Für die verschwitzten MTK-Wanderer Claus-Dieter Heller (li.) und Bernd Zürn war dieser kleine Teich mitten im Wald ganz schön verlockend.
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Für die verschwitzten MTK-Wanderer Claus-Dieter Heller (li.) und Bernd Zürn war dieser kleine Teich mitten im Wald ganz schön verlockend.

Wanderung

Flörsheim: Die Westgrenze in sechs Stunden abgelaufen

Bernd Zürn und Claus-Dieter Heller zeigen sich, bei ihrer Tour am Grenzverlauf des Main-Taunus-Kreises entlang, von den möglichen Fernsichten beeindruckt.

Flörsheim -"Der Weg ist das Ziel" - diese philosophische Aussage trifft auf die Etappen zu, die von Bernd Zürn im Main-Taunus-Kreis (MTK) absolviert wurden. Der über die Kreisgrenzen hinaus bekannte Naturschützer und leidenschaftliche Radfahrer berichtet von seinen Touren, die ihn entlang der Kreisgrenzen führten. Sein Motto war eindeutig: "Ich wandere mal eben um den MTK".

Der vierte und vorletzte Teil seiner Wanderung führte den 80-Jährigen von Eppstein-Niederjosbach nach Hofheim-Wallau. Davon berichtete er mit folgenden Worten:

"Freitag, 14. August 2020. Die Bahnhofsuhr in Niederjosbach zeigt 9:40 Uhr an. Heute wird Claus-Dieter Heller mich begleiten. Der Flörsheimer ist nicht nur gut trainiert und belastbar, sondern auch 24 Jahre jünger als ich. Ob ich da mithalten kann?

Es ist schwül an diesem Morgen, die Straßen in ,Gusbach', wie dieser Eppsteiner Ortsteil oft genannt wird, fast menschenleer. Wir sind hier auf 227 Meter Meereshöhe. Über die Bahnhofstraße und die Kirchgasse durchqueren wir den Ort, lassen den Friedhof rechts liegen und erreichen einen Laubwald. Seine schattenspendende Wirkung - sonst heiß ersehnt - bringt uns heute wegen der geschlossenen Wolkendecke keine Vorteile. Der Weg führt uns durch Wiesen, Felder und Streuobstwiesen hinunter in das Tal des Daisbach. An der Guldenmühle überqueren wir ihn und verlassen vorübergehend den Main-Taunus-Kreis. Mehrere Straßen und zwei Bahnlinien zwingen uns auf Wanderwege in der Gemarkung Niedernhausen. Dabei kommen wir auch am Rhein-Main-Theater vorbei. Mitten im Wald liegend, hatte man es 1993 bis 1995 für eine langfristig geplante Aufführung des Musicals ,Sunset Boulevard' von Andrew Llyod Webber" erbaut. Tausende von Bäumen wurden damals gefällt und riesige Flächen für Parkplätze versiegelt. Die sind zu mehr als 90 Prozent leer und ungenutzt. Heute erinnert es fast an ein Dornröschenschloss: Wegen Corona ruht hier seit mehreren Monaten der Spielbetrieb.

Um die Autobahn A 3 queren zu können, müssen wir der Bundesstraße 455, Richtung Naurod, folgen. Nur dort gibt es eine Unterführung. Wegen des starken Autoverkehrs bewegen wir uns am äußersten Straßenrand oder aber im Straßengraben. Dass zu Fuß gehende Menschen auch Verkehrsteilnehmer sein könnten, übersteigt wohl die Vorstellungskraft mancher Verkehrsplaner.

Kurz vor Naurod erreichen wir den westlichsten Teil des Main-Taunus-Kreises. Wir biegen nach Süden ab. Die Laubwälder hier machen einen gesunden Eindruck. Ihr Schatten tut gut, denn inzwischen sticht die Sonne recht stark. Am Nordrand von Auringen springt die Grenze des Kreises wieder nach Osten über die A 3. Der Straße Richtung Bremthal folgend, unterqueren wir die Autobahn, biegen nach Süden ab, durchwandern die Waldgebiete Wellinger, Schulwald und Bauwald, und stoßen bei Wildsachsen wieder auf große Feld- und Wiesenflächen. Dass Wildsachsen, der kleinste Stadtteil von Hofheim, bis zum Ende des 16. Jahrhunderts eine wichtige Zollstation zwischen Kurmainz und Hessen war, überraschte uns. Schlimm auch, dass es am Ende des Dreißigjährigen Krieges in diesem Ort nur noch vier Familien gab. Neu für uns: Von 1630 bis 1900 wurde hier Eisenerz abgebaut. Spuren dafür konnten wir allerdings im Gelände nicht finden.

Südlich von Wildsachsen folgen wir dem - schlecht beschilderten - Weg nach Osten in Richtung Dachskopf. Hier, auf 300 Meter, stehen wir auf dem 'Höhepunkt' für diesen Tag. Ab jetzt geht es nach Süden, vorbei an Breckenheim, das schon zu Wiesbaden gehört. Hier, außerhalb des Waldes, gibt es immer wieder beeindruckende Fernsichten in die Rheinebene und in das rheinhessische Bergland. Leises Grummeln am Himmel und bedrohlich dunkle Wolken in Höhe der Pfingstborn-Anlage bei Breckenheim konnten uns nicht beeindrucken. Dass die sich kurze Zeit danach wenige Kilometer weiter in Kelkheim und Bad Soden so verheerend auswirkten, hätten wir nie gedacht.

Die leicht abschüssigen Wege zwischen Breckenheim und dem Tal des Kassernbach (so heißt hier der spätere Weilbach) führen uns aus dem Taunus in die Mainebene. Vorbei am Gewerbegebiet Wallau kommen wir in die Ortsmitte von Wallau, dem Endziel für heute. Ankunft: 15.45 Uhr. Nach sechs Stunden strammer Wanderung über rund 25 Kilometer entlang der Westgrenze des Kreises endet die Tour." red

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