Schmetterlingsexperte Alfred Westenberger entdeckte bei einer Tour durch das Kiesgrubengelände in Weilbach diese Gottesanbeterin und fotografierte das unter Artenschutz stehende Insekt.
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Schmetterlingsexperte Alfred Westenberger entdeckte bei einer Tour durch das Kiesgrubengelände in Weilbach diese Gottesanbeterin und fotografierte das unter Artenschutz stehende Insekt.

Artenschutz

Hobbyforscher entdeckt seltenes Insekt: „Da muss man aufpassen“

  • vonSascha Kröner
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Ein Hobbyforscher aus Hofheim entdeckt eine der seltenen Gottesanbeterinnen auf dem Kiesgruben-Areal in Flörsheim.

  • Der Hobbyforscher Alfred Westenberger aus Hofheim entdeckt in Flörsheim-Weilbach ein seltenes Insekt.
  • Dabei handelt es sich um ein Männchen der streng geschützten Gottesanbeterin.
  • Fürs Fotografieren der scheuen Tiere gibt er praktische Tipps.

Flörsheim – Diesen Schnappschuss wird Alfred Westenberger so schnell nicht vergessen. Noch Tage nach seinem Besuch in den Weilbacher Kiesgruben schwingt helle Freude in der Stimme des Hofheimer Schmetterlingsexperten mit. "Ich bin begeistert", erzählt Westenberger von seinem jüngsten Erlebnis. Der Naturfreund, der regelmäßig farbenprächtige Falter beobachtet, hatte Anfang des Monats ein anderes seltenes Insekt vor seiner Kameralinse.

Eigentlich kann Alfred Westenberger fast nichts mehr überraschen. Seit Jahren beobachtet der ehemalige Verwaltungsbeamte die Schmetterlings-Fauna in verschiedenen Regionen. Westenberger kann einige schöne Erfolge vorweisen. Unter anderem gelang es ihm, im Jahr 2014 einen Zweibrütigen Würfel-Dickkopffalter in Weilbach abzulichten - eine Schmetterlingsart, die bis dahin auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stand. Westenberger hat ihre Existenz erstmals wieder nachgewiesen. Derzeit gebe es auf dem Kiesgrubengelände an der Frankfurter Straße in Weilbach 33 Tagfalterarten, berichtet er. Wer sich eine Weile mit ihm unterhält, bekommt schnell den Eindruck, dass er sie alle kennt - und zwar mit deutschem und mit lateinischem Namen. Was der Hobby-Naturkundler nun in Weilbach antraf, ist Experten als Mantis religiosa bekannt. Es handelte sich dabei nicht um einen Schmetterling, sondern um ein Männchen der streng geschützten Gottesanbeterin.

Auf dem Schnappschuss des Schmetterlingsexperten scheint das seltene Insekt förmlich für den Fotografen zu posieren. Während sich das Gottesanbeter-Männchen mit seinen kräftigen Vorderbeinen putzt, schaut es mitten in die Kamera.

Hobby-Forscher entdeckt seltene Gottesanbeterin in Flörsheim: "Es war ein reiner Zufall"

Ganz so einfach kam die gelungene Aufnahme jedoch nicht zustande: "Es war ein reiner Zufall", erzählt Alfred Westenberger. Nach einer rund zweistündigen Erkundung eines Geländes entlang der Landstraße zwischen Weilbach und Hattersheim sei er gerade auf dem Rückweg gewesen, als plötzlich etwas Ungewohntes vor ihm vorbeiflog. Der Naturfreund erkannte sofort, dass es sich um eine Gottesanbeterin handelte, die nur wenige Meter entfernt auf einer Distel landete. Als erfahrener Schmetterlingsfotograf wusste der Hofheimer, wie er sich am besten an sein Motiv heranpirschen würde. "Da muss man aufpassen", erklärt Westenberger. Denn diese Insekten sind scheue Tiere. Er empfiehlt, die ersten Bilder von weiter weg zu machen und sich dann langsam in Schritten von 50 Zentimetern dem Objekt der Begierde zu nähern. Diese Methode war dieses Mal wieder erfolgreich.

Trotz seiner jahrelangen Erfahrung habe er eine Gottesanbeterin bisher nur in Südfrankreich gesehen, berichtet der Fotograf und Hobbyforscher. Die Wärme liebende Insektenart profitiere von der Klimaerwärmung und sei mittlerweile auch in nördlicheren Gefilden anzutreffen, meint Alfred Westenberger.

Gottesanbeterin in Flörsheim entdeckt: Es gibt auch "Gewinner des Klimawandels"

Auch unter den Schmetterlingen gebe es "Gewinner des Klimawandels", sagt der Hofheimer. Dazu gehören unter anderem der Brombeer-Perlmuttfalter oder auch der Kurzschwänzige Bläuling. Neben der Witterung sei es aber vor allem die wilde Pflanzenwelt, die zur Ausbreitung von Schmetterlingen und anderen Insekten beitrage. Alfred Westenberger appelliert an die Menschen in der Region, ihre Gärten insektenfreundlich anzulegen. Pflanzen wie Blutweiderich, Wasserdost, die Witwenblume, Lavendel oder auch Majoran seien eine ideale Umgebung. "Ganz wichtig ist es, auch mal eine Distel oder eine Brennnessel stehenzulassen", so der Fachmann. Wer sich dagegen einen Steingarten anlege, der brauche sich über den Rückgang der Insekten nicht zu wundern. (Von Sascha Kröner)

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