Restaurierung der Kirche St. Josef

Für die Kittfuge ist es einfach zu heiß

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Schwacher Strom soll die Kirchenfenster künftig vor Korrosion zu schützen. Insgesamt kostet die Innen- und Außensanierung des Gotteshauses 1,5 Millionen Euro.

Die Betonschicht zwischen den farbigen Glasfragmenten wirkt sauber und hell – herausgebrochene Stücke des Sichtbetons wurden neu aufgebaut. Kurz: Die Betonglasfenster in Sankt Josef erscheinen äußerlich wieder in der Form ihrer ursprünglichen Installation beim Kirchenbau 1963. Unter der Oberfläche gibt es jedoch eine Veränderung: In den Fenstern fließt ab sofort ein schwacher Strom. Der neue Energiekreislauf soll den metallischen Kern des Stahlbetons vor Beeinträchtigungen durch Feuchtigkeit schützen. Die Korrosion des Materials führte in der Vergangenheit zu Schäden. Die Reaktion ist bekannt: Eisen, das Wasser und Luft ausgesetzt ist, oxidiert – es verrostet mit der Zeit. So geschah es auch mit dem Stahl in den Kirchenfenstern der Josefskirche. Durch eindringende Feuchtigkeit sei der Stahl innerhalb des Betons angeschwollen, erläutert Architektin Mirjam Trabusch. Die Ausdehnung des Metalls habe den Beton und das Glas angegriffen.

Ein neues Schutzsystem soll der Reaktion des Stahls mit seiner Umgebung künftig entgegenwirken – das kathodische Korrosionssystem. Dabei kommt der oben genannte Stromfluss ins Spiel. Die Experten des zuständigen Architekturbüros haben aber nicht etwa eine Batterie an die Fenster angeschlossen. „Es handelt sich um einen physikalischen Prozess“, erklärt Mirjam Trabusch. Ihr Team hat die beschädigten Stahlstelen in den Fenstern zunächst freigelegt, gereinigt und ein Rostschutzmittel aufgebracht. Danach wird es für Laien etwas komplizierter: Bevor das markante Betonprofil zwischen den Glaselementen wieder hergestellt wurde, haben die Arbeiter Kontaktpunkte aus Eisen auf die Unterkonstruktion geschweißt.

Der Beton wurde später mit einer Schicht aus Zink bestäubt. Diese Schicht verbindet sich mit der innen liegenden Stahlstruktur zu einem Kreislauf. Elektronen fließen in das Bauteil, während die Oxidationsreaktion nur noch am Zink auftritt. In einigen Jahrzehnten sei die Zinkbestäubung verbraucht und müsse erneuert werden, erklärt die Architektin. Die Arbeiten an der zweiten Betonglasfassade stehen kurz vor der Fertigstellung. Auf dem Weg gab es ein paar Herausforderungen zu meistern: Miriam Trabusch berichtet, dass vier Teile der Fensterfassade im ersten Bauabschnitt aus der Wand heraus genommen werden mussten. Es war so viel Sichtbeton zu erneuern, dass sich das Material in der Senkrechten schwer aufbringen ließ. „Wenn Sie viel aufgießen müssen, machen Sie das besser im Liegen“, erläutert die Expertin. Derzeit stehen die Arbeiter außerdem vor dem Problem, die originale Kittfuge am Rand der Fenster wiederherzustellen. Es sei einfach zu heiß, um die Fugen mit Kitt zu verschließen, sagt die Architektin.

Die Betonglasfenster, die das Motiv des Lebensbaums darstellen, seien Zeitzeugen der 1950er und 1960er Jahre, erklärt Mirjam Trabusch. Die Gestaltung des Künstlers Johannes Beeck sei nach ihrer damaligen Wertigkeit einzuordnen. „Man muss ein Fenster lesen lernen“, meint die Fachfrau, die auch für die anstehende Innenrenovierung zuständig ist. Dabei soll die Farbgebung der Bauzeit 1963 in den Innenraum zurückkehren.

Die Gemeinde muss nur rund zehn Prozent zu den Kosten der Instandhaltung beitragen, den Rest übernimmt das Bistum Limburg. Die Innenrenovierung wird hingegen fast vollständig aus der Gemeindekasse finanziert. Dabei könne die Gemeinde auf Mittel ihres Förderkreises zurückgreifen und auf Einnahmen aus dem Jahre zurückliegenden Grundstücksverkauf des alten Pfarrheims, erklärt Verwaltungsratsmitglied Alois Platt.

Die gesamte Innen- und Außensanierung der Kirche kostet 1,5 Millionen Euro. Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein (CDU) überbrachte in dieser Woche einen Förderbescheid über 100 000 Euro aus dem Denkmalpflegetopf der Landesregierung. Er habe lange gebraucht, um sich an moderne Kirchen zu gewöhnen, erklärte Rhein in Flörsheim. Die Gestaltung der Josefskirche empfinde er als „sehr gut gelungen“.

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