Instinkt ist eine Waffe

  • schließen

„Mit Schirm, Stock und Kuli“ lautete der Titel eines besonderen Selbstverteidigungskurses für Senioren. Die Nachfrage war so groß, dass die Stadt statt der ursprünglich geplanten 20 Teilnehmer 34 Personen zuließ, die auf Angriffe vorbereitet sein wollen. .

Für ältere Menschen ist der Weg zum Geldautomaten oder zum Bahnhof häufig mit Ängsten verbunden. Vor allem im Dunkeln fürchtet mancher Senior, Opfer von Vandalen oder Räubern zu werden. Zu wissen, wie mit solchen Situationen umzugehen ist, stärkt das Selbstbewusstsein. Martin Zovak von der Wing Tsun Akademie Weilbach zeigte den Kursteilnehmern in der Kulturscheune, dass Alltagsgegenstände wie Schlüssel oder Regenschirme einen entscheidenden Vorteil verschaffen können.

„Bewegt euch, als hättet ihr eine Fackel in der Hand und wolltet euch wilde Wölfe vom Hals halten“, beschrieb der Wing Tsun-Experte die richtige Abwehrhaltung mit einem Regenschirm. Ein Schirm, der diagonal vor dem eigenen Körper geschwungen werde, sei ein effektives Mittel, um Angreifer auf Distanz zu halten.

„Wir machen aus euch heute keine Selbstverteidigungsexperten“, betonte Martin Zovak. Der Kursleiter versuchte vielmehr, das Bewusstsein der Männer und Frauen auf effektive Verhaltensweisen zu lenken. Wenn es tatsächlich zu einer Konfrontation komme, bleibe oftmals nur eine gezielte Aktion, um den Angreifer abzuwehren. „Wir wollen keinen Hollywoodfilm drehen“, so der Wing Tsun-Lehrer. Wer von einem Fremden am Arm gepackt werde, könne sich durch einen Schlag mit dem Schlüsselbund auf die Hand befreien, demonstrierte Zovak. Es geht aber auch ganz ohne Hilfsmittel: Die Zuhörer lernten, dass ein schneller Handkantenschlag auf den Nervenansatz in der Beuge des Ellenbogens äußerst schmerzhaft sein kann.

Die Flörsheimer Peter und Angela Würffel gehörten zu den Teilnehmern, die das Gelernte eifrig in die Tat umsetzen. Das Paar wollte auf mögliche Übergriffe vorbereitet sein. „Man sieht so was immer bei Aktenzeichen XY im Fernsehen“, erklärte Peter Würffel. Bisher sei er selbst noch nicht in eine wirklich brenzlige Situation geraten. Seiner Frau sei aber schon einmal die Handtasche entrissen worden. Er habe die Sorge, irgendwann zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, beschrieb der Flörsheimer seine Motivation für die Teilnahme.

Martin Zovak brachte den Flörsheimern nicht nur Abwehrtechniken bei: Der Kampfsportler setzt auch auf eine selbstbewusste Körpersprache, um mögliche Angreifer schon im Vorfeld abzuschrecken. Zovak riet den Teilnehmern zu einem entschlossenen Blick und aufrechter Haltung.

Wer jemanden beklauen wolle, der suche nach einem Opfer und nicht nach einem Gegner. „Wenn ich nicht angepöbelt werden will, muss man das auch in meinen Augen sehen“, so der Fachmann. Er riet den Senioren, ein Bewusstsein für ihre Umgebung zu entwickeln und aufmerksam für unangenehme Situationen zu sein. „Die Aufmerksamkeit macht den Unterschied, ob ihr eine Chance habt, euch zu wehren, oder nicht“, erklärte Zovak. Der beste Selbstschutz bestehe in der Vermeidung kritischer Situationen. Wer Geld abheben wolle und vor der Sparkasse auf verdächtige Personen treffe, solle sich einfach die Zeit nehmen, ins Café zu gehen und abzuwarten, erklärte Zovak.

Genauso verhalte es sich bei einer Bahnfahrt: Wenn einem Personen im Zugabteil ein unangenehmes Gefühl vermitteln, solle man lieber in den nächsten Wagen wechseln. Martin Zovak riet den Teilnehmern außerdem, gute Schauspieler zu sein. Wenn man unbedingt an einer verdächtigen Gruppe vorbeilaufen müsse, könne man beispielsweise so tun, als ob man telefoniere, gab der Kampfsportler eine wertvolle Anregung. Der Kursleiter rief auch dazu auf, sich nicht von Stolz leiten zu lassen. „Eure Gesundheit ist das wichtigste“, vermittelte Martin Zovak den Teilnehmern eindringlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare