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Bei der Einweihung des Güzelbahçe-Platzes an der Rheinalle im Jahr 2011 waren (v. li.) Ertan Avkiran, Anton Geisinger, Michael Antenbrink, Wolfgang Odermatt sowie Mustafa Ince, Ilhan Demirogh und Ismail Kandechir dabei.

Städtepartnerschaft

Wie geht es weiter mit Güzelbahçe?

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Schläft die 2011 vereinbarte Städtepartnerschaft mit der türkischen Stadt Güzelbahçe langsam ein? Freundeskreis-Vorsitzender Anton Geisinger bestreitet dies.

War es ein gezieltes Attentat oder eine Kurzschlusshandlung? Die Attacke auf den Bürgermeister von Flörsheims türkischer Partnerstadt Güzelbahçe sorgte im Dezember für Aufsehen. Vier Schüsse wurden auf Stadtoberhaupt Mustafa Ince abgegeben. Der Rathauschef kam mit einem glatten Durchschuss im Bein noch relativ glimpflich davon. Mittlerweile gehe es Ince wieder gut, sagt Anton Geisinger. Der Vorsitzende des Deutsch-Türkischen Freundeskreises verfolgt die Entwicklungen von Flörsheim aus. Mustafa Ince habe seine Arbeit wieder aufgenommen, weiß Geisinger.

Die Tat ereignete sich spät nachts auf der Heimfahrt von einem Termin des Bürgermeisters. Ehefrau Nilüfer Ince saß am Steuer des Wagens und wollte gerade in die Einfahrt des Grundstücks einbiegen, als ein anderes Fahrzeug von hinten auffuhr. Kaum war Mustafa Ince ausgestiegen, da eröffnete einer der Insassen des zweiten Wagens das Feuer. Die Hintergründe blieben zunächst unklar. Jetzt gibt es Informationen zu einem Verhafteten und dessen Aussage.

Sein letzter Stand sei, dass ein Geschäftsmann aus Izmir festgenommen wurde, erzählt Anton Geisinger. Der Verdächtige habe zu Protokoll gegeben, dass er unbeabsichtigt auf den Wagen des Bürgermeisters aufgefahren sei. Dies habe ihn so wütend gemacht, dass er im darauf folgenden Wortgefecht zur Waffe griff. Anton Geisinger ist von dieser Version allerdings nicht überzeugt. Der Vorsitzende des Flörsheimer Freundeskreises kann sich vorstellen, dass der Täter den Bürgermeister aus Verärgerung über einen nicht erfolgten Gefallen bestrafen wollte. „Korruption ist in der Türkei immer noch an der Tagesordnung“, so Geisinger.

Als die beiden Städte im Jahr 2011 ihre Partnerschaft besiegelten, wurde im Baugebiet Nord der Güzelbahçe-Platz eingeweiht. Ist dies alles, was von der Städtepartnerschaft übrig ist? Nein, meint Anton Geisinger. Und auch trotz der allgemeinen Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei soll die Freundschaft zwischen den beiden Kommunen nicht in Frage gestellt werden. Der Freundeskreis plant für den September eine Gruppenreise in die Partnerstadt. Diesmal soll unter anderem der antike Hafen in Güzelbahçes Nachbarstadt Urla besichtigt werden. Das Interesse an diesen Reisen hatte im Vorjahr stark nachgelassen. Während in der Vergangenheit 20 oder mehr Personen den Freundeskreis in die Türkei begleiteten, waren es 2017 nur elf Mitreisende. Geisinger hatte damals erläutert, dass mancher frühere Teilnehmer Bedenken hatte und die Politik von Regierungschef Erdogan nicht unterstützen wolle.

Nun weist der Chef des Freundeskreises noch auf einen anderen Faktor hin. Man müsse bedenken, dass die Flörsheimer Abordnung zum 16. Mal nach Güzelbahçe reist. Er glaubt, dass das Alter der Mitfahrer beim Rückgang der Anmeldungen eine größere Rolle spielt als die derzeitigen politischen Verhältnisse in der Türkei. Der Altersdurchschnitt der 85 Mitglieder des Freundeskreises sei sehr hoch. „Junge Leute interessieren sich nicht so sehr für Partnerstädte“, meint der Vorsitzende.

Die derzeitigen politischen Verhältnisse unter Erdogan seien auch nicht gerade hilfreich, wenn man neue Mitstreiter für den Freundeskreis gewinnen wolle. Schwierig werde es wohl außerdem in Zukunft, wenn er mal nicht mehr an der Spitze des Freundeskreises Güzelbahçe-Flörsheim stehe, befürchtet Geisinger.

Während der Vorsitzende noch an den jährlichen Reisen in die Partnerstadt festhält, kommen türkische Besuche in Flörsheim auffällig seltener vor. Viele türkische Bekannte des Vorsitzende haben früher in Deutschland gelebt. Wenn diese Menschen nach Deutschland reisten, wollen sie nicht nach Flörsheim, sondern in die Städte, in denen sie damals lebten, erläutert Anton Geisinger. Hinzu komme, dass sich viele normale Bürger in der Türkei einen Besuch in der Partnerstadt nicht leisten können. In diesem Jahr werde jedoch eine Abordnung aus Güzelbahçe am Main erwartet. Anton Geisinger rechnet mit 15 bis 20 Personen. Darüber hinaus sei ein Austausch zwischen der Sophie-Scholl-Schule und einer Botschafterschule in der Nähe von Güzelbahçe im Gespräch. „Da tut sich zum ersten Mal was“, freut sich Geisinger, der hofft, dass sich viele Schüler für die Türkei begeistern.

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