Unser Archiv-Bild aus der Zeit vor Corona zeigt Flörsheimer Kinder, die von Reitlehrerin Franziska (re.) vorgeführt bekommen, wie ein Knoten für die Pferdeleine gebunden wird. Archiv-Foto: Nietner
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Unser Archiv-Bild aus der Zeit vor Corona zeigt Flörsheimer Kinder, die von Reitlehrerin Franziska (re.) vorgeführt bekommen, wie ein Knoten für die Pferdeleine gebunden wird. Archiv-Foto: Nietner

Vereine

Flörsheim: "Wir können die Tierenicht einfach wegsperren"

Die Reitsportvereine sowie Reiterhöfe haben wegen der Corona-Krise weiterhin Probleme.

Flörsheim -Fast überall ruht derzeit der Vereinssport. Die erlaubten Begegnungen von maximal fünf Personen aus zwei Haushalten machen ein gemeinsames Training unmöglich. Während Fußballer und Turner zu Hause bleiben, gibt es jedoch einen Bereich, in dem trainiert wird: Aktive im Reitsport dürfen ihre Pferde weiterhin bewegen. Sogar Übungsstunden im kleinen Kreis sind möglich. In allen drei Stadtteilen nutzen Vereine ihre minimalen Möglichkeiten, um sich finanziell über Wasser und die Tiere gesund zu halten.

"Zum Glück sind unsere Reitschüler flexibel", sagt Natascha Bänsch, Vorsitzende des Reitsportvereins Flörsheim. 30 Teilnehmer sind derzeit für den Unterricht auf der Reitanlage Falkenberg angemeldet. Unter normalen Umständen würden vier Personen gemeinsam trainieren - momentan seien die wöchentlichen Übungsstunden auf zwei Schüler beschränkt. "Mit Geschwistern aus dem selben Haushalt sind auch Reitstunden zu dritt erlaubt", erläutert Natascha Bänsch. Die Aufteilung des Unterrichts führe dazu, dass jeder Reitschüler nur noch alle zwei Wochen in den Unterricht komme. Die ausgefallenen Übungsstunden sollen nachgeholt werden, sobald die Corona-Maßnahmen enden. Die Vorsitzende hat aber auch schon von Familien gehört, die auf zusätzliche Stunden verzichten und ihre Gebühr als Spende ansehen. "Wenn die Mitglieder nicht mehr zahlen würden, könnte der Verein nicht überleben", gesteht Natascha Bänsch ein.

Unterricht wurde heruntergefahren

Der Reitsportverein unterhält sechs Vereinspferde, die er versorgen muss. Dass Reitstunden weiter stattfinden, sei auch aus Sicht des Tierschutzes wichtig, erklärt die Vorsitzende. Die Pferde müssten regelmäßig bewegt werden. "Wir können die Tiere nicht einfach wegsperren", betont Natascha Bänsch. Trotz der fortgesetzten Reitstunden fallen viele Tätigkeiten der Pferdefreunde weg. Geführte Ausritte gebe es derzeit genauso wenig wie Kurse für das Reitabzeichen, einen "Tag der offenen Tür" oder Ferien auf dem Reiterhof. "Alles, was das Vereinsleben ausmacht, geht momentan nicht mehr", bedauert Bänsch.

Beim Wickerer Reit- und Fahrverein auf dem Hubertushof nutzt etwa ein Drittel der Reitschüler die eingeschränkten Übungsstunden. 15 bis 20 Kinder seien pro Woche dort aktiv, berichtet Anette Naumann-Lemke, die den Hof mit ihrem Mann Guido betreibt. "Wir haben den Reitunterricht runtergefahren, aber ein bisschen was geht", sagt die Wickerin. Vier Kinder verteilt auf zwei Pferde dürfen momentan die Reitfläche nutzen. "Für uns ist das finanziell dringend nötig", erklärt die Schriftführerin des Reit- und Fahrvereins.

Anette Naumann-Lemke hat Zahlen des Pferdesport-Verbands gehört, wonach ein Drittel der Schulbetriebe vom Konkurs bedroht ist. Trotz der Möglichkeit, Reitstunden anzubieten, werde dies von vielen Familien aus Angst vor einer Infektion nicht genutzt. In Wicker hat die Hof-Betreiberin allerdings viel Interesse an den Angeboten des Reiterhofs erlebt. Der Verein beteiligte sich in dieser Woche am Ferienkalender der Stadt Flörsheim und empfing Kinder, die Pferde ausführen, reiten und putzen durften. "Toll, dass ihr das macht", sei die Rückmeldung vieler Eltern gewesen.

Auch in Weilbach wird weiterhin geritten. Die Reit- und Fahrgruppe auf dem Hof der Familie Ehrhardt bietet allerdings keine eigenen Trainingsstunden an. Kunden können ihre Pferde auf der Anlage unterstellen und Reitstunden bei privaten Lehrern buchen. Dies werde weiterhin genutzt, berichtet die Vorsitzende Heidi Ehrhardt. Der Springunterricht finde momentan nur zu zweit statt, der normale Reitunterricht als Einzelunterricht. Bis zu sechs Reiter dürften sich in der Halle aufhalten, weil es sich automatisch ergebe, dass die Pferde mindestens zwei Meter Abstand halten. Für das restliche Gelände gelten erweiterte Hygieneregeln: "In der Sattelkammer dürfen sich nur zwei Personen gleichzeitig aufhalten", erläutert Ehrhardt ein Beispiel. "Anfangs mussten wir das noch kontrollieren, mittlerweile hat sich das aber alles eingespielt." sas

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