Störche leben gefährlich

  • VonSascha Kröner
    schließen

Noch ist nicht geklärt, warum einige Störche, die in der Flörsheimer oder Hochheimer Gemarkung groß geworden sind, in der Zwischenzeit ums Leben gekommen sind.

Bernd Zürn träumt von einer „Storchenregion Untermain“. Der Sprecher des Flörsheimer BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland) schätzt die Zahl der Storchenpaare, die derzeit rund um Flörsheim und Hochheim brüten, auf etwa zwölf. Bei der Beobachtung der gefiederten Gäste gibt es aber auch Rückschläge zu verkraften: Die Naturschützer haben innerhalb kürzester Zeit mehrere tote Tiere zu beklagen. Im vergangenen Jahr starb ein Storch, kurz nachdem er in Flörsheim registriert wurde. Zwei weitere tote Vögel tauchten in den vergangenen Tagen auf.

In Frankreich gestorben

Der BUND ließ am 28. Mai 2014 acht Jungstörche beringen. Vier davon waren auf dem Storchenhorst in der „Grube Christ“ in Massenheim geschlüpft, die anderen vier auf einem Mast auf dem Wickerer Deponiepark-Areal. Knapp fünf Monate später habe der damalige Storchenberinger Richard Mohr Post von der Vogelwarte Helgoland erhalten, erzählt Bernd Zürn.

Einer der Jungstörche, der mit der Nummer 3T100 markiert war, wurde in Frankreich aufgefunden. „Tot, jedoch keine Information darüber, wie lange“, lautete es in der Nachricht zum Großvogel vom Bürgermeister der Gemeinde Aunat – einem kleinen Ort im Nordwesten von Perpignon im Departement Aude. Der junge Storch hatte 935 Kilometer zurückgelegt und es bis kurz vor die spanische Grenze geschafft. Wahrscheinlich sei das Tier auf dem Weg in ein Winterquartier in Südspanien gewesen, meint BUND-Sprecher Zürn. Er hatte die traurige Pflicht, Annika Quall über den Tod des Jungstorches zu informieren. Die Flörsheimerin hatte die Patenschaft für 3T100 übernommen.

Gestern teilte Zürn dieser Zeitung mit, dass zwei weitere Störche tot aufgefunden wurden – diesmal direkt unterhalb ihres Nestes zwischen Hochheim und Massenheim. Der BUND hat dort neun Storchenmasten aufgestellt, um den Tieren geschützte Plätze für den Nestbau zu bieten. Die Brutstätten werden von den Störchen allerdings kaum angenommen. Das tote Vogelpaar nistete in einem Strommast in der Nähe der Massenheimer Gartenstadt. Es sei denkbar, dass die Störche bei einer Rangelei an die Stromleitungen gestoßen seien, vermutet Zürn eine Todesursache. Der Naturschützer hält es aber auch nicht für ausgeschlossen, dass die Vögel etwas Giftiges gefressen haben. Zürn will die beiden Störche in den kommenden Tagen gründlich untersuchen.

Seit dem Jahr 2004 ließ der BUND Flörsheim 51 Jungstörche beringen. Die Zahl der tödlich verunglückten Tiere lässt sich noch an einer Hand abzählen. Abgesehen von den aktuellen Todesfällen, hofft Zürn auf ein erfreuliches Storchenjahr 2015. Alle von ihm kontrollierten Nester seien gut besetzt, berichtet der BUND-Sprecher. Auch das derzeitige Wetter sei „storchenfreundlich“.

(sas)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare