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Ernste Mienen gab es bei der CDU: (von links) Markus Töpfer, Marcus Reif und Manfred Weber.

Kommunalwahl in Flörsheim

So sehen die Gewinner aus

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Die Koalition aus SPD und Galf ist Geschichte. Nach dem vorläufigen Trend hat das rot-grüne Bündnis in Flörsheim keine Mehrheit mehr. CDU und Galf holten rund 10 Prozent weniger als bei der Wahl im Jahr 2011. Die Gewinner des gestrigen Wahlabends sind die Freien Bürger und die FDP.

Große Augen und Kopfschütteln gab es gestern gleich mehrfach zu sehen. Die Ergebnisse, die in der Stadthalle nach und nach präsentiert wurden, überraschten selbst die Gewinner. Fest steht nämlich schon jetzt, dass die Wähler die Flörsheimer Stadtverordnetenversammlung auf den Kopf gestellt haben. Zum ersten Mal seit dem Jahr 1972 wird die SPD mit 30 Prozent voraussichtlich die stärkste Fraktion bilden. Die Sozialdemokraten verdanken diese Position allerdings nicht ihrem eigenen Ergebnis, das sich gegenüber 2011 nur um 2 Prozent verbesserte. Die Stärke der SPD ergibt sich vor allem aus der Schwäche der CDU, die bei der zweiten Wahl in Folge rund 11 Prozent verloren hat.

Die überragenden Gewinner der Kommunalwahl sind die Freien Bürger (dfb), die ihren Erfolg anfangs selbst nicht glauben konnten. „Das gibt’s doch gar nicht“, murmelten einige der Kandidaten angesichts der ersten Ergebnisse. In den frühen Hochrechnungen aus dem Pfarrzentrum St. Gallus, aus der Turnhalle der Graf-Stauffenberg-Schule und aus der Riedschulhalle lagen die dfb sogar vor der CDU. Während die CDU in den ersten Wahlbezirken nur 16 Prozent holte, schafften die Freien Bürger zwischen 19 und 25 Prozent. Andere Parteien hatten dazu schnell eine klare Meinung: „Das waren Protestwähler. Die haben in Flörsheim keine AfD gefunden“, kommentierte SPD-Chef Gerd Mehler. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Marcus Reif wies darauf hin, dass die Plakate der Freien Bürger die Farben der AfD tragen, die in Flörsheim nicht angetreten ist. Nach dem vorläufigen Endstand konnten die dfb ihr Ergebnis von 5 Prozent aus dem Jahr 2011 auf 19 Prozent verbessern.

„Ich bin überrascht, dass die Leute uns so gut annehmen“, erklärte der hocherfreute dfb-Spitzenkandidat Thomas Probst. Er sieht sein persönliches Wirken und die unabhängigen Positionen der Freien Bürger als Erfolgsrezept. „Wir haben viele Dinge kritisch hinterfragt“, betonte Probst. Dass viele Flörsheimer aus Ablehnung der etablierten Parteien dfb wählten, glaubt er nicht. „Ich halte unsere Wähler nicht für Protestwähler“, so Probst. Er wies außerdem darauf hin, dass die Wählergemeinschaft die Farben blau und rot schon seit 2006 benutzt, also bevor es die AfD überhaupt gab. Er verbürge sich mit seinem Namen dafür, dass die Freien Bürger kein rechtes Gedankengut transportieren, erklärte der dfb-Mann.

Freuen konnte sich auch die FDP, die in der vergangenen Wahlperiode nur vom Stadtverordneten Thorsten Press vertreten wurde und nun wieder Fraktionsstatus erlangt. Der Wickerer Freidemokrat Michael Guske bezeichnete den Stimmenanteil von 9 Prozent als „tolles Ergebnis“.

Bei der CDU herrschte derweil Katerstimmung: Nach der Leistung der vergangenen fünf Jahre habe man sich ein besseres Ergebnis gewünscht, fasste Fraktionschef Marcus Reif seine Eindrücke zusammen. Der Christdemokrat bezeichnete es als Problem, dass die CDU ohne Hauptamtliche im Flörsheimer Rathaus nur verschwommen wahrgenommen werde. Reif ging außerdem davon aus, dass viele Bürger die Kommunalwahl „zweckentfremdet“ haben und die CDU für die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Merkel abstraften. „Das ist die Bundespolitik“, meinte auch Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Odermatt. Sein Amt wird die CDU wohl in Zukunft an die SPD abtreten müssen.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Marion Eisenmann-Kohl wertete den geringen Zuwachs als Zeichen dafür, dass die Bürger „die gute Politik der Sozialdemokraten honoriert“ haben. Die Tendenz für ein künftiges Bündnis sieht sie eher in Richtung rot-schwarz. Sie bedauere das Ende der SPD-Galf Koalition, da sie mit der gemeinsamen Arbeit zufrieden gewesen sei.

Anders klang dies bei der Galf-Spitzenkandidatin Renate Mohr: „Wir hätten diese Koalition nicht weitergeführt, selbst wenn das Ergebnis besser ausgefallen wäre“, erklärte Mohr. Menschlich habe die Zusammenarbeit zwar gut gepasst, doch es sei nicht möglich gewesen Projekte und Ziele der Galf umzusetzen, weil Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) immer zuerst an sich und die SPD gedacht habe. Unter diesen Vorzeichen funktioniere keine Koalition.

Die Galf-Fraktionschefin räumte aber auch offen ein, dass man die Schuld für das schlechte Abschneiden nicht nur bei anderen suchen dürfe und wolle. „Wir müssen schauen, woran es gelegen hat“, so die Flörsheimerin

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