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Um dieses Grundstück ist ein Streit zwischen dem Viererbündnis und Rathauschef Antenbrink entbrannt.

Bebauung an der Weilbacher Straße

Vorwurf: Flörsheimer Bürgermeister ignoriert Chance auf bezahlbare Wohnungen

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Auf dem Areal an der Weilbacher Straße 5 könnten günstige Wohnungen entstehen, meint das Viererbündnis. Deshalb sollte der Magistrat Kaufverhandlungen aufnehmen. Bürgermeister Michael Antenbrink rät ab.

Wer bei dieser Angelegenheit nicht die ganze Wahrheit sagt, ist fast schon zweitrangig. Viel schlimmer ist, dass für politische Streitereien Energien verschwendet werden, die nicht zu Verbesserungen führen. Verbessert werden soll nämlich das Angebot an bezahlbarem Wohnraum in der Mainstadt. Das Viererbündnis, bestehend aus CDU, Grüne Alternative Liste Flörsheim (Galf), Freien Bürger (dfb) und FDP hatte dazu einen Beschluss gefasst. Der Magistrat solle Verhandlungen zum Kauf des 1140 Quadratmeter großen Grundstücks in der Weilbacher Straße 5 für maximal 230 000 Euro aufnehmen.

Das Areal gehört der Fraport Casa GmbH. Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) hatte dieser Beschlussfassung offiziell widersprochen und sein Veto eingelegt „um Schaden von der Stadt abzuwenden“, wie der Verwaltungschef im Sommer erklärt hatte. Denn das nur 17 Meter breite und langgestreckte Grundstück sei schwierig geschnitten. Deshalb könne es nur kostenintensiv mit einem größeren Wohnhaus bebaut werden. Aus diesem Grund habe er von einem Kauf abgeraten, erläutert der Bürgermeister.

Michael Antenbrink wehrt sich gegen Vorwürfe von CDU, Freien Bürgern, Galf und FDP, den Bau von Sozialwohnungen auf dem Grundstück der Weilbacher Straße 5 verhindert zu haben. Denn gegen den Ende September mit den Stimmen des Viererbündnisses gefassten Beschluss der Stadtverordnetenversammlung hatte der Rathauschef dann kein Veto mehr eingelegt. Außerdem habe er der Fraport die

Kaufbereitschaft

der Stadt Flörsheim „signalisiert“, wie der Verwaltungschef in einer Mitteilung erklärt. Der Geschäftsführer der Fraport Casa habe ihn darüber informiert, dass sich die Immobiliengesellschaft mit einer jungen Familie, die das Grundstück kaufen wolle, bereits handelseinig geworden sei. Tatsächlich, so erklärte ein Fraport-Sprecher auf Anfrage des Kreisblatts, ist ein Termin beim Notar vereinbart worden. Der Kauf soll dann protokolliert werden.

Michael Antenbrink zur Vorgeschichte: „Da mir weder Pläne für ein Mehrfamilienhaus mit mindestens elf Wohnungen, geschweige denn eine Wirtschaftlichkeitsberechnung für ein solches Projekt vorliegen, sehe ich mich in meiner Haltung zu diesem Vorhaben des Viererbündnisses bestätigt. Ich kenne auch bis heute keine konkrete Absicht eines privaten Investors, auf dem Grundstück bezahlbaren Wohnraum zu errichten. Vielleicht wurde durch das politisch ungeschickte Verhalten des dfb-Fraktionsvorsitzenden Thomas Probst eine Chance für mehr bezahlbaren Wohnraum verpasst – belastbare Tatsachen, die dies nahelegen, hat es dazu aber nie gegeben“, kritisiert Antenbrink. Er setzt noch einen obendrauf: „Selbstverständlich hätte ich mit der Stadtverwaltung gerne einen sachorientierten Vorschlag zum Bau von bezahlbarem Wohnraum geprüft. Bedauerlicherweise hat der dfb-Fraktionsvorsitzende Probst aber weder der Person des Bürgermeisters Einblick in seine Pläne gewährt, noch hat er die Entwürfe sonst wie für die breite Öffentlichkeit einsehbar gemacht.“

Die Freien Bürger beurteilen die Sachlage anders. Es sei die Aufgabe der Stadtverwaltung gewesen, die Pläne für die Bebauung der Weilbacher Straße 5 zu erstellen. Sie hatten indes auf eigene Kosten von einem Architekten einen Entwurf anfertigen lassen. Dieser Entwurf, für ein Gebäude mit elf bis 14 Wohnungen inklusive Parkplätzen, sei von dfb-Fraktionschef Thomas Probst der zuständigen Mitarbeiterin im Bauamt vorgelegt worden. Von einer nicht erfolgten Information der Verwaltung könne keine Rede sein. Wenn Antenbrink darauf verweise, dass die Stadt zehn Sozialwohnungen an der Elisabeth-Jakobi-Straße errichten lässt, so müsse er die ganze

Wahrheit sagen

. Der Bau von Sozialwohnungen in der Elisabeth-Jakobi-Straße sei ein gemeinsamer Beschluss von allen Fraktionen gewesen.

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