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?Die Schmotzer? hatten ein Drachenboot auf Räder gepackt.

Fastnacht

Jubel, Trubel, Heiterkeit: 130 Wagen und Fußgruppen schlängelten sich durch Flörsheim

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Die Narren sind los: Mit bunten Kostümen und Süßigkeiten in petto brachten sie Farbe in den grauen Sonntag.

Der Flörsheimer Fastnachtsumzug begeistert Narren aus der gesamten Region. Dies gilt für Teilnehmer genauso wie für Besucher. Dementsprechend bunt gemischt fiel gestern der Auftakt des närrischen Lindwurms aus. Nach dem obligatorischen Hinweis „Ewe kimmt er“ grüßten die Mainzer Rittergarde, der Eddersheimer Gesangsverein, der Carneval Club aus Raunheim der Sindlinger Karnevalverein und die Marxheimer Kerbeborsch. Erst mit der Startnummer 17 durfte das neue Moderatoren-Duo Simon Traute und Jens Hummel eine Flörsheimer Gruppierung in der Bahnhofstraße begrüßen: Die Flörsheimer Kerbeborsch marschierten als erster örtlicher Verein im Narrenzug. Viele weitere folgten.

Viele Fotos vom Flörsheimer Umzug sehen Sie hier:Narren feiern beim traditionellen Fastnachtszug in Flörsheim

Die Vizekerbeborsch waren als Bauarbeiter unterwegs, um auf die notwendige Sanierung des katholischen Gemeindezentrums St. Gallus hinzuweisen. „Das GZ ist nicht mehr in Schuss, die Vize bauen es wieder uff“, verkündeten die Jungen und Mädels, die im Gemeindehaus ihren Kerbetanz feiern. Mit Baustellenhelm marschierten auch die Vertreter der Kolpingfamilie durch die Stadt. Ihr Motto war ähnlich: „De Kolping kommt als Bauarbeiter und hofft, im GZ geht’s bald weiter.“ Schließlich beschäftigte das Schicksal des Gebäudes auch die Schmetterlinge der KAB. Hinter den bunten Kostümen verbarg sich das ernste Thema: „Die Schmetterlinge fliegen aus – die KAB, die sucht ein Narrenhaus.“

Umweltbewusste Gruppe

Den ?Flexit? forderten die ?Kradfahrer Felzünd? beim Fastnachtsumzug.

Nachdem der heiße und trockene Sommer die Schifffahrt auf dem Rhein lahm legte, waren die Wasserverhältnisse auf dem Flörsheimer Zugweg scheinbar optimal: „Im Moo ist noch Wasser drin, drum schippern wir nach Flörsheim hin“, lautete das Motto der „Los Egalos“, die sich für den Fußmarsch kleine Schiffe umgehängt hatten. In See stechen wollten auch die „Wandaale“ der DJK Flörsheim mit ihrem Nachbau eines Kreuzfahrtschiffes. „Wir paar schippern jetzt“, erklärten sie in Anspielung auf einen bekannten Dating-Service. Zu den optimalen Wasserverhältnissen gehörte übrigens auch der Umstand, dass Regen ausblieb. Nur während der Zugaufstellung fielen wenige Tropfen. Ein Boot präsentierte gestern auch die Privatgruppe „Schmotzer“. „Wir erfüllen die Abgasnorm“, erklärten die Zugteilnehmer, die ein Drachenboot auf Räder gepackt hatten. Ähnlich umweltfreundlich gab sich der Verein Raabekazze: „Diesel-Schlepper sin nit rein, spannt doch widder Gäule ein!“, schlugen die Flörsheimer vor. Mit dem rosa Pferd auf ihrem Wagen machten sie den Anfang. Ganz ohne Luftverschmutzung kam auch die Zugnummer der Caritas Flörsheim aus: Die Fußgruppe hatte kleine weiße Autos umgehängt, die den Caritas-Dienstfahrzeugen nachempfunden waren.

Bei den Privatgruppen „Fantasie“ und „Panzerotti Gang“ ging es weder um Abgase noch um Mainwasser. Wenn man die kreativen Kostüme sah, konnte einem jedoch das Wasser im Mund zusammen laufen: Die „Fantasie“ grüßte die Zuschauer am Straßenrand als Schwarzwälder Kirschtorten, während die Panzerottis“ als bunte Zuckerwatte durch die Gassen liefen. Zum kulinarischen Thema passte auch der Auftritt der „Zugvögel“, die ein närrisches Jubiläum von vier mal elf Jahren feierten. Die Privatgruppe hatte eine fahrbare Küche auf ihrem Anhänger nachgebaut. Weitere Jubiläen feierten die Gruppe „Soko Flörsheim“ mit elf Jahren und der Carneval Verein Weilbach mit 111 Jahren.

Die „Kradfahrer Felzünd“ warben an ihrem Wagen, der die Form einer langen Theke hatte, für den Flexit. „Flerschem am Moo – Kreisfrei, unabhängig und macht was es will“, stand auf den blauen T-Shirts. Was Bürgermeister Dr. Bernd Blisch von der humorvollen Idee der Kradfahrer hält, ist nicht bekannt. Der neue Rathauschef hatte in diesem Jahr allerdings seinen ersten großen Einsatz beim Gardeaufmarsch vor der Kulturscheune. Blisch lieferte sich einen gereimten Schlagabtausch mit dem Heinz Schäfer, Vorsitzender des Flörsheimer Narren Clubs, der den Umzug ausrichtet. Schäfer ging auf die Suche nach einem neuen Ersten Stadtrat ein, der natürlich ein echter Flerschemer Fassenachter sein müsse. Außerdem sprach er vom Diensthandy des Verwaltungschefs, der bereits WhatsApp-Gruppen für wichtigen Themen wie Straßenbau und öffentliches Grün gegründet habe. Blisch erwiderte, dass ihm vor allem die Narren in den Ohren liegen. „Doch tut die Fassenacht mich lehren, dem Narrenclub gut zuzuhören“, erklärte der Bürgermeister, der schließlich den Rathausschlüssel und die Stadtkasse herausrückte.

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