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Die Tore des alten Friedhofes an der Jahnstraße werden nachts nicht mehr geschlossen.

Flörsheim

Warum der Alte Friedhof wohl erst 2030 zum Park wird

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Der Zustand von Friedhöfen wird von Besuchern, die für die Pflege der Ruhestätten ihrer Angehörigen verantwortlich sind, kritisch beäugt. Ebenso gibt es oft Diskussionen mit städtischen Mitarbeitern, wenn die Gräber abgeräumt werden müssen.

Das grelle Rot bildete einen deutlichen Kontrast zum vorherrschenden Grauton der Grabsteine. Mitarbeiter des Bauhofes hatten die Ecken mehrerer Gedenksteine mit leuchtender Farbe gekennzeichnet. Die auffällige Markierung galt Gräbern, deren Ruhezeit abgelaufen war. 30 solcher Grababdeckungen ließ die Stadt in einer rund zweiwöchigen Aktion auf dem alten Friedhof entfernen. Die Einfassungen und verzierten Steine landeten auf einem Schutthaufen. Was wenig pietätvoll klingt, gehört zum regelmäßigen Geschäft. Es komme jährlich vor, dass Gräber am Ende der Ruhezeit abgeräumt werden, erläutert Bauhofleiter Markus Hanf.

Manchmal finde man noch Angehörige, die das Grab selbst abräumen, hieß es aus dem Rathaus. In der Mehrzahl der Fälle melde sich jedoch niemand. Für die einst Trost spendenden Grabsteine und Dekorationen gibt es keine weitere Verwendung. Alle oberirdischen angelegten Utensilien der einstigen Gräber werden wie normaler Bauschutt entsorgt.

Dabei beginnt sich die Arbeit der Bauhof-Kolonnen zu wandeln: Früher seien wesentlich wuchtigere Grabsteine eingesetzt worden, weiß Bauhofchef Hanf. Außerdem werden immer mehr klassische Erdgräber durch Urnenbestattungen abgelöst, wodurch der Aufwand ebenfalls sinke. „Es ist aber nach wie vor schwere Arbeit“, beschreibt Markus Hanf die aufwendigen und kraftraubenden Abräum-Aktionen.

Dass die große Entfernung der Gräber von Friedhofsbesuchern negativ aufgenommen werde, sei ihm noch nicht untergekommen, berichtet der Leiter des Bauhofs. Manchmal müssen seine Mitarbeiter jedoch auf den

Gesprächsbedarf

bei den Angehörigen eingehen. Das Team, das an den Ruhestätten arbeite, habe durchaus eine gewisse soziale Funktion. „Man muss zuhören können“, erläutert Hanf.

Es sind aber nicht immer nur Mitarbeiter des Bauhofs auf den Flörsheimer Friedhöfen im Einsatz. Wenn viel Arbeit anstehe, werden Fremdfirmen beauftragt, berichtet der Bauhof-Chef.

Auffällig war im Vorjahr die Anzahl der Ruhestätten, deren Nutzungsrechte abgelaufen waren. Insgesamt 30 Gräber auf dem alten Friedhof wurden im Juli des vergangenen Jahres zur Abräumung aufgerufen. Damit nähert sich das Areal zwischen Jahnstraße und Anne-Frank-Weg eigentlich Schritt für Schritt seiner künftigen Bestimmung. Die neue Friedhofsordnung, die Anfang 2017 erlassen wurde, sieht die Schließung der alten Friedhöfe in Flörsheim und Weilbach vor. Die letzte Beisetzung auf dem Alten Friedhof an der Jahnstraße erfolgte bereits im Jahr 2008. Nach der jüngsten Abräum-Aktion verbleiben noch 25 Gräber. Wenn deren Nutzungsrechte erloschen sind, soll die Grünfläche irgendwann um das Jahr 2030 herum als Park genutzt werden, schätzt man bei der Stadtverwaltung.

Zum Ärger der Anwohner nutzen einige jugendliche Besucher den Friedhof schon heute als Treffpunkt. Oftmals zur Nachtzeit. Das Problem sei bekannt, hieß es auf Nachfrage dieser Zeitung aus dem Rathaus. Abgeschlossen wird das Gelände allerdings trotzdem nicht. Der automatische Schließmechanismus sei deaktiviert, weil die Tore sonst sehr laut zuschlagen würden. Dies habe einige Nachbarn erheblich gestört. Auch die anderen Friedhöfe in der Stadt werden, nach Auskunft aus dem Rathaus, nicht verschlossen. Die einzige Ausnahmen bildet der jüdische Friedhof. Um die soziale Kontrolle zu erhöhen, hat die Stadt Mitte des Jahres eine Wegbeleuchtung auf dem alten Friedhof installiert.

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