vorstand plane deshalb, den Verein aufzulösen.

Ralf Falchi erzählt, dass er die Mitgliedschaft im Verein trotz seines Wegzugs aus Flörsheim bis vor zwei Jahren aufrechterhielt. Er habe das Anliegen so lange finanziell unterstützt, wie absehbar war, das noch eine Chance besteht. Und wie sieht er das Wirken des Vereins rückblickend? Der 56-Jährige erinnert sich an die ersten Klagen gegen den Bau der Nordwest-Landebahn im Jahr 2007. Zu diesem Zeitpunkt habe der Verein etwas tun müssen. "Es kam ein Erdbeben auf die Bevölkerung zu", sagt Ralf Falchi.

Der "Vertriebene" gewann den Eindruck, dass die Landebahn von Beginn an geplant gewesen sei. Im anfänglichen Mediationsverfahren sei es nur darum gegangen, die Akzeptanz der Bevölkerung zu erringen. "Für Flörsheim" habe es geschafft, ein Sprachrohr der Bürger zu sein, meint der Gründer.

Unter anderem führt er die Einführung des Casa-Programmes, in dessen Rahmen der Flughafenbetreiber, die Fraport AG, Häuser in den belasteten Gebieten erwarb, auf die Vereinsaktivitäten zurück. "Wer stetig mahnt, wird auch gehört", so Ralf Falchi. Ebenfalls seit den Anfangsjahren des Vereins engagierte sich der Flörsheimer Heinz-Josef Diehl für den Verein. Der 81-Jährige, der heute noch im Flörsheimer Norden lebt, kümmerte sich zehn Jahre lang als Kassierer um die Finanzen. Zusammen mit seinen Mitstreitern sei er sicher gewesen, dass sie etwas erreichen würden, beschreibt er den Kampfgeist nach der Gründung: "Wer nicht kämpft, hat schon verloren."

Dass die letzten Beschwerden nun abgewiesen wurden, und die Mitgliederzahl von anfänglich 1200 Personen auf die Hälfte geschrumpft ist, sieht Diehl nicht als Niederlage. Natürlich habe man sich anfangs im Kampf gegen die Landebahn mehr erhofft - es sei aber auch vieles erreicht worden. "Wir haben es zusammen mit anderen Vereinen geschafft, dass ein Nachtflugverbot eingeführt wurde", betont er. Dass die Fraport Schallschutzmaßnahmen bezahlt und ein Programm zum Klammerung von Dachziegeln gegen die Wirbelschleppengefahr eingeführt wurde, seien Ergebnisse der Vereinsarbeit.

"Jetzt ist es vorbei", räumt Heinz-Josef Diehl ein. Eine letzte Hauptversammlung wäre der notwendige nächste Schritt, um den Verein offiziell aufzulösen. sas

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