72 Flüchtlinge sind schon da

  • VonSascha Kröner
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Weitere Asylbewerber sollen nächsten Montag in der Sport- und Kulturhalle untergebracht werden.

Ein weißer Container vor dem Haupteingang der Sport- und Kulturhalle dient als Station für die Kleiderausgabe. Von dort aus verteilen ehrenamtliche Helfer gespendete Kleidungsstücke an die Asylbewerber. Weitere blaue Container, die neben der Halle stehen, beherbergen Kochstellen, Waschmaschinen und Trockner. Nun kam der erste Bus mit Flüchtlingen vor der Massenheimer Halle an, die kurzfristig als Unterkunft für bis zu 120 Personen hergerichtet wurde. 72 Menschen zogen gestern ein.

Bei den ersten Asylbewerbern, die in der Sport- und Kulturhalle Quartier beziehen, handelt es sich vor allem um Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Ein geringerer Teil stammt aus Pakistan, Eritrea, Algerien und dem Iran. Die Flüchtlinge kommen direkt aus Gießen, wo sie nach ihrer Ankunft in Deutschland registriert und ärztlich untersucht wurden.

Der Main-Taunus-Kreis ordnete die Direktzuweisung von Flüchtlingen an die Stadt Hochheim an, weil die Zahl der Menschen, die wöchentlich am Hofheimer Kreishaus ankommen, steigt. Hochheim hat bisher von allen Kommunen im Kreis die wenigsten Asylbewerber aufgenommen und wurde deshalb als erste Kommune zur Aufnahme verpflichtet. Kreisbeigeordneter Johannes Baron erklärte gestern, dass die Flüchtlinge nicht mehr Woche für Woche in alleiniger Zuständigkeit des Kreises untergebracht werden können. Die Betreuung der Asylbewerber werde jedoch in allen Fällen der Kreis übernehmen.

Die Hochheimer Verwaltung erfuhr erst im Dezember von den Zuweisungen und musste dementsprechend schnell reagieren. „Da kann man nicht mehr anfangen, Mietverhandlungen zu führen“, erklärte Bürgermeister Dirk Westedt (FDP) kürzlich. Die Stadt musste deshalb auf eigene Immobilien zurückgreifen. Die Georg-Hofmann-Halle in Hochheim kam nicht in Frage, da der Kreis keine Hallen nutzen möchte, die sich auf Schulgelände befinden. Als einzige kurzfristige Lösung bot sich die Sport- und Kulturhalle in Massenheim an. Westedt betonte, dass es sich bei der Unterbringung nicht um eine Notunterkunft handele, wie sie in Hattersheim und Wallau eingerichtet wurde. Die Sport- und Kulturhalle unterscheidet sich unter anderem dadurch, dass 20 separate Wohneinheiten eingeteilt wurden. Außerdem schlafen die Flüchtlinge nicht in Feldbetten, sondern in normalen Stockbetten, die die Stadt angeschafft hat.

Westedt hat angekündigt, dass „möglichst schnell“ Ausweichräumlichkeiten zur Unterbringung der Asylbewerber gefunden werden sollen. Als eine Möglichkeit nannte er den Aufbau von Wohncontainern auf dem Basketballfeld neben der Sport- und Kulturhalle. Weitere Optionen wären die Nutzung eines Teils des ehemaligen Tetra-Pak-Geländes in der Frankfurter Straße und die Anmietung einer Immobilie im Königsberger Ring. Westedt deutete an, dass es vielleicht bis zum Sommer einen Ersatz für die Nutzung der Sport- und Kulturhalle gebe. Nächsten Montag, 18. Januar, sollen die restlichen der 120 Plätze in der Sport- und Kulturhalle Massenheim belegt werden.

(sas)

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