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Er hat schon viele Preise für seinen Wein einheimsen können, wie hier auf dem Foto aus dem Jahr 2018: Winzer Reiner Flick.

Wirtschaft

Wicker: Virtuelle Weinproben hält Reiner Flick für zukunftsträchtig

Der bekannte Winzer meldet stabile Exportzahlen - und kritisiert Merkel.

Wicker -Corona hat viele Wirtschafts- und Gesellschaftsbereiche im Griff. Während Restaurants schließen und nur bestimmte Läden weiter geöffnet bleiben, trifft die Pandemiebekämpfung die Winzer auf unterschiedlichen Ebenen. Einerseits sind Gastronomieangebote der Gutsausschänke während des Lockdown untersagt, andererseits läuft der Verkauf in den Vinotheken der Weingüter weiter. Der direkte Flaschenverkauf im Laden habe sogar zugenommen, sagt Reiner Flick von der Wickerer Straßenmühle. Ein Grund zur Freude ist dies allerdings nicht.

Das Problem: Die zusätzlichen Einnahmen aus Vinotheken hätten die Winzer bereits doppelt in der Gastronomie verloren und zehnfach durch fehlende Feste, sagt Flick. "Unter dem Strich lassen alle Federn", erklärt der Wickerer Winzer. Große Veranstaltungen, wie Weinfeste, Weihnachtsmärkte oder der Hochheimer Markte seien Bereiche, die den Betrieben fehlen. Es mache einen Unterschied, ob ein Winzer ein paar hundert Kunden am Marktstand bedient oder fünf in der Vinothek, erläutert Flick, der bei der jüngsten Landesweinprämierung zum zehnten Mal den Staatsehrenpreis für den Gesamterfolg des Weingutes erhielt. Eine Auszeichnung, die nach seiner Ansicht sowohl die Mitarbeiter, wie auch die Kundschaft bestätigt.

Obwohl er die nun zweistellige Zahl an Ehrenpreisen als etwas besonderes wertet, gibt sich Flick keinen Illusionen hin: "Die Zeiten, in denen einem die Kunden nach einer Auszeichnung die Tür eingerannt haben, sind lang vorbei", sagt der erfahrene Winzer und Geschäftsmann. Am Ende sei es ein Preis unter vielen, den er unter anderem per E-Mails in Form von Newslettern nutze, um mit seinen Kunden zu kommunizieren.

Die Pandemie mache es erforderlich, die Kundschaft auf neuen Wegen anzusprechen. So bietet Reiner Flick mittlerweile auch Online-Verkostungen an, bei denen sich die Teilnehmer mit zuvor bestellten Weinpaketen in Video-Chats treffen. "Am Anfang war ich noch skeptisch", räumt der Wickerer ein. Die Vorteile der virtuellen Weinproben, bei denen sich 30 bis 50 Gruppen zuschalten, hat er jedoch schnell erkannt: Über das Internet lasse sich ein Publikum erreichen, das sonst nicht auf sein Weingut komme. Neben Weinfreunden aus ganz Deutschland hätten auch schon Menschen aus der Schweiz teilgenommen. "Das wird irgendwie auch die Zukunft sein", ist der Weinproduzent überzeugt.

International aufgestellt war Reiner Flick schon vor der Pandemie. Der mehrfache Träger des Staatsehrenpreises liefert nämlich seine Weine in verschiedenen Ländern auf der Welt. In Folge der Krise stellte er teilweise ein Schwinden der Nachfrage fest. "In China hatten die Kneipen auch zu", sagt Flick. Bei einem Händler in Polen, der normalerweise Flusskreuzfahrsschiffe versorge, sei die Nachfrage um 50 Prozent eingebrochen. Dennoch will sich Reiner Flick nicht beschweren - denn grundsätzlich sei sein Export stabil. Ein Händler aus Italien habe jetzt mit etwas Verzögerung bei ihm bestellt, und auch fünf Lieferungen nach Asien seien wieder auf dem Weg.

Geärgert hat sich Flick über die Darstellung des Lockdown durch die Bundesregierung. Er kritisiert die Äußerungen der Bundeskanzlerin, dass jetzt hart gegen die Gastronomie vorgegangen werde. "Das sind die Leute, die sich echt Gedanken gemacht haben", betont der Winzer. Er sieht in der Umsetzung der Beschränkungen ein "ganz falsches Signal". sas

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