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Flörsheim: "Wir haben nichts geschenkt bekommen"

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Über 20 Jahre hat sich Hans Jakob Gall im Verein "Für Flörsheim" engagiert. Nach der Auflösung des Vereins widmet sich der Flörsheimer nun wieder mehr seiner Leidenschaft, dem Schreiben von Romanen. ArchivFOTO:
Über 20 Jahre hat sich Hans Jakob Gall im Verein "Für Flörsheim" engagiert. Nach der Auflösung des Vereins widmet sich der Flörsheimer nun wieder mehr seiner Leidenschaft, dem Schreiben von Romanen. ArchivFOTO: © Hans Nietner

Hans Jakob Gall berichtet über die juristischen Kämpfe des nun aufgelösten Klagevereins "Für Flörsheim".

Flörsheim -Zwei große Kartons voller Dokumente stehen auf dem Dachboden von Hans Jakob Gall. Die Unterlagen zeugen vom jahrelangen Kampf gegen die Folgen des Flughafenausbaus. Vielleicht werde er die Sammlung irgendwann dem Flörsheimer Stadtarchiv überlassen, sagt Gall, der sich mehr als 20 Jahre im Vorstand des Vereins "Für Flörsheim" engagierte - zuletzt als Vorsitzender.

Der Widerstand gegen die Nordwest-Landebahn fand nicht nur am Schreibtisch statt. Gall erinnert sich, wie er mit einem kleinen Hubschrauber über Flörsheim flog, um einer Menschenmenge im Christian-Georg-Schütz-Park den Lärm der geplanten Landebahn zu demonstrieren. Bei einer weiteren Aktion habe er zusammen mit Gleichgesinnten Straßenschilder im Flörsheimer Wald auf der anderen Mainseite aufgestellt. Die Fluglärmgegner platzierten Tafeln mit den Namen Rheinallee und Weilbacher Straße in unmittelbarer Nähe zum Flughafen, um davor zu warnen, wie laut es künftig im Stadtgebiet wird. Die Schilder habe er heute noch im Keller stehen, erzählt Gall, für den mittlerweile vor allem die Erinnerungen zählen. Denn die Mitgliederversammlung beschloss bekanntlich in der Vorwoche, den Klageverein aufzulösen. Schatzmeister Holger Scheuering und Zweiter Vorsitzender Dr. Bernd Blisch übernehmen die Abwicklung. Der Vorsitzende kann sich zurückziehen.

"Ich bin raus", betont Hans Jakob Gall, der im Gründungsjahr 2000 als Beisitzer im Vorstand anfing. 2006 habe er den Vorsitz übernommen, erzählt der nun 87-Jährige. Trotz seines hohen Alters war für den Senior immer klar, dass er den Klageweg bis zum Ende begleiten will. Dieser Zeitpunkt ist nun gekommen. Nachdem die verbliebenen Beschwerden vor Gericht zurückgewiesen wurden, stellt "Für Flörsheim" seine Tätigkeit ein. Insgesamt rund 500 000 Euro an Gerichts- und Anwaltskosten seien in den juristischen Kampf geflossen, berichtet Gall. Finanziert hat der Verein diese gewaltige Summe mit Hilfe von Mitgliedsbeiträgen. "Wir haben nichts geschenkt bekommen", betont der langjährige Vorsitzende.

Auch wenn nicht alle juristischen Ziele erreicht wurden, konnten die Ehrenamtler einiges bewegen. In Beratungsstunden, die Hans Jakob Gall bis vor zwei Jahren noch selbst anbot, unterstützte der Verein Flörsheimer bei den Anträgen für Schallschutz. Außerdem sieht der 87-Jährige die Einschränkung der Nachtflüge und das Dachklammerungsprogramm zum Schutz vor Wirbelschleppen als Erfolge.

Nach dem Beschluss zur Auflösung sehe er den Verein wie ein Haus, dass er gemeinsam mit vielen Unterstützern gebaut habe. Wenn alles abgeschlossen ist, kümmere man sich nicht mehr um Kritik. "Trotz aller möglichen Einwände habe ich das Gefühl, es gut gemacht zu haben", so Hans Jakob Gall. Für den unermüdlichen Kämpfer hat sich nun eine wichtige Aufgabe erledigt. Trotzdem habe er nicht die Befürchtung, in ein Loch zu fallen, erklärt Gall. Gerade sei er mit der Korrektur seines neuesten Romans beschäftigt. Und wenn das Buch veröffentlicht ist? Dann kann er sich vorstellen, mit der Recherche für ein weiteres Werk zu beginnen. Körperlich macht sich das hohe Alter mittlerweile zwar beim Laufen bemerkbar. Doch: "Mein Kopf ist noch klar", versichert Gall.

Der Vereinsvorstand bedankte sich auf der letzten Mitgliederversammlung mit einem edlen Schreibset samt Tintenfass bei dem kreativen Vorsitzenden. Ehefrau Lucia Gall erhielt einen Blumenstrauß für ihr anhaltendes Verständnis. "Sie hat mich immer unterstützt", berichtet Hans-Jakob Gall dankbar. sas

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