+
Auch in der Kritik: die kleine Freifläche an der Raunheimer Straße.

Kritik am Zustand der städtischen Grünanlagen

„Sparen schadet dem Stadtbild“

  • schließen

Seitdem es keine Saisonarbeiter für den Bauhof mehr gibt, vergammeln die öffentlichen Grünflächen, monieren die Freien Bürger. Um den Zustand der Anlagen gibt es einen fast schon ideologischen Streit. Der Rathauschef will sparen, die Freien Bürger fordern mehr Personal für den Bauhof.

Die Mainstadt hat häufig durch den Fluglärm der Einflugschneise Schlagzeilen gemacht. Obwohl die Belastung groß ist, gibt es immer noch viele ruhige Tage, an denen die Menschen gerne Zeit im Freien verbringen. Eine Möglichkeit dazu bieten die verschiedenen Parks und Grünflächen. Diese sind jedoch nicht unumstritten: Die Freien Bürger (dfb) bemängeln den Zustand der Flörsheimer Grünanlagen, die aus ihrer Sicht „immer mehr vernachlässigt“ werden. Die Mitglieder der Wählergemeinschaft sind nicht die ersten, die Kritik an der Grünpflege üben. Die dfb-Fraktion geht allerdings einen Schritt weiter: Sie hat einen Prüfantrag gestellt, um untersuchen zu lassen, ob das Personal des städtischen Bauhofs durch befristete Saisonarbeiter verstärkt werden kann. Dabei denkt die dfb-Fraktion an Teilzeitkräfte oder Jobs auf 400-Euro-Basis.

Die Wählergemeinschaft greift einen Antrag auf, den sie bereits im Jahr 2012 stellte. Auch damals ging es ebenfalls um die Einstellung von Saisonarbeitern auf dem Bauhof. Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) habe den Antrag damals mit dem Hinweis abgelehnt, dass die Stellen auf dem Bauhof ausreichen. „Die Verwaltung sieht keinen Bedarf für befristete Saisonarbeitsverhältnisse, das Stadtgebiet ist bis auf wenige Brennpunkte gepflegt“, zitiert dfb-Stadtrat Harald Vogel den Bürgermeister.

Die Freien Bürger teilen die Sichtweise des Verwaltungschefs nicht: Seit einiger Zeit sei festzustellen, dass das Stadtbild vom Frühjahr bis zum Herbst einen unordentlichen Eindruck macht, erläutert Harald Vogel. Dies führt der dfb-Mann darauf zurück, dass das Personal des Bauhofs aufgrund der schwierigen Finanzsituation reduziert worden sei. Deshalb könne – aus Sicht der dfb – die anfallende Arbeit auch beim bestmöglichen Einsatz des Personals nicht mehr in vollem Umfang bewältigt werden. Die Freien Bürger weisen darauf hin, „dass Sparmaßnahmen dem Flörsheimer Stadtbild schaden“. Die Finanzlage dürfe nicht dazu führen, dass die Stadt auf Bürger und Gäste einen ungepflegten Eindruck macht. Harald Vogel spricht von Untersuchungen, die belegen sollen, dass sich viele Menschen in Städten hochwertige Grünanlagen wünschen, weil dies ihre Lebensqualität bei der Arbeit und in der Freizeit verbessere. Vogel führt an, dass gepflegtes Grün sogar soziale Konflikte positiv beeinflussen könne. Vor diesem Hintergrund findet er es „besorgniserregend“, wie sehr die Pflege der Grünanlagen in den vergangenen Jahren nachgelassen habe. Der dfb-Sprecher vertritt die Ansicht, dass die sinkende Wertschätzung für ungepflegte Anlagen zu deren weiterem Verfall führt: „Grünflächen werden zertrampelt und laden ein, Müll zu entsorgen“, erklärt Harald Vogel.

Die Antragsteller möchten bei einer Untersuchung zu Saisonarbeit auf dem Bauhof auch prüfen lassen, ob die Stadt Menschen mit Behinderung einstellen kann und für diese Stellen eine finanzielle Förderung erhält. Die Freien Bürger nehmen ihren Prüfantrag zum Anlass, um die Ausgabepolitik der Stadt umfassend zu kritisieren: Wenn mehrere Millionen Euro für den Neubau auf dem Axthelm-Gelände aufgewendet werden und über eine Million Euro für den Ausbau der Industriestraße in Weilbach, dann sollte auch Geld für mehr Personal auf dem Bauhof da sein, meinen die Vertreter der Wählergemeinschaft.

„Weilbach versinkt seit Wochen im Unkraut, alle – ohne Ausnahme – Grünanlagen stehen meterhoch in blühenden Disteln. Zum Beispiel vor dem Haus am Weilbach, ein kultureller Mittelpunkt, Treffpunkt von Vereinen und Kindergruppen stehen fast zwei Meter hohe Milchdisteln in den Baumschutzgittern“, kritisiert der Weilbacher Gerhard Sieber. Am Ehrenmal an der Rüsselsheimer Straße, das vor zwei Jahren umgestaltet wurde, sei ein Baum gepflanzt worden. Es sei aber nie Gras eingesät worden, „vom ersten Tag an wird Löwenzahn und Co gemäht“, moniert Sieber. Noch viel mehr stört den Weilbacher: Der Kreuzungsbereich Frankfurter- und Raunheimer Straße, der täglich von Tausenden von Autos passiert wird, müsse eigentlich den höchsten Pflegestandart erfahren. Doch auch dort wucherten meterhoch die Disteln. Auf dem Bürgersteig würden seit Wochen eine Menge an Kirschkernen liegen. „Was sollen unsere Gäste und Besucher denken?“, fragt sich Gerhard Sieber.

(sas)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare