Unter der Leitung von Jens-Uwe Schunk (li.) proben die Aktiven des Gesangvereins Harmonie Wicker auf dem Schulhof der Goldbornschule.
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Unter der Leitung von Jens-Uwe Schunk (li.) proben die Aktiven des Gesangvereins Harmonie Wicker auf dem Schulhof der Goldbornschule.

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Wicker: Chor-Mitglieder bringen sich Stühle selbst mit

Der Gesangverein Harmonie Wicker passt sich in der Corona-Krise den vorgeschriebenen Einschränkungen in allen Bereichen an.

Wicker -Die Ansammlung von Sitzgelegenheiten auf dem Schulhof der Goldbornschule war wild zusammengewürfelt: Plastikstühle, Campingstühle und kleine Holzschemel reihten sich mit jeweils einigen Metern Abstand aneinander. Dort probten die Chöre der Harmonie Wicker, und aus Hygienegründen waren die Aktiven selbst für ihre Sitzplätze verantwortlich. "Jeder Sänger hat seinen eigenen Stuhl mitgebracht", erklärte die Vereinsvorsitzende Annette Huth eine Bedingung der Freiluft-Probe.

Für die Teilnehmer war das Umfeld noch relativ neu. Die Sängerinnen und Sänger versammelten sich am Dienstag erst zum zweiten Mal zu einer Übungsstunde unter freiem Himmel. Die Premiere vor einer Woche sei mit über 30 Teilnehmern erstaunlich gut besucht gewesen, berichtete die Vorsitzende. In dieser Woche kamen nur 22 Aktive zur Probe des gemischten Chores. Annette Huth führte die schwankende Zahl auf Urlaubsreisen zurück. Alle drei Chöre der Harmonie nutzen den Schulhof: Vor dem Treffen des gemischten Chores probte der Männerchor, im Anschluss sangen die Mitglieder des jungen Chores "CantAnima". Vom Hausmeister der Schule habe sie gehört, dass die Anwohner den Gesang positiv aufnehmen, sagt die Harmonie-Chefin: "Die Nachbarschaft war erfreut über das Konzert."

Vielen älteren Mitgliedern bieten die Treffen auf dem Schulhof die erste Gelegenheit seit Monaten zum gemeinsamen Singen. Denn nicht jeder hatte die technischen Möglichkeiten, die Gesangskameraden online im Videochat zu treffen. Diese Option nutzte in den vergangenen Wochen lediglich der Chor "CantAnima". "Selbst bei uns Jüngeren, die im Büro arbeiten, mussten die Kinder am Computer helfen", erklärte Annette Huth. Die Online-Proben liefen so ab, dass Chorleiter Jens-Uwe Schunk eine Melodie auf dem Klavier spielte und jeder Aktive für sich vor dem Rechner mitsang. Die Sänger übertrugen ihren Ton nicht im Chat. Durch die unterschiedlichen Übertragungsgeschwindigkeiten wäre sonst ein Durcheinander von Stimmen entstanden, erläuterte die Vorsitzende.

Der Schulhof bietet nun die Gelegenheit, alle Stimmen gleichzeitig erklingen zu lassen. Die Umgebung sei allerdings ungewohnt, erklärte Annette Huth. Viel Zeit wird den Sängerinnen und Sängern aber nicht bleiben, um sich an die neue Atmosphäre zu gewöhnen. Die nächste Veränderung zeichnet sich nämlich bereits ab. Draußen wird es langsam kälter, und die Sonne verschwindet immer früher hinter dem Horizont. Eine Lösung für die Herbst- und Wintermonate wird noch gesucht. Es gebe Überlegungen, in kleinen Gruppen ins Sängerheim zu gehen, erläuterte die Vorsitzende. "Das ist alles noch in der Schwebe", so Annette Huth. Bei der Entwicklung eines Konzeptes muss der Verein verschiedene Vorgaben berücksichtigen. So dürfe beispielsweise nicht länger als 45 Minuten am Stück gesungen werden, ohne zwischendurch die Räume zu lüften.

Die Corona-Krise hat die diesjährigen Pläne der Harmonie über den Haufen geworfen. Eigentlich habe der Verein vorgehabt, einen Projekt-Chor zu gründen und am 17. August ein Benefiz-Konzert zu singen. Wie es nun weitergeht, will Annette Huth nicht vorhersagen: "Im Moment wagt keiner eine Prognose." Dabei es geht es auch um die Frage, ob die kommenden Fastnachtssitzungen stattfinden. Ob das närrische Programm durchgeführt wird, wolle die Harmonie mit dem befreundeten Gesangsverein Sängerlust absprechen, der ebenfalls Sitzungen in Wicker organisiert. "Das wollen wir gemeinsam entscheiden", erklärt die Harmonie-Chefin. sas

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