Auch wenn Reiner Flick hier fröhlich in die Kamera blickt: Für sein Weingut muss der Winzer viel mehr als üblich darauf achten, dass seinem Betrieb die notwendigen Materialien pünktlich geliefert werden. Archiv-FOTO: knapp
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Auch wenn Reiner Flick hier fröhlich in die Kamera blickt: Für sein Weingut muss der Winzer viel mehr als üblich darauf achten, dass seinem Betrieb die notwendigen Materialien pünktlich geliefert werden. Archiv-FOTO: knapp

Wirtschaft

Flörsheim: Winzer leiden derzeitunter Lieferengpässen

Weinerzeuger müssen im Gegensatz zu den Vorjahren nun extrem früh bei der Materialbeschaffung disponieren.

Wicker -Die Weinlese des Jahrgangs 2021 liegt einige Monate zurück. Längst wurden die Rebensäfte zur Gärung in die Keller geholt, wo sie nun auf den Verkauf warten. Dass sich die Weinflaschen problemlos absetzen lassen, ist jedoch nicht überall garantiert. Der Wickerer Winzer Reiner Flick spricht von einer "Extremsituation". Lieferengpässe stellen die Produzenten der edlen Tropfen nämlich vor Herausforderungen. Allerdings nicht in der Richtung, die viele erwarten würden. "Die Nachfrage der Kunden ist unverändert gut", berichtet Flick. Sorge macht ihm vielmehr das Verpackungs- und Verschlussmaterial, ohne das der Wein nicht über die Theke gehen kann.

Am Mittwoch kam eine dringend benötigte Lieferung auf der Wickerer Straßenmühle an. Flick konnte Massen von Aluminium-Schraubverschlüssen entgegennehmen, die er schon im November bestellt hatte. Angesichts von internationalen Lieferengpässen wollte der erfahrene Geschäftsmann sicherstellen, dass ihm zur geplanten Abfüllung der Weine Anfang März nichts fehlt. Die Schraubverschlüsse leisten 70 000 leeren Weinflaschen Gesellschaft, die bereits auf dem Gelände des Weinguts lagern. Die Türme aus Glas hat Reiner Flick ebenfalls im November bestellt. Flaschen seien schon seit einiger Zeit schwer zu bekommen. Dies liege daran, dass Glashütten bestimmte Flaschenformen nur in festgelegten Zeiträumen produzieren, erläutert der Winzer. Diese Zeitfenster dürfe man nicht verpassen. "Den letzten beißen die Hunde", erklärte Flick.

Korken sind als Verschluss "out"

Bei Verschlusskapseln und Verpackungskartons bestehe derzeit ein Mangel aufgrund von Lieferengpässen in der Corona-Pandemie. Die Knappheit habe sich im vergangenen Jahr entwickelt. "Es fehlt hinten und vorne", betont der Wickerer Winzer. Im Schnitt müsse man vier bis sechs Wochen länger auf das Material warten. Aluminium sei auf dem Weltmarkt knapp, und bei Kartonagen beobachtet Flick eine Preisexplosion aufgrund der energieintensiven Produktion. Wer jetzt noch Verschlüsse für eine Abfüllung Anfang März sucht, für den könne es eng werden, meint Flick. Zumindest sei die für März geplante Messe "Pro Wein" verschoben worden. Dies gebe den Herstellern wieder etwas Luft nach hinten.

Reiner Flick ist froh, dass seine Verschlusskapseln rechtzeitig eingetroffen sind. Der Weinproduzent hat ab 2009 sämtliche Verschlüsse von Kork auf Aluminium umgestellt. Nur einen besonderen Rotwein verkauft er weiterhin mit Korken - ansonsten setzt er mittlerweile zu hundert Prozent auf Schraubverschlüsse. Dies werde auch von den Kunden anerkannt.

"Der Weg zurück zum Kork ist für uns ausgeschlossen", erklärt der Winzer. Dies liege vor allem am Geschmack, der unter dem Korken leiden könne. sas

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