Fluglärm im Rhein-Main-Gebiet

Fraktionen fordern striktes Nachtflugverbot

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In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung informierte Bürgermeister Michael Antenbrink die Fraktionen, dass die Flörsheimer Klagen zum Flughafenausbau vor dem Hessischen Verwaltungsgericht voraussichtlich Ende April mündlich verhandelt werden.

Die Chancen, dass die Kommune im Hauptverfahren gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens gehört wird, stehen gut. Die Mainstadt, die seit der Eröffnung der Nordwestlandebahn zu den am stärksten vom Fluglärm belasteten Kommunen gehört, tritt als Musterkläger auf. Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) informierte die Stadtverordneten nun darüber, dass das Hessische Verwaltungsgericht im März und April über die verbliebenen Klagen entscheiden wolle. Von einem Sprecher des Kasseler Gerichtshofes sei in Aussicht gestellt worden, dass die Flörsheimer Klagen in einer mündlichen Verhandlung Ende April behandelt werden.

Damit ginge ein lange gehegter Wunsch der Kommune in Erfüllung, die ihren Anwalt Dr. Martin Schröder mit der Ausarbeitung der Flörsheimer Positionen betraut hat. Laut Michael Antenbrink soll die Stadt Flörsheim zu den Themen Nachtrandstunden, Nachtflugverbot und Wirbelschleppen angehört werden. Dies seien die Bereiche, die von Änderungen des Planfeststellungsbeschlusses betroffen waren. Die Stadt setze sich weiterhin für ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr ein, erläutert der Verwaltungschef.

Außerdem fordere Flörsheim ein Verbot niedriger Überflüge durch schwere Maschinen, um die Gefahr durch Wirbelschleppen zu vermeiden. Die von Flugzeugen verursachten Luftwirbel seien in der Planfeststellung nicht ausreichend berücksichtigt worden, betont Antenbrink. Außerdem liege das Verkehrsaufkommen am Frankfurter Flughafen wesentlich niedriger als prognostiziert. „Das sind alles Argumente, die für uns sprechen“, meint der Verwaltungschef. Im Prinzip ziele der Kern der Flörsheimer Klagen immer noch auf eine Stilllegung der Nordwestlandebahn, so Antenbrink.

Der juristische Kampf der Mainstadt geht damit weit über die Lärmpausenmodelle hinaus, die der Hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Grüne) vorgeschlagen hat. Durch Lärmpausen sollen bestimmte Gebiete entlastet werden, indem der Flugverkehr in den Nachtrandstunden unterschiedlich auf die drei Bahnen am Frankfurter Flughafen verteilt wird. Die Parteien in der Stadtverordnetenversammlung äußerten sich zu diesem Ansatz in einer gemeinsamen Resolution. CDU, SPD, Galf, dfb und der fraktionslose Stadtverordnete Thorsten Press (FDP ) unterzeichneten den Dringlichkeitsantrag.

Anlass war der Beschluss der Fluglärmkommission, die nur beim Lärmpausenmodell 4 im Westbetrieb einen Vorteil erkennen konnte. Die Variante sieht vor, dass zwischen 22 und 23 Uhr nicht auf der Nordwestlandebahn und der Centerbahn gelandet wird. Die Stadtverordnetenversammlung erneuert in ihrer aktuellen Resolution die Forderung nach Einhaltung der Nachtruhe durch ein striktes Nachtflugverbot in der „gesetzlichen“ Nacht von 22 bis 6 Uhr. Das Ergebnis der Fluglärmkommission berücksichtige die Interessen der Stadt Flörsheim weitgehend, heißt es in der Erklärung. Die Stadtverordneten begrüßen die Lärmpausenmodelle grundsätzlich, weisen jedoch darauf hin, dass diese Initiative „nicht als ausreichend für den Schutz der von Fluglärm besonders betroffenen Bürgerinnen und Bürger in Flörsheim“ angesehen werde.

Die Unterzeichner der Resolution lehnen die Erprobung von Lärmpausenmodellen bei Ostbetrieb ab. Sie kündigen außerdem an, dass sie sich „mit Nachdruck“ gegen alle Modelle zur Wehr setzen werden, die bei Ostbetrieb eine gleichzeitige Nutzung der Centerbahn und der Landebahn Nordwest vorsehen. Dies würde eine

Doppelbelastung

Flörsheims im Norden und Süden bedeuten. Die Fraktionen weisen auch darauf hin, dass das Lärmpausenmodell, das die Sperrung der Landebahn Nordwest in den Nachtrandstunden zur Folge hätte, nicht zur häufigeren Nutzung der Abflugroute Nordwest über Flörsheim führen dürfe. Die Gefahr von verstärkten Starts in Richtung Nordosten sei von der Fluglärmkommission nicht hinreichend gewürdigt worden. Die Resolution schließt mit dem Hinweis, dass die Prüfung von Lärmpausenmodellen nur unter Beachtung der im Beschluss genannten Bedingungen erfolgen dürfe.

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