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Jürgen Hochheimer (rechts) und Norbert Nauheimer (2.v. lks) mit ihren Söhnen Patrick und Marcel Hochheimer sowie Christian Nauheimer.

Autohaus

VW-Schmitt: „Ohne den Umzug gäb’s uns nicht mehr“

Das Autohaus Schmitt ist ein echtes Familienunternehmen, das in seiner fast 80-jährigen Geschichte Höhen und Tiefen erlebt hat. Auch der aktuelle Diesel-Skandal hat Auswirkungen auf den Betrieb, der seit vier Jahren im Gewerbegebiet ansässig ist.

Das Überleben erforderte ständige Anpassung. Nur durch Veränderungen konnte sich eine kleine Flörsheimer Werkstatt zum großen Autohaus mausern. Heute ist der neue Firmensitz von Auto Schmitt am Ortsausgang in Richtung Hochheim ein echter Hingucker. Auf einem Areal von 6500 Quadratmetern hat der Betrieb eine Werkstatt mit 13 Hebebühnen und einen angrenzenden Verkaufsraum mit einer Fläche von 700 Quadratmetern hochgezogen. Das Unternehmen feiert im kommenden Jahr sein 80-jähriges Bestehen. Angefangen hat alles mit einem kleinen Reparaturbetrieb in der Hauptstraße 82. Dort eröffnete Johann Schmitt am 15. Januar 1939 eine Werkstatt samt Tankstelle.

Der Umzug 2014 an den Rand des Gewerbegebietes West V war eine der wichtigsten Entscheidungen der Unternehmensgeschichte: „Wenn wir das nicht gemacht hätten, gäbe es die Firma nicht mehr“, ist sich Jürgen Hochheimer sicher. Der 63-Jährige leitet den Betrieb im Duo mit Norbert Nauheimer als Geschäftsführer. Die Schaffung moderner Verkaufsflächen ist ein entscheidender Faktor für die lukrative Zusammenarbeit mit großen Autoherstellern. Der Status als Vertragspartner hängt nämlich auch davon ab, ob ein Autohaus alle Vorgaben der Produzenten erfüllen kann. Dabei fordern die Verhandlungspartner der Automarken unter anderem eine gewisse Größe der Verkaufsräume.

Auto Schmitt übernahm die Volkswagen-Vertretung im Jahr 1949. Der Flörsheimer Betrieb sei der erste Händler im Rhein-Main-Gebiet gewesen, der VW-Modelle verkaufen durfte, erzählt Jürgen Hochheimer. Er kennt Geschichten der früheren Betriebsleiter, laut denen die Nachfrage so groß war, dass Kunden über den Kaufpreis hinaus Geld boten, um einen der gefragten Autos zu erstehen. Über solche Zustände würde er sich heute freuen.

Im Jahr 1966 wurde Auto Schmitt anerkannter Partner für Volkswagen und Audi. Heute ist das Flörsheimer Autohaus ein VW-Händler und Audi Service Partner. Das Unternehmen erweiterte seine Betriebsräume in den Jahren 1959 und 1979. Dabei wuchs der Betrieb bis auf die gegenüberliegende Seite der Hauptstraße. Nachdem Jürgen Hochheimer und Norbert Nauheimer die Geschäftsführung 1999 übernommen hatten, standen im Jahr 2006 weitere Veränderungen an: Die Verkaufsräume wurden entsprechend der VW-Werksvorgabe modernisiert.

Der alte Standort hatte seine Grenzen zum damaligen Zeitpunkt allerdings längst erreicht. Mehrere Straßen zerteilten das Betriebsgelände, das sich aufgrund des Platzmangels in einen

Flickenteppich

verwandelt hatte. Die Folge war eine kuriose Sonderregelung: Das Autohaus habe eine Ausnahmegenehmigung vom Regierungspräsidium erhalten, um die Hauptstraße mit Fahrzeugen ohne Kennzeichen zu überqueren, berichtet Jürgen Hochheimer. Trotz solcher Notlösungen hatte der Standort keine langfristige Zukunft. VW-Vertreter hätten beim Besuch des Unternehmens mit den Köpfen geschüttelt. „Es hat den Ansprüchen irgendwann nicht mehr genüge getan“, sagt der Geschäftsführer. Die Gefahr war greifbar: Das Risiko eines Lizenzverlustes habe über dem Autohaus gehangen.

Das alles änderte sich, als Auto Schmitt die Chance ergriff, ins neue Gewerbegebiet umzuziehen. Der Neubau an der Straße Hochgewann sei ein ganz wichtiger Schritt gewesen, betont Hochheimer, der das neue Gelände als „Sahneschnitte“ bezeichnet. Ohne konkrete Zahlen zu nennen, verkündet der 63-Jährige, dass der Umzug dem Unternehmen gut getan habe. Er verzeichne eine starke positive Veränderung bei den Umsatzzahlen. Der neue Standort mache das Autohaus unter anderem attraktiver für Kundschaft aus Nachbarstädten wie Hochheim und Rüsselsheim.

Mittlerweile gilt es aber auch, neue Herausforderungen zu meistern: Die Abgaskontrollen nach dem Messverfahren WLPT, die bei der Genehmigung neuer Fahrzeuge vorgeschrieben sind, führen zu Handelsengpässen. Der Job der Verkäufer sei derzeit schwer, weil Händler Lieferzeiten nicht einhalten können, berichtet Jürgen Hochheimer. In der riesigen Ausstellungshalle von Auto Schmitt stehen derzeit einige Plätze leer. Auch der Abgasskandal ging nicht spurlos am VW-Autohaus vorüber. (siehe Extra) „Das wird uns noch einige Jahre beschäftigen“, meint Hochheimer.

Nach fast 80 Jahren Geschichte in Flörsheim, will Auto Schmitt ein Unternehmen mit Tradition bleiben. Dies beginnt bei den Beschäftigten: Die Firma konnte im August mit Alexander Fournier einen Mitarbeiter in der vierten Generation begrüßen.

Der Azubi folgt in den Fußstapfen seines Vaters, Großvaters und Urgroßvaters. Ein familieninterner Wechsel kündigt sich aber auch in der Geschäftsführung an. Der Sohn von Norbert Nauheimer und die zwei Söhne von Jürgen Hochheimer stehen als Juniorchefs in den Startlöchern. „Wir sind und bleiben ein Familienunternehmen“, erklärt Hochheimer.

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