Reiner Flick berichtet über verschiedene Hilfsaktionen für die von der Flut betroffenen Kollegen im Ahrtal. Archiv-FOTO: Nietner
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Reiner Flick berichtet über verschiedene Hilfsaktionen für die von der Flut betroffenen Kollegen im Ahrtal. Archiv-FOTO: Nietner

Weinanbau

Flörsheim: Winzer helfenihren Kollegen im Ahrtal

Beim Ersatz für das ausgefallene Wickerer Weinfest, dem Höfefest, wurde außerdem Flutwein verkauft.

Wicker -"Die Leute wollen raus", resümiert Winzer Reiner Flick. Das Vorstandsmitglied des Wickerer Winzervereins wertet das dreitägige Höfefest im Ortskern trotz wechselhaftem Wetter als vollen Erfolg. Als es am Samstagabend anfing, zu regnen, habe er zuerst gedacht: Das war es jetzt. Doch selbst nach dem Schutt seien noch viele Besucher gekommen, freut sich Flick. So konnten die Winzer, die das Publikum in ihren Höfen oder in den Weinbergen bewirteten, letztlich sehr zufrieden sei. Die Festtage, die in diesem Jahr das Wickerer Weinfest ersetzten, stellen gleichzeitig aber auch einen Erfolg für die vom Hochwasser schwer getroffenen Winzer im Ahrtal dar.

Aus Solidarität mit ihren Kollegen im Katastrophengebiet an der Ahr nahmen die Wickerer Ahrwein zum Flaschenpreis von 18 Euro auf die Karte. "Die Leute haben das sehr positiv aufgenommen", sagt Reiner Flick. Von den 360 Flaschen des "Unterstützungsweins" seien fast alle verkauft worden. Dabei kamen laut Flick rund 4000 Euro zusammen.

Tochter unterstützt Studienkollegin an der Ahr

Die finanzielle Unterstützung solle den von der Flut betroffenen Betrieben dabei helfen, ihre Ernte einzuholen und den Jahrgang 2021 zu retten, sagt Flick. Er selbst kenne drei Winzer im Hochwassergebiet, die derzeit keinen Betrieb mehr haben, berichtet Reiner Flick. Seine Tochter helfe bei einer Studienfreundin, deren Familie tagelang im Weinberg übernachten musste. Teilweise sei das Lebenswerk von Generationen verloren gegangen. "Die haben ja nicht einmal mehr Strom", beschreibt der Wickerer Winzer den kompletten Zusammenbruch der Infrastruktur an der Ahr. Fässer, Tanks und Werkzeuge wurden von den Wassermassen mitgerissen. Mit dem Geld aus dem Flaschenverkauf solle nun wenigstens die Möglichkeit geschaffen werden, Hallen anzumieten und zwei mobile Kelterstationen einzurichten.

Neben dem Flaschenverkauf beim Höfefest gebe es noch verschiedene andere Hilfsaktionen unter den Winzern, berichtet Reiner Flick. Das Mitglied des Wickerer Winzervereins beteiligte sich an der Aktion des Winzers Dirk Würz, der Kollegen dazu aufrief, eigene Flaschen für einen Verkauf zugunsten des Ahrtals zu spenden. Er selbst habe 240 Flaschen beigetragen, sagt Flick. Darüber hinaus setzt sich der Verband der Prädikatsweingüter (VDP) mit seiner Aktion "Der Adler hilft" für die Winzer an der Ahr ein.

Und wie sieht es in den Weinbergen rund um Wicker aus? Verglichen mit der existenziellen Not der Weinproduzenten im Hochwassergebiet wirken die Wettersorgen der Winzer in der Region recht unbedeutend. Doch auch hier gibt es langsam zu viel des Regens. Nach mehreren trockenen Sommern, in denen sich die Weinbauern mehr Niederschlag wünschten, ist die Situation nun umgekehrt: "Für mich persönlich reicht es", erklärt Reiner Flick. Nach 40 Berufsjahren sei immer noch jedes Jahr anders und unvorhersehbar. Momentan zeichne sich zwar eine gute Rebenentwicklung ab - doch noch mehr Regen könne er nicht gebrauchen, erklärt der Winzer, der für den Herbst auf eine Trendwende hofft. Trockenes Wetter auf der Zielgeraden wäre aus Sicht von Reiner Flick optimal. Ob es so kommt, kann auch der erfahrene Winzer nicht vorhersehen. "Das wäre Kaffeesatzleserei", meint Flick. Eines kann der Winzer jedoch schon recht sicher vorhersagen: Die diesjährige Weinlese wird etwas später beginnen als in den vergangenen Hitzesommern. Reiner Flick rechnet mit einem Start der Ernte in den ersten Oktoberwochen. sas

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