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Infizierte Schüler spielen gemeinsam: Nachbarn verpetzen Familien

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Fenster auf und Abstand halten, heißt es derzeit noch an vielen Grundschulen. Trotzdem fällt Unterricht aus, weil Lehrer und Schüler sich mit Coronaviren infiziert haben.
Fenster auf und Abstand halten, heißt es derzeit noch an vielen Grundschulen. Trotzdem fällt Unterricht aus, weil Lehrer und Schüler sich mit Corona infiziert haben. © Frank Rumpenhorst/dpa

Nachbarn „überwachen“ die Einhaltung der Corona-Quarantäne zweier infizierter Kinder im Main-Taunus-Kreis und informieren das Gesundheitsamt.

Flörsheim – Wenn es um die Bekämpfung der Pandemie geht, dann musste die Bevölkerung mit vielen Einschränkungen leben, die es zuvor so noch nie gab. Die wohl schlimmste Zeit erlebten Bewohner von Seniorenheimen, die wegen der Ansteckungsgefahr durch Außenstehende keine Besucher empfangen durften.

Waren die älteren Menschen sowieso die am meisten gefährdeten durch das Virus, so waren zugleich vor allem Kinder von den Einschränkungen am meisten betroffen. Egal ob Kindergarten oder Schule: Schließungen wegen infiziertem Personal in Kindertagesstätten, Wechselunterricht an Schulen und ständige Ausfälle in beiden Einrichtungen stressen Kinder sowie Eltern.

Corona im Main-Taunus-Kreis: Schulklasse in Quarantäne

Dazu kommt, dass bei angeordneten Quarantäne-Maßnahmen trotz eines milden oder symptomfreien Verlaufs nicht alles immer so erfreulich abläuft, wie es eigentlich sein könnte. Denn in diesem Zusammenhang legen dann manche Zeitgenossen eine Art Blockwartmentalität an den Tag, die anscheinend bei vielen Deutschen noch fest verwurzelt ist. Ein Fall aus einem Flörsheimer Stadtteil beweist diese These.

Die Geschichte begann ganz schlicht und einfach an einer Schule. Eine Grundschulklasse wurde in Quarantäne geschickt, weil die Lehrerin sowie einige Schüler positiv auf Corona getestet worden waren. Davon waren unter anderem zwei Familien betroffen, die nebeneinander in zwei Häusern wohnen und deren beide Söhne (jeweils 7 Jahre alt) nicht nur Schulkameraden sind, sondern ebenso zu Hause beim Spielen ihre Freundschaft pflegen. Dies war auch der Fall, nachdem beide Familien in Quarantäne geschickt wurden. Ganz normaler Alltag ist für die beiden Grundschüler, dass sie am Nachmittag zusammen spielen - entweder bei dem einen oder bei dem anderen.

Corona: Nachbarn bemerken Besuch von Schüler bei Freund und informieren Gesundheitsamt

So war es ebenfalls während der Quarantäne. Die beiden 7-Jährigen hatten sich verabredet und spielten unter der Aufsicht eines Elternteils. In der Nachbarschaft wurde der Besuch des Jungen bei seinem Freund anscheinend sofort registriert. Denn das Gesundheitsamt des Main-Taunus-Kreises wurde darüber informiert. Das Gesundheitsamt wiederum benachrichtigte das Ordnungsamt der Stadt Flörsheim. Die Mitarbeiter sollten die beiden Jungs voneinander trennen, da sie ja als Corona-Infizierte voneinander Abstand halten und beide Familien in Quarantäne sind.

Daraufhin fuhren zwei Mitarbeiter zu der Familie eines der beiden Schüler und klingelte an der Haustür. Die Mutter war überrascht über den Hinweis der Ordnungsamtsmitarbeiter, die beiden Buben dürften nicht miteinander spielen, willigte aber ein und erklärte, dass sie dies nicht gewusst habe. Sie machte die Haustür zu und kümmerte sich um den kleineren Bruder des Grundschülers, um ihn fertig zu machen für den Gang zum Nachbarhaus. Die Ordnungsamtsmitarbeiter hatten sich eine Weile in ihr Dienstfahrzeug gesetzt. Doch die ihnen zugesagte "Rückholaktion" dauerte ihnen anscheinend zu lange, sie klingelten noch einmal an der Haustür. Schließlich holte die Mutter ihren Sohn im benachbarten Haus ab. Damit war die Sache zuerst einmal erledigt.

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Ordnungsamt im Main-Taunus-Kreis lässt Schüler wegen Corona räumlich trennen

Der Vater eines der Jungen schüttelte im Nachhinein den Kopf über das Verhalten in der Nachbarschaft, die beiden spielenden Schüler beim Gesundheitsamt zu melden. Das Amt hatte zu diesem Zeitpunkt übrigens die Nachverfolgung von Infizierten längst aufgegeben. Warum, so fragt sich der Vater einer der betroffenen Grundschüler, ist es ein Problem, dass zwei 7-Jährige, die weder Symptome vorweisen, noch sich außerhalb der beiden Familien bewegen, miteinander spielen? Und welche gesetzliche Grundlage sei dafür eigentlich maßgeblich, fragt der Vater.

Auf Nachfrage des Kreisblatts bestätigte Bürgermeister Dr. Bernd Blisch (CDU), dass das Gesundheitsamt das Ordnungsamt von dem Hinweis aus der Nachbarschaft in Kenntnis gesetzt und darum gebeten habe, dafür zu sorgen, dass die beiden Grundschüler räumlich getrennt werden. Dieser Anordnung seien die Mitarbeiter des Ordnungsamtes nachgekommen und hätten sich auf den Weg zu den Familien gemacht, bei einem der beiden Haushalte an der Tür geklingelt und die Weisung des Gesundheitsamtes der Mutter eines der beiden Jungs vorgetragen. (meh)

Wer Freunde besucht oder einen Restaurantbesuch plant, dessen Weg führt aktuell meistens an einer Teststation vorbei. In Flörsheim gingen kürzlich neue Corona-Teststellen in Betrieb.

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